Dienstag, 16. Oktober 2018

Ist Fussball eine intelligente Sportart?

"Wir müssen das jetzt erst mal analysieren und dann werden wir weiter sehen." Diese Standardantwort hat nicht nur bei verlorenen Wahlen Konjunktur, sondern auch beim deutschen Fußball. Wenn die deutsche Mannschaft gegen Frankreich heute Abend wieder verliert, wird es ganz besonders viele Analysen geben, und vielleicht tritt Jogi Löw mit seinen zunehmenden Sorgenfalten dann auch zurück. Und dann braucht es einen wie Jürgen Klopp, der verstanden hat, worum es im Fußball wirklich geht: Spaß am Fußball haben, begeistert spielen und den direkten Weg zum Tor suchen, ohne hinten ein Scheunentor zu öffnen.

Ich bin ein Bundesliganormalverbraucher und nun wirklich kein Fußballexperte, aber mir scheint, dass sich in diesem Sport ein Missverständnis ausgebreitet hat: Als ob Fußball eine Wissenschaft ist. Wenn ein Spieler aus 5 Metern am Tor vorbei schießt, kann man das analysieren ohne Ende. Und ohne Ergebnis.  
Die Ursache liegt im Kopf. Wer beim Schuss aufs Tor nachdenkt, schießt wahrscheinlich daneben. Wer ohne nachzudenken volle Kanne draufhaut, schießt wahrscheinlich ein Tor. 
Sepp Herbergers "Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten" war eine frappierende Erkenntnis, die zunehmend aus dem Blick geraten ist. Profi-Fußballer sollten Fußball spielen, ihre Steuern zahlen und weniger Werbegeld kassieren. Seit Jerome Boateng Werbung für McDonalds macht, spielt er deutlich schlechter.

Warum trifft Thomas Müller nicht mehr? Weil er vermutlich zu viel denkt. Unsere Ex-Weltmeister sind ja von einem Beraterschwarm umgeben. Von Trainern, Sportdirektoren, einer ganzen Apanage an Helfern, Anlageberatern, Werbeagenturen und nicht zuletzt Sportjournalisten mit den immer gleichen Fragen. Das alles stört nicht, wenn man gewinnt, aber wenn man immer wieder verliert, dann nehmen die Ratschläge zu, jeder weiß was, und der Spieler: Der trifft nicht mehr.

Die Profifußballer tätowieren ihre Arme wie Türsteher im  Rotlichtviertel, unterliegen aber dem irrigen Glauben, dass sie einen Sport betreiben, der besondere Intelligenz voraussetzt. Das mag bei dem einen oder anderen ja der Fall sein, aber wer wie Marco Reus jahrelang ohne Führerschein herumfährt und dafür 540.000 Euro Strafe zahlt, gehört als Weltfußballer sicher nicht zu dieser Gruppe. Also Jungs, back to the roots. 
Spielt wieder so wie in eurer Jugend auf dem Bolzplatz: Stürmt los, haut drauf und schießt ein Tor. Und lasst mal den ganzen Analysekram wenigstens für eine Weile ruhen. 


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