Dienstag, 11. Dezember 2018

Kramp-Karrenbauer kann die CDU zusammenführen

Es wird wieder einige geben, die das Merkel-Bashing fortsetzen und künftig auch Annegret Kramp-Karrenbauer einbeziehen.
Aber wer den Parteitag der CDU im Fernsehsender Phönix komplett verfolgt hat, sollte zugeben, dass es ein historischer Tag nicht nur für die Partei, sondern auch für Deutschland und unser demokratisches System war. Hochspannend, fulminante Reden, sehr demokratisch, sehr fair, perfekt organisiert und ein würdiger Abschied für die langjährige CDU-Vorsitzende Angela Merkel.
Sie war nun 18 Jahre Vorsitzende der Partei. In der gleichen Zeit hat die SPD zehn Vorsitzende verschlissen und der HSV 20 Trainer, so Volker Bouffier in seiner Laudatio. In anderen Ländern sind ganze Parteien zu Zwergen geschrumpft, in Deutschland gibt es mit der CDU immer noch eine Volkspartei. Dazu hat Angela Merkel ganz entscheidend beigetragen. Was vielen als zu lange Amtszeit erscheint, kann auch als Hort der Stabilität gesehen werden. Und Stabilität braucht unser Land.
Im Wettbewerb der drei Kandidaten hat sich Annegret Kramp-Karrenbauer durchgesetzt. Zwar knapp, aber eindeutig. Es ist wie beim Fußball. Wer ein Tor mehr schießt, gewinnt. Ich habe vor kurzem an dieser Stelle eine Kolumne geschrieben mit dem Titel "Warum Friedrich Merz scheitern könnte", während ihn die ganze Wirtschaft feierte und Roland Berger ihn schon als Kanzler sah. Ich schrieb: "Mir ist die Begeisterung für "Merz aus der Kiste" ein bisschen groß geraten. Seine Kontrahenten Jens Spahn und Annegret Kramp-Karrenbauer sollte man nicht unterschätzen. Insbesondere "AKK" hat mit Ihrer Verankerung in der gesamten Partei und ihrem fulminanten Wahlerfolg zur Generalsekretärin der CDU bessere Karten als Merz."
Friedrich Merz wird, da bin ich mir ziemlich sicher, sehr schnell von der politischen Bühne verschwinden und in die Wirtschaft zurückkehren, leider. Er hat gut gekämpft, bis ihm in der Schlussrunde auf dem Parteitag die Luft ausging. Seine Rede auf dem Parteitag hatte unbegreiflicherweise das Thema verfehlt: "Wie gewinne ich die Herzen der Delegierten?" Als ob er die Niederlage ahnte, hat er sich nicht mehr getraut seine Wirtschaftskompetenz herauszustellen und stattdessen auf die Außenpolitik gesetzt - wie ein Vizekanzler und zweiter Sieger. Das wirkte analytisch klug, aber kalt, es berührte die Delegierten nicht. Es war nichts persönliches in seiner Rede. Dagegen hatte AKK ihre als Mini-Merkel diffamierte ganz eigene Persönlichkeit authentisch und ehrlich in den Vordergrund gestellt 
Kaum vorstellbar, dass Friedrich Merz nun noch Lust hat in Merkels Kabinett einzutreten oder unter einer Kanzlerin Kramp-Karrenbauer Finanz- oder Wirtschaftsminister zu werden.
Die gute Nachricht für die Wirtschaft ist, dass Frau Kramp-Karrenbauer die Notwendigkeit von Wirtschaftsreformen und Digitalisierung durchaus auf dem Schirm hat. Ihr erster Auftritt als Parteivorsitzende bei Anne Will hat gezeigt, wie kämpferisch sie sein kann, als der frühere Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart das Saarland lächerlich machte und ihre Leistung als Ministerpräsidentin in Zweifel zog. Sie verteidigte energisch ihr Saarland und präsentierte eine ganze Kanonade von Argumenten (gelungene Umstrukturierung, Innovation und Forschung, sparsame Haushaltsführung), die Steingart ziemlich schlecht aussehen ließen. Wenn AKK so klug ist, wie sie ihre Parteifreunde erleben, wird sie die bestehende wirtschaftsliberale Lücke schließen. Es ist keine Frage, dass Steuersenkungen notwendig sind. Das war früher die Domäne der FDP, deren letzter Vorsitzender Rösner dieses Wahlversprechen in der Koalition nicht durchsetzen konnte. So musste der Eindruck entstehen, dass den Unionsparteien zu diesem Thema nichts mehr einfällt und Merkel die Partei nach links geführt hat. Das gilt es zu korrigieren, und vielleicht hilft genau dabei der neue Generalsekretär Paul Ziemiak, der dem Spahn/Merzlager zugerechnet wurde.
Die Kommentare zur angeblichen "Spaltung der CDU" nach diesem Parteitag, sind verständlich aber kurzsichtig. Gerade Kramp-Karrenbauer kann die CDU- gemäß dem Parteitagsmotto - "zusammenführen". Sie ist diejenige, die mit ihren langjährigen Erfahrungen in Ämtern auch teamorientiert führen gelernt hat, während Merz nie operativ geführt, sondern immer nur beaufsichtigt hat. AKK ist noch für einige Überraschungen gut. Auch wenn derzeit alle Amtsträger der CDU und erst recht die neue Vorsitzende versichern, dass sie sich Angela Merkel über die volle Amtszeit als Kanzlerin wünschen, es wird anders kommen. Niemand wird Merkel aus dem Amt drängen, aber sie selbst wird wissen, dass die Chancen für Kramp-Karrenbauer bei den nächsten Bundestagswahlen viel höher sind, wenn sie mindestens ein Jahr als Kanzlerin auftreten und so in den Wahlkampf ziehen kann. 

