Freitag, 21. September 2018

Keineswegs tot: Die Financial Times Deutschland

12 Jahre hat sie ununterbrochen Verluste produziert, bis sie am 7. Dezember 2012 letztmals erschien: Die Financial Times Deutschland. 250 Millionen Verlust hatten sich aufsummiert. Rund 300 Arbeitsplätze wurden gestrichen. Die zuletzt gemeldete Auflage erreichte knapp über 100.000, aber über 40.000 davon bestanden aus wenig lukrativen Sonderverkäufen. Das Anzeigengeschäft war über die Jahre eingebrochen. Der Vertrieb erreichte nicht die gesetzten Ziele. Viele redaktionelle Fehler prägten die Anfangszeit. In ruhigere Bahnen kam die mit dem Handelsblatt konkurrierende Wirtschaftszeitung erst unter ihrem Chefredakteur Steffen Klusmann, der nach der Schließung als erstes "Trauerarbeit" annoncierte. Man könne nach so einer Erfahrung nicht zur Tagesordnung übergehen, sagte er dem NDR.
Die dauernden wirtschaftlichen Schwierigkeiten führten am Ende zu einem strategischen Fehler: Die G+J Wirtschaftsmedien unter Vormundschaft der FTD zu einer Redaktion zusammenzulegen. Capital, Impulse. Börse Online und FTD standen von da an auf der Visitenkarte jedes Redakteurs. Markenvermischung funktioniert nie, aber das war natürlich nicht der entscheidende Grund für das Aus der FTD. Die FTD war in einer vom Neuen Markt getriebenen euphorischen Börsenphase gegründet worden, die dann zusammenbrach. Sie litt trotz eigenen sehr guten Online-Angebots unter der Ausbreitung des kostenlosen Internets. Sie fiel in eine Zeit, in der alle Wirtschafts-Printausgaben permanent an Auflage verloren. Und sie hatte natürlich im Handelsblatt einen stark aufgestellten Konkurrenten, der mit Gründung der FTD enorm investierte.

Doch so tot, wie man denken könnte ist die FTD nicht. Sie lebt fort in der professionellen Arbeitsweise und in den Köpfen ihrer ehemaligen Angehörigen. Die FTD war als ganzes immer investigativ und ihre ehemaligen Redaktionsmitglieder haben diesen Geist zu ihren neuen Arbeitsplätzen mitgenommen. Sie prägen bis heute den Geist einer wirtschaftlich gebeutelten, aber redaktionell selbstbewussten Wirtschaftspresse. Es ist wie ein Marsch durch die Institutionen. Bis heute gibt es eine verschworene FTD-Gemeinschaft, die sich jedes Jahr im Dezember trifft und mehr ist als ein banales Klassen- oder Alumnitreffen. Diese Leute lieben sich. Die rosafarbene Schleife, die sie am letzten Erscheinungstag alle trugen, hat jede/r zuhause aufbewahrt.
Ich treffe in meiner Branche oft auf ehemalige FTD-Redakteurinnen und Redakteure und erlebe sie  immer gerade aus, sachlich in der Auseinandersetzung, unbestechlich  in jeder Hinsicht (zur Klarstellung: ich habe auch nie versucht, einen Journalisten zu bestechen!), und absolut news-minded. Die jahrelange harte Klusmann-Schule in einem schnellen Blatt hat die anfänglichen Fehler ausgebügelt und hervorragende Journalisten hervorgebracht, die teamorientiert arbeiten konnten und sich gegenseitig mochten und schätzten.

Was ist aus den FTD-Kolleginnen und Kollegen geworden? Obwohl der Markt für Wirtschaftsjournalisten durch das generell eingebrochene Anzeigengeschäft wenig viel versprechend war, haben doch viele FTDler zum Teil leitende Funktionen in anderen Medien gefunden, was für die besondere Qualität dieser Journalisten spricht, die mit zahlreichen Journalistenpreisen ausgezeichnet wurden. Nicht wenige landeten auch in Kommunikationsberufen, manche machten sich selbstständig.

Als ich am 20.9. den "Deutschen Journalistenpreis" besuchte, traf ich wieder ehemalige FTD-Redakteure, die heute für andere Medien arbeiten und Preise absahnten. Sie sind bis heute stolz auf ihre Zeit bei der "FTD". Wer auf Xing "FTD" eingibt, findet sie fast alle, auch die vielen, die heute gute Arbeit in der Kommunikationsbranche leisten.

Klusmann wurde 2013 Chefredakteur des Manager Magazins als Nachfolger von Arno Balzer, der heute Herausgeber von "Bilanz" ist.  Dorthin holte er auch seinen Stellvertreter Sven Clausen. Zum Jahresende wird Klusmann als Primus Inter Pares die Chefredaktion des Spiegel übernehmen. Horst von Buttlar, der das Ressort "Agenda" verantwortet hatte übernahm die Chefredaktion des Wirtschaftsmagazins CAPITAL.

