Mittwoch, 5. Dezember 2018

Hoeness auf Abwegen

Irgend wie muss der langjährige Präsident von Bayern München, Uli Hoeness seit seiner Freilassung aus dem Gefängnis und der Wiederwahl zum Präsidenten von Bayern München einen Realitätsverlust erlitten haben. Ich melde mich hier als bekennender Nicht-Experte in Sachen Fußball zu Wort. Man muss aber kein Fussballexperte sein, um die verschiedenen Ausfälle von Hoeness erstaunt zu beobachten. Aus der Wirtschaft kennen wir viele Beispiele für die alte Weisheit aus dem Alten Testament: "Hochmut kommt vor dem Fall". Immer dann, wenn sich Topmanager als unangreifbar wähnen, stolpern sie bei unerwarteten Problemen und werden zum öffentlichen Ziel von bohrenden Fragen. Fragen, die sich ansammeln, je länger sie nicht ernst genommen werden. Sie fühlen sich dann an den Pranger gestellt, ungerecht behandelt, und merken nicht, dass sie Teil des Problems sind.

Der FC Bayern München hat ohne Frage eine außerordentlich beeindruckende Unternehmensgeschichte hinter sich. Umsatz und Gewinn stimmen. Fußballerisch gab es viel Glanzjahre. Nun liegt der stolze Verein 9 Punkte hinter dem Tabellenersten Borussia Dortmund. Und trotz einiger Siege in den vergangenen Wochen nach einem eher schwachen Start grummelt es in München.

An der Spitze stehen mit Uli Hoeness und Karl-Heinz Rummenigge bis heute die beiden für den wirtschaftlichen und sportlichen Erfolg Hauptverantwortlichen. Sie haben aus dem Verein einen der erfolgreichsten Fußballclubs gemacht, keine Frage. Allerdings schleppen beide etwas mit, was sie angreifbar macht und vielleicht auch ihre permanente Empfindlichkeit gegen Kritik erklärt: Beide sind vorbestraft wegen Steuerhinterziehung. Einer saß deswegen sogar im Gefängnis. Würde einer wie Hoeness Chef eines börsengehandelten Unternehmens bleiben dürfen? Wohl kaum. Er ist aber nach seinem Gefängnisaufenthalt mit über 97% von den Bayern-Mitgliedern wieder gewählt worden. Nun, man könnte es dabei belassen, wenn Hoeness sich nicht immer wieder im Ton vergreifen würde. Was er selbst über sich denkt, hat er am Freitag nach der Mitgliederversammlung enthüllt: In diesem Video spricht Hoeness von seinem "tadellosen Ruf als Manager, Vorstand und Bayern-Präsident". Man mag es kaum glauben.
Paul Breitner, seinen langjährigen Weggefährten, nennt Hoeness "einen Täter", weil dieser in den Medien als Opfer dargestellt werde, vor allem aber, weil er sich erlaubt hatte, ihn zu kritisieren: Breitner hat genau das, was Hoeness von den Journalisten erwartet, von Hoeness verlangt: Respekt.
Im Bayerischen Rundfunk wird Breitner so zitiert: "Karl-Heinz Rummenigge kommt rein, zitiert das Grundgesetz und zehn Minuten später tritt der neben ihm (Uli Hoeneß, Anm. der Red.) dieses Grundgesetz mit Füßen - und das schon seit einem halben Jahr."
Hoeness hatte dem früheren Bayern-Spieler Juan Bernat in einer Medienbeschimpfungs-Pressekonferenz (hier in voller Länge) bescheinigt, in Sevilla "einen Scheissdreck" gespielt zu haben.
10 Minuten zuvor hatte Rummenige das Grundgesetz bemüht: "Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Da hatte man sich wohl nicht richtig abgesprochen. Bei anderer Gelegenheit hatte Hoeness schon mal das Grundgesetz verletzt: Er hatte einen Spieler als "geisteskrank" beschimpft. Seine Entschuldigung hinterher macht das nicht besser. Wenn einer moralisiert und dann selber dagegen verstößt, macht er sich wirklich lächerlich.
Als Retourkutsche enthüllte Hoeness dann, dass Breitner mit Beraterverträgen bei Bayern München etwa zwei Millionen Euro über die Jahre verdient hat. Das sollte wohl heißen: Da könne er Dankbarkeit, also Respekt, erwarten. Aber macht man das Honorar eines langjährigen Freundes öffentlich? Wieviel verdienen denn Hoeness und Rummenigge beim FC Bayern?
Rummenigge und Hoeness geht es beiden vorgeblich darum ihre Spieler vor medialen Angriffen zu schützen. Sie wünschen sich mehr "Respekt" der Journalisten. Gemeint sind so schlimme Worte wie "Altherrenfußball". OMG, was für eine Respektlosigkeit!!


In einer eigens dafür einberufenen (besagter Medienbeschimpfungs-) Pressekonferenz im Oktober drohten Hoeness und Rummenigge jedem Journalisten mit Anwälten, der über "falsche Fakten" berichte. Genannt wurden vor allem die Medien des Axel-Springer-Verlags und der Fernsehsender n-tv. Falsche Fakten gibt es bekanntlich nicht. Diese Formulierung ist eine Contradictio in adiecto, wie der Lateiner weiß, ein Widerspruch in sich. Das muss ein Wurstfabrikant nicht wissen, aber wenn Hoeness dann als Beispiel für falsche Fakten die Frage eines Journalisten bringt, ob ein Gerücht stimme, wird es echt lustig. Falsche Fragen sozusagen.
Gegen falsche Fragen könnte freilich kein Medienanwalt etwas ausrichten. Offensichtlich sind solche respektlosen Fragen beim FC-Bayern-Management nicht erlaubt. Ich dachte bisher, so etwas gibt es nur in China, bei Erdogan oder Donald Trump. Nein, es ist real, was sich in den Köpfen der beiden Topmanager des Weltfußballs abspielt.

Im Fernsehen sah und hörte ich dann nur Auszüge einer Rede, die ein Mitglied des Vereins namens Johannes Bachmayr gehalten hat. Ein Steuerrechtler und offensichtlich nicht ganz unintelligent.
Bachmayr zählte die verschiedenen Kritikpunkte schnörkellos und ohne Emotionen auf und belehrte Hoeness, dass der Verein nicht sein Eigentum sei. Während sich Hoeness anschließend im Fernsehen sichtlich betroffen darüber beklagte, dass ihm so etwas noch nie vorgekommen sei, dass die Kritik und einige Buhrufe "von langer Hand" vorbereitet worden seien (eine Verschwörung sozusagen), hat Bachmayr lediglich erkannt, dass der Verein ein Problem hat, das weniger mit den Fußballspielern, als mit dem Vereinsvorstand zu tun hat.
Man kann dem stolzen Verein FC Bayern München nur wünschen, dass der „tadellose" Präsident so bald wie möglich freiwillig in den wohlverdienten Ruhestand überwechselt. Einen guten Platz auf der Ehrentribüne kann er dann vielleicht gemeinsam mit Paul Breitner einnehmen, den er wegen dessen Kritik von dort ausgesperrt hat.




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