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Hoeness auf Abwegen

Irgend wie muss der langjährige Präsident von Bayern München, Uli Hoeness seit seiner Freilassung aus dem Gefängnis und der Wiederwahl zum Präsidenten von Bayern München einen Realitätsverlust erlitten haben. Ich melde mich hier als bekennender Nicht-Experte in Sachen Fußball zu Wort. Man muss aber kein Fussballexperte sein, um die verschiedenen Ausfälle von Hoeness erstaunt zu beobachten. Aus der Wirtschaft kennen wir viele Beispiele für die alte Weisheit aus dem Alten Testament: "Hochmut kommt vor dem Fall". Immer dann, wenn sich Topmanager als unangreifbar wähnen, stolpern sie bei unerwarteten Problemen und werden zum öffentlichen Ziel von bohrenden Fragen. Fragen, die sich ansammeln, je länger sie nicht ernst genommen werden. Sie fühlen sich dann an den Pranger gestellt, ungerecht behandelt, und merken nicht, dass sie Teil des Problems sind.

Der FC Bayern München hat ohne Frage eine außerordentlich beeindruckende Unternehmensgeschichte hinter sich. Umsatz und Gewinn stimmen. Fußballerisch gab es viel Glanzjahre. Nun liegt der stolze Verein 9 Punkte hinter dem Tabellenersten Borussia Dortmund. Und trotz einiger Siege in den vergangenen Wochen nach einem eher schwachen Start grummelt es in München.