Hier ein paar weitere, willkürlich gewählte Beispiele der "Hall of Fame" mit FTD-Vergangenheit:

Christian Kirchner steht heute für das Frankfurter Büro von Capital. Tim Bartz war für das Manager Magazin in Frankfurt und ist dort heute Frankfurter Finanzkorrespondent des SPIEGEL. Harald Ehren ist heute Chefredakteur der Verkehrszeitung. Mark Böschen, ehemaliger FTD Volontär schreibt heute die Geldgeschichten beim Manager Magazin. Michael Gassmann ist heute WELT-Korrespondent in Düsseldorf, Stefan Kaiser bei Spiegel Online. Volker Votsmeier ist heute im Investigativ-Team des Handelsblatts und sein Kollege Martin Murphy Chefreporter beim Handelsblatt. Jens Tönnesmann schreibt für die ZEIT, Lutz Knappmann leitet das Online-Team der Wirtschaftswoche. Daniel Rettig ist Ressortleiter "Erfolg" bei der Wirtschaftswoche. Joachim Dreykluft ist Chefredakteur in Flensburg bei  shz.de. Daniel Saurenz, auch Bilanz-Kolumnist, hat ein Research-Institut gegründet. Bernd Mikosch ist Chefredakteur von Fonds Professionell. Jennifer Lachman ist Chefredakteurin von "Xing Klartext". Matthias Brügge Ressortleiter in Springers Autoverlag. Antonia Götsch ist Chefredakteurin von Impulse, Meike Schreiber Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung. Tim Höffinghoff arbeitet in der Chefredaktion der Schweizer "Handelszeitung". Max Smolka ist heute bei der FAZ. Ruth Fend war die letzte Chefredakteurin des eingestellten Magazins "Neon" und Marc Schürmann arbeitet als Textchef beim SZ-Magazin der Süddeutschen Zeitung.
Und natürlich gibt es auch in der WELT-Gruppe prominente Ex-FTDler: Claudia Kade (Politik-Chefin), Ileana Grabitz (Wirtschafts-Chefin), Olaf Gersemann (Wirtschafts-Chef), Christoph Keese. Nachfolger des ersten FTD-Chefredakteurs Andrew Gowers bis 2004 (Ex-Wams-Chef, Geschäftsführer Hy!) und Romanus Otte (Head of Axel Springer Global Network).

Die eindrucksvolle Hinterlassenschaft eines großen Projektes. Respekt!






Die Höhle des Löwen: Mehr als Unterhaltung

Die Höhle des Löwen gibt es nun schon vier Jahre. Sie ist laut Wikipedia ein Ableger der britischen Reality-TV-Sendung Dragons´Den, eines Konzeptes, das weltweit von Sony Pictures Television produziert und vermarktet wird. Was macht diese Sendung so bemerkenswert?
Sie ist eines der seltenen Beispiele, dass Wirtschaft auch unterhaltsam sein kann. Denn das ist das Hauptproblem der deutschen Wirtschaftspresse. Ich kenne kaum ein Wirtschaftsmedium, bei dem man sich auch einmal freuen kann - "Bilanz" möge mir verzeihen - ausgenommen den britischen Economist, dessen geschliffener Sprachstil immer mal wieder den Leser mit trockenem Humor belohnt.

