Sonntag, 16. September 2018

Crashpropheten haben immer Recht

Das Rezept ist ganz einfach Man nehme alle schlechten Nachrichten der Welt, packe sie zusammen in ein Buch und verkünde den bevorstehenden Crash. So machen es seit Jahrzehnten alle, die mit einem Wirtschaftsbuch Geld verdienen wollen. Für den einen ist Crash "Die Lösung" (Welk, Friedrich). Für den anderen steht fest: "Die Weltwirtschaftskrise kommt" (Max Otte). Für den dritten steht die Welt gar vor der "größten Wirtschaftskrise aller Zeiten" (Dirk Müller). Die Bücher verkaufen sich gut, sie wecken das typisch deutsche Sorgenbedürfnis, die Angst vor der Zukunft. Und der eine oder andere Autor bietet dann auch gleich als Lösung den eigenen Fonds an, der aber, sieht man genauer hin, nicht besser, oft sogar schlechter als andere Produkte im Markt abschneidet. Crashbücher sind Marketingprodukte. Ihre Autoren finden viel Resonanz in den Medien, die ja in der Regel selbst zu den ewig Zweifelnden gehören, zu Beginn einer Bullenphase ohnehin, aber dann im Verlauf der Bullenphase immer stärker und dann, nach neun Jahren scheint es  vielen nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann der fast sehnlich erwartete Crash denn nun endlich kommt.
Crashpropheten werden von den Experten eher belächelt als ernst genommen, wobei mancher seinen Neid auf die Medienresonanz dieser Bücher kaum verbergen kann.
Doch so einflusslos diese Bücher letztlich für die Börse sind, so muss man ihnen eines lassen: Crashbücher sind immer irgendwie richtig, denn Wirtschafts- und Börsenkrisen kommen immer mal wieder. Nur mit dem Timing klappt es meist nicht. Kein Crashbuch hat sich auf den Crashzeitpunkt festgelegt. Das Crashbuch von Max Otte erschien zwar im März 2008 und im September kam dann mit der Lehman-Pleite auch tatsächlich eine gigantische Finanzkrise. Seitdem rühmte sich der Wirtschaftsprofessor, die Finanzkrise vorausgesehen zu haben. In seiner eigenen Buchbeschreibung heißt es: "Es deutet viel darauf hin, dass spätestens 2010 die Globalisierungsblase platzt - mit dramatischen Folgen: Sparvermögen werden radikal entwertet, die Heizungs- und Energiekosten explodieren, der Welthandel bricht zusammen". Doch weder ist die Globalisierungsblase geplatzt noch wurden die Sparvermögen entwertet noch explodierten die Energiekosten und auch der Welthandel ist bekanntlich nicht zusammengebrochen.  Nun ja, es gab die Lehman-Pleite, die hätte man angesichts der ausufernden Immobilienkreditvergabe vielleicht voraussagen können, aber soweit ich weiß, hat dies nun wirklich niemand vorausgesehen.
Es bleibt also bei den allgemeinen Crashprognosen. Genauso gut könnte man Bücher über den nächsten Börsenboom schreiben, denn auch der kommt immer wieder.
Die Wahrheit ist: Globale Aktien steigen und stürzen, steigen und stürzen. Über lange Zeiträume haben sie, gut gestreut,  jeden Crash ausgehalten und jährlich 6-8 Prozent Renditen erzeugt - trotz aller Korrekturen. Diese Renditen entstehen vor allem dadurch, dass langfristig gehaltene Aktien die Phasen stark steigender Kurse besser erwischen als der Versuch, im richtigen Moment zu kaufen. Das ist ja meist dann der Fall, wenn sich Pessimismus ausgebreitet hat, und emotional vieles gegen Aktienkäufe spricht. Das richtige Timing - günstig einzusteigen und optimal auszusteigen - bekommt kein normaler Anleger hin und auch die Profis können optimales Timing nicht sicherstellen, sie können allerdings professionelle Risikoinstrumente anwenden, mit denen Korrekturen abgefedert werden. Wer Aktien als Altersvorsorge anspart, macht deshalb langfristig - 20 bis 30 Jahre - keinen Fehler, wenn er laufend Aktien zukauft. Nur eines muss man vermeiden, dass der Crash kurz vor der geplanten Auszahlung kommt.  Das bedeutet: Wer 30 Jahre anspart, sollte in den letzten fünf bis zehn Jahren Schritt für Schritt Aktien verkaufen und gegen Anleihen tauschen, um dieses Risiko zu vermindern.



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