An der Spitze stehen mit Uli Hoeness und Karl-Heinz Rummenigge bis heute die beiden für den wirtschaftlichen und sportlichen Erfolg Hauptverantwortlichen. Sie haben aus dem Verein einen der erfolgreichsten Fußballclubs gemacht, keine Frage. Allerdings schleppen beide etwas mit, was sie angreifbar macht und vielleicht auch ihre permanente Empfindlichkeit gegen Kritik erklärt: Beide sind vorbestraft wegen Steuerhinterziehung. Einer saß deswegen sogar im Gefängnis. Würde einer wie Hoeness Chef eines börsengehandelten Unternehmens bleiben dürfen? Wohl kaum. Er ist aber nach seinem Gefängnisaufenthalt mit über 97% von den Bayern-Mitgliedern wieder gewählt worden. Nun, man könnte es dabei belassen, wenn Hoeness sich nicht immer wieder im Ton vergreifen würde. Was er selbst über sich denkt, hat er am Freitag nach der Mitgliederversammlung enthüllt: In diesem Video spricht Hoeness von seinem "tadellosen Ruf als Manager, Vorstand und Bayern-Präsident". Man mag es kaum glauben.
Paul Breitner, seinen langjährigen Weggefährten, nennt Hoeness "einen Täter", weil dieser in den Medien als Opfer dargestellt werde, vor allem aber, weil er sich erlaubt hatte, ihn zu kritisieren: Breitner hat genau das, was Hoeness von den Journalisten erwartet, von Hoeness verlangt: Respekt.
Im Bayerischen Rundfunk wird Breitner so zitiert: "Karl-Heinz Rummenigge kommt rein, zitiert das Grundgesetz und zehn Minuten später tritt der neben ihm (Uli Hoeneß, Anm. der Red.) dieses Grundgesetz mit Füßen - und das schon seit einem halben Jahr."
Hoeness hatte dem früheren Bayern-Spieler Juan Bernat in einer Medienbeschimpfungs-Pressekonferenz (hier in voller Länge) bescheinigt, in Sevilla "einen Scheissdreck" gespielt zu haben.
10 Minuten zuvor hatte Rummenige das Grundgesetz bemüht: "Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Da hatte man sich wohl nicht richtig abgesprochen. Bei anderer Gelegenheit hatte Hoeness schon mal das Grundgesetz verletzt: Er hatte einen Spieler als "geisteskrank" beschimpft. Seine Entschuldigung hinterher macht das nicht besser. Wenn einer moralisiert und dann selber dagegen verstößt, macht er sich wirklich lächerlich.
Als Retourkutsche enthüllte Hoeness dann, dass Breitner mit Beraterverträgen bei Bayern München etwa zwei Millionen Euro über die Jahre verdient hat. Das sollte wohl heißen: Da könne er Dankbarkeit, also Respekt, erwarten. Aber macht man das Honorar eines langjährigen Freundes öffentlich? Wieviel verdienen denn Hoeness und Rummenigge beim FC Bayern?
Rummenigge und Hoeness geht es beiden vorgeblich darum ihre Spieler vor medialen Angriffen zu schützen. Sie wünschen sich mehr "Respekt" der Journalisten. Gemeint sind so schlimme Worte wie "Altherrenfußball". OMG, was für eine Respektlosigkeit!!


In einer eigens dafür einberufenen (besagter Medienbeschimpfungs-) Pressekonferenz im Oktober drohten Hoeness und Rummenigge jedem Journalisten mit Anwälten, der über "falsche Fakten" berichte. Genannt wurden vor allem die Medien des Axel-Springer-Verlags und der Fernsehsender n-tv. Falsche Fakten gibt es bekanntlich nicht. Diese Formulierung ist eine Contradictio in adiecto, wie der Lateiner weiß, ein Widerspruch in sich. Das muss ein Wurstfabrikant nicht wissen, aber wenn Hoeness dann als Beispiel für falsche Fakten die Frage eines Journalisten bringt, ob ein Gerücht stimme, wird es echt lustig. Falsche Fragen sozusagen.
Gegen falsche Fragen könnte freilich kein Medienanwalt etwas ausrichten. Offensichtlich sind solche respektlosen Fragen beim FC-Bayern-Management nicht erlaubt. Ich dachte bisher, so etwas gibt es nur in China, bei Erdogan oder Donald Trump. Nein, es ist real, was sich in den Köpfen der beiden Topmanager des Weltfußballs abspielt.

Im Fernsehen sah und hörte ich dann nur Auszüge einer Rede, die ein Mitglied des Vereins namens Johannes Bachmayr gehalten hat. Ein Steuerrechtler und offensichtlich nicht ganz unintelligent.
Bachmayr zählte die verschiedenen Kritikpunkte schnörkellos und ohne Emotionen auf und belehrte Hoeness, dass der Verein nicht sein Eigentum sei. Während sich Hoeness anschließend im Fernsehen sichtlich betroffen darüber beklagte, dass ihm so etwas noch nie vorgekommen sei, dass die Kritik und einige Buhrufe "von langer Hand" vorbereitet worden seien (eine Verschwörung sozusagen), hat Bachmayr lediglich erkannt, dass der Verein ein Problem hat, das weniger mit den Fußballspielern, als mit dem Vereinsvorstand zu tun hat.
Man kann dem stolzen Verein FC Bayern München nur wünschen, dass der „tadellose" Präsident so bald wie möglich freiwillig in den wohlverdienten Ruhestand überwechselt. Einen guten Platz auf der Ehrentribüne kann er dann vielleicht gemeinsam mit Paul Breitner einnehmen, den er wegen dessen Kritik von dort ausgesperrt hat.