Freitag, 21. September 2018

Die Höhle des Löwen: Mehr als Unterhaltung

Die Höhle des Löwen gibt es nun schon vier Jahre. Sie ist laut Wikipedia ein Ableger der britischen Reality-TV-Sendung Dragons´Den, eines Konzeptes, das weltweit von Sony Pictures Television produziert und vermarktet wird. Was macht diese Sendung so bemerkenswert?
Sie ist eines der seltenen Beispiele, dass Wirtschaft auch unterhaltsam sein kann. Denn das ist das Hauptproblem der deutschen Wirtschaftspresse. Ich kenne kaum ein Wirtschaftsmedium, bei dem man sich auch einmal freuen kann - "Bilanz" möge mir verzeihen - ausgenommen den britischen Economist, dessen geschliffener Sprachstil immer mal wieder den Leser mit trockenem Humor belohnt.

Als 2014 die erste Staffel dieser Sendung mit Gründern lief, glaubte kaum einer an einen dauerhaften Erfolg. Investoren sollten echtes Geld in Gründer investieren? Und die Bilanz des ersten Jahres war denn auch ernüchternd. Zwar waren die Zuschauerquoten mit über 1,8 Millionen erfreulich, doch von den 35 Deals platzten dreiviertel nach der Sendung. Begründung des Senders Vox: Bei der Due Diligence Prüfung hätten sich oft Unwahrheiten herausgestellt, und manchmal habe es Schwierigkeiten mit einzelnen Vertragspunkten gegeben. Und dann ging nach zwei Staffeln auch noch einer der Juroren pleite, der bekannte Reiseunternehmer Vural Öger.
Inzwischen werden die meisten Deals realisiert und manche Sendungen haben über 3 Millionen Zuschauer erreicht. Wie schwer eine Gründer-Sendung zu produzieren ist, hat einer der prominenten Juroren selbst erlebt: Carsten Maschmeyer, dessen kürzlicher Versuch, in Sat1 eine eigene Gründershow zu moderieren, trotz aufwendiger Werbung peinlich scheiterte. Nach drei Sendungen wurde die TV-Show wegen zu geringer Quoten ins Internet verlagert.
Die "Höhle der Löwen" funktioniert trotz Maschmeyer, der von allen Juroren das meiste Geld, aber möglicherweise auch die geringste Sympathie hat - und trotzdem einiges zum Unterhaltungswert der Sendung beiträgt. Letzte Schätzungen beziffern sein Vermögen auf über eine Milliarde Euro. Die Sendung am 18.9. produzierte jedenfalls ein heftigen Shitstorm im Netz, weil Maschmeyer sein Geld lieber in ein Schlafpulver als in die High-Tech-Trainingspuppe "Paul" für die Behandlung frühgeborener Kinder investieren wollte. Weil das Schlafpulver zuerst ausgestrahlt wurde, hatte er wohl schon sein Pulver verschossen, als Paul von seinen Erfindern (glänzend!) präsentiert wurde. Das war wohl ein Regiefehler. Die einzelnen Präsentationen werden nämlich aus verschiedenen Aufzeichnungen zusammengeschnitten und vorab produziert. Da kann es solche Kollisionen schon mal geben.
Dass dann am Sendetag bundesweit Werbeaufsteller für ein Produkt zu mit dem Signet der "Höhle des Löwen"sehen sind, liegt auch an der Vorabproduktion und an dem gewieften Juror Ralf Dümmel, der schon über 3 Millionen Euro investiert hat. Er drückt jedes Produkt mit seiner internationalen Handelsgesellschaft in den Einzelhandel und perfektioniert die punktgenaue Werbung mit dem Label der Sendung. So hat jeder Juror seine Spezialitäten und profitiert von der Bekanntheit durch diese Sendung.
Ein anderer Juror, Frank Thelen, ist der knallharte, ziemlich arrogante E-Commerce-Experte der Sendung, der in der letzten Sendung bei Möbeln zuschlug und den Deal hinterher platzen ließ. Er ist mit der sympathischen Judith Williams der einzige, der seit Beginn dabei ist. Jochen Schweizer, der Erlebnis-Unternehmer ist inzwischen ausgestiegen. Dagmar Wöhrl hat ihn ersetzt. Die Kaufhausunternehmerin bringt neben ihren Einzelhandelserfahrungen einen naiven Charme ein, der ein bisserl an bayerische Heimatsendungen erinnert. Judith Williams, die ehemalige Sopranistin, war eine beliebte Teleshopping-Moderatorin, die jetzt als Unternehmerin mit eigenen Kosmetikprodukten unterwegs ist. Und dann noch Georg Kofler, der Fernsehunternehmen, der 2017 dazu stieß. Der ehemalige Chef von ProSieben hat seine Gewinne aus Aktienverkäufen in diverse Beteiligungen investiert. In einer gemeinsamen Firma mit Judith Williams verwaltet er die in der Höhle des Löwen eingegangen Investments. Der Erfolg hat den Hamburger Verlag Gruner+Jahr dazu ermuntert, ein eigenes Magazin "Die Höhle des Löwen" herauszugeben, das es ab dem 21.9. am Kiosk gibt


Der Erfolg dieser Sendung ist ein glänzendes Beispiel für funktionierendes Cross-Media-Selling. Die Sendung ist nicht nur beste Werbung für Unternehmensgründungen. Bei Vox klingeln die Kassen mit langen Werbeunterbrechungen, die Investoren verdienen mit ihren Investments (es wäre übrigens interessant zu erfahren, wieviel sie mit ihren Deals verdient haben), die Gründer mit ihrem Produkt. Und nicht zuletzt lieben die Zuschauer diese Serie: In einer medialen Umgebung, die uns täglich mit schlechten Nachrichten zuschüttet, tut es einfach gut, sich von begeisterten Gründern und ihren Geschichten unterhalten zu lassen. Und das mit Wirtschaftsthemen - chapeau!


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