Als 2014 die erste Staffel dieser Sendung mit Gründern lief, glaubte kaum einer an einen dauerhaften Erfolg. Investoren sollten echtes Geld in Gründer investieren? Und die Bilanz des ersten Jahres war denn auch ernüchternd. Zwar waren die Zuschauerquoten mit über 1,8 Millionen erfreulich, doch von den 35 Deals platzten dreiviertel nach der Sendung. Begründung des Senders Vox: Bei der Due Diligence Prüfung hätten sich oft Unwahrheiten herausgestellt, und manchmal habe es Schwierigkeiten mit einzelnen Vertragspunkten gegeben. Und dann ging nach zwei Staffeln auch noch einer der Juroren pleite, der bekannte Reiseunternehmer Vural Öger.
Inzwischen werden die meisten Deals realisiert und manche Sendungen haben über 3 Millionen Zuschauer erreicht. Wie schwer eine Gründer-Sendung zu produzieren ist, hat einer der prominenten Juroren selbst erlebt: Carsten Maschmeyer, dessen kürzlicher Versuch, in Sat1 eine eigene Gründershow zu moderieren, trotz aufwendiger Werbung peinlich scheiterte. Nach drei Sendungen wurde die TV-Show wegen zu geringer Quoten ins Internet verlagert.
Die "Höhle der Löwen" funktioniert trotz Maschmeyer, der von allen Juroren das meiste Geld, aber möglicherweise auch die geringste Sympathie hat - und trotzdem einiges zum Unterhaltungswert der Sendung beiträgt. Letzte Schätzungen beziffern sein Vermögen auf über eine Milliarde Euro. Die Sendung am 18.9. produzierte jedenfalls ein heftigen Shitstorm im Netz, weil Maschmeyer sein Geld lieber in ein Schlafpulver als in die High-Tech-Trainingspuppe "Paul" für die Behandlung frühgeborener Kinder investieren wollte. Weil das Schlafpulver zuerst ausgestrahlt wurde, hatte er wohl schon sein Pulver verschossen, als Paul von seinen Erfindern (glänzend!) präsentiert wurde. Das war wohl ein Regiefehler. Die einzelnen Präsentationen werden nämlich aus verschiedenen Aufzeichnungen zusammengeschnitten und vorab produziert. Da kann es solche Kollisionen schon mal geben.
Dass dann am Sendetag bundesweit Werbeaufsteller für ein Produkt zu mit dem Signet der "Höhle des Löwen"sehen sind, liegt auch an der Vorabproduktion und an dem gewieften Juror Ralf Dümmel, der schon über 3 Millionen Euro investiert hat. Er drückt jedes Produkt mit seiner internationalen Handelsgesellschaft in den Einzelhandel und perfektioniert die punktgenaue Werbung mit dem Label der Sendung. So hat jeder Juror seine Spezialitäten und profitiert von der Bekanntheit durch diese Sendung.
Ein anderer Juror, Frank Thelen, ist der knallharte, ziemlich arrogante E-Commerce-Experte der Sendung, der in der letzten Sendung bei Möbeln zuschlug und den Deal hinterher platzen ließ. Er ist mit der sympathischen Judith Williams der einzige, der seit Beginn dabei ist. Jochen Schweizer, der Erlebnis-Unternehmer ist inzwischen ausgestiegen. Dagmar Wöhrl hat ihn ersetzt. Die Kaufhausunternehmerin bringt neben ihren Einzelhandelserfahrungen einen naiven Charme ein, der ein bisserl an bayerische Heimatsendungen erinnert. Judith Williams, die ehemalige Sopranistin, war eine beliebte Teleshopping-Moderatorin, die jetzt als Unternehmerin mit eigenen Kosmetikprodukten unterwegs ist. Und dann noch Georg Kofler, der Fernsehunternehmen, der 2017 dazu stieß. Der ehemalige Chef von ProSieben hat seine Gewinne aus Aktienverkäufen in diverse Beteiligungen investiert. In einer gemeinsamen Firma mit Judith Williams verwaltet er die in der Höhle des Löwen eingegangen Investments. Der Erfolg hat den Hamburger Verlag Gruner+Jahr dazu ermuntert, ein eigenes Magazin "Die Höhle des Löwen" herauszugeben, das es ab dem 21.9. am Kiosk gibt


Der Erfolg dieser Sendung ist ein glänzendes Beispiel für funktionierendes Cross-Media-Selling. Die Sendung ist nicht nur beste Werbung für Unternehmensgründungen. Bei Vox klingeln die Kassen mit langen Werbeunterbrechungen, die Investoren verdienen mit ihren Investments (es wäre übrigens interessant zu erfahren, wieviel sie mit ihren Deals verdient haben), die Gründer mit ihrem Produkt. Und nicht zuletzt lieben die Zuschauer diese Serie: In einer medialen Umgebung, die uns täglich mit schlechten Nachrichten zuschüttet, tut es einfach gut, sich von begeisterten Gründern und ihren Geschichten unterhalten zu lassen. Und das mit Wirtschaftsthemen - chapeau!


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Sonntag, 16. September 2018

Crashpropheten haben immer Recht

Das Rezept ist ganz einfach Man nehme alle schlechten Nachrichten der Welt, packe sie zusammen in ein Buch und verkünde den bevorstehenden Crash. So machen es seit Jahrzehnten alle, die mit einem Wirtschaftsbuch Geld verdienen wollen. Für den einen ist Crash "Die Lösung" (Welk, Friedrich). Für den anderen steht fest: "Die Weltwirtschaftskrise kommt" (Max Otte). Für den dritten steht die Welt gar vor der "größten Wirtschaftskrise aller Zeiten" (Dirk Müller). Die Bücher verkaufen sich gut, sie wecken das typisch deutsche Sorgenbedürfnis, die Angst vor der Zukunft. Und der eine oder andere Autor bietet dann auch gleich als Lösung den eigenen Fonds an, der aber, sieht man genauer hin, nicht besser, oft sogar schlechter als andere Produkte im Markt abschneidet. Crashbücher sind Marketingprodukte. Ihre Autoren finden viel Resonanz in den Medien, die ja in der Regel selbst zu den ewig Zweifelnden gehören, zu Beginn einer Bullenphase ohnehin, aber dann im Verlauf der Bullenphase immer stärker und dann, nach neun Jahren scheint es  vielen nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann der fast sehnlich erwartete Crash denn nun endlich kommt.
Crashpropheten werden von den Experten eher belächelt als ernst genommen, wobei mancher seinen Neid auf die Medienresonanz dieser Bücher kaum verbergen kann.
Doch so einflusslos diese Bücher letztlich für die Börse sind, so muss man ihnen eines lassen: Crashbücher sind immer irgendwie richtig, denn Wirtschafts- und Börsenkrisen kommen immer mal wieder. Nur mit dem Timing klappt es meist nicht. Kein Crashbuch hat sich auf den Crashzeitpunkt festgelegt. Das Crashbuch von