Dienstag, 20. November 2018

Darf ein Millionär Bundeskanzler sein?


Friedrich Merz hat nach langem Drängen „zugegeben“, dass er im Jahr eine Million Euro brutto verdient. Muss man das „zugeben“? Muss man das wissen? Und wenn ja, warum?

Gestern bei Anne Will musste sich der Kandidat für den CDU-Vorsitz Friedrich Merz wieder einmal fragen lassen, warum er in der Wirtschaft „Kasse gemacht“ habe. Die SPD-Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig gebrauchte diesen üblen Begriff, und Merz verwahrte sich mit Recht dagegen.

Es ist heutzutage leicht, Beifall zu erhalten, wenn man den durchschnittlichen Bruttolohn in Deutschland aufruft und ihm das Einkommen von Millionären gegenüberstellt, immer mit dem Unterton, da könne ja etwas nicht stimmen, wenn einer soviel Geld verdient. Friedrich Merz hat viel Geld verdient, und irgendwann hat er den unerbittlichen Medieninquisiteuren nachgegeben und sein Brutto-Einkommen mit jährlich 1 Million angegeben. Weil er sich trotz des hohen Einkommens und seiner Flugzeuge zur „Mittelschicht" rechnet, fliegt ihm viel Kritik um die Ohren. Jetzt wissen wir also, dass sich ein Einkommens- und wohl auch Vermögens-Millionär für den Vorsitz der größten Partei bewirb, letztlich, um Bundeskanzler zu werden. Ist das schlimm?

Nein und nochmals nein. Es ist kein Angriff auf Normalverdiener, wenn manche Menschen großen finanziellen Erfolg haben.
Wer sein Geld anständig verdient, seine Steuern bezahlt und Erfolg hat, gehört nicht auf die Anklagebank. Das Kaliber Merz ist durchaus vergleichbar mit den Vorständen großer Unternehmen. Der SAP-Chef Bill McDermott kam 2017 auf 21,15 Millionen Euro per anno. Daimler-Chef Dieter Zetsche verdiente 2017 über 13 Millionen Euro jährlich, BASF-Chef Kurt Bock 10,96 Mio und Siemens-Chef Joe Kaeser 10,84 Millionen. Und dann hat Merz auch noch Flugzeuge. Oh Wunder, offensichtlich gibt er sein Geld auch noch aus. Darf er, soll er. Der Traum vom großen Geld darf geträumt werden.
Ich halte nichts davon, die Debatte darüber mit dem Begriff „Neidkeule“ abzukanzeln. Bin ich auf Millionäre neidisch? Ich wäre zwar auch gerne Millionär und hoffe auf einen Lottogewinn, eines Tages. Aber neidisch bin ich nicht. Es ist mir egal, wie viel Geld einer hat, solange der das Geld legal verdient, sein Vermögen legal aufgebaut hat und immer seine Steuern ehrlich gezahlt hat.

Die meisten Menschen mit großen Vermögen haben im übrigen Stiftungen gegründet, wo sie einen Teil ihres Vermögens für gemeinnützige Zwecke einbringen. Auch Merz unterstützt mit seiner Stiftung soziale Einrichtungen. Was wäre Deutschland ohne seine Reichen, seine Mäzene, seine Unternehmer, seine Weltmarktführer? Was wäre BMW ohne die Quandts, Volkswagen ohne die Porsches und Oetker ohne die Oetkers? Vermögende Familien sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft, ja unserer Kultur. Mir sind sie hier lieber als in St. Tropez oder auf den Bahamas. Reich sind vor allem viele Familienunternehmer. Sie stecken - teils über Generationen hinweg - ihre Erträge in ihr Unternehmen. Sie sind ihren Mitarbeitern meist enger verbunden als Konzerne. Sie stellen eher ein und entlassen seltener. Sie stehen für Kontinuität. Sie protzen nicht, sondern sind eher bescheiden. Sie wollen nicht noch reicher werden, sondern das Vermögen erhalten, auch im Interesse der Firma, für die sie persönlich haften. In ihrem regionalen Umfeld sind Leute wie Rossmann durchaus angesehen. Solche Leute gehen im übrigen auch unternehmerische Risiken ein, wie die Schlecker-Insolvenz gezeigt hat. Das Geld fällt nicht vom Himmel.
Dennoch: Warum gönnen viele auch Familienunternehmern den Reichtum nicht? Sie können sich wohl nicht vorstellen, dass Reiche auf ehrliche Weise zu soviel Geld kommen.  Ja, es gibt auch Menschen, die mit kriminellen Mitteln reich werden wollen. Aber das ist in Deutschland doch eher die Ausnahme. So etwas wie Oligarchen - Milliardäre, bei denen man sich nicht vorstellen kann, wie sie in kurzer Zeit reich geworden sind - gibt es hier nicht.
Rund 8.4 Millionen Bundesbürger spielen Lotto. Warum wohl? Sie wollen reich werden. Ein Traum, der selten wahr wird, aber manchmal eben doch. Bei Günter Jauch heißt die Frage. "Wer wird Millionär?“ Und ja, es kommt immer wieder vor, dass einer es wird. Sind wir da neidisch? Nein, wir freuen uns mit dem erfolgreichen Kandidaten.
Der alte Flick wurde mal gefragt, ob er eine Dividende von 60 Millionen D-Mark nicht mal ans Volk verteilen wolle. Er sagte sinngemäß, er sei dazu gerne bereit, jedem Deutschen einen Anteil zu vermachen. Eine Mark pro Bundesbürger. Davon hätte sich jeder ein Eis kaufen können. Stattdessen konnte Flick das Geld investieren - viel sinnvoller!
Darf also ein Millionär Bundeskanzler werden? Eindeutig ja. Wirtschaftlicher Sachverstand tut auch einem Bundeskanzler gut.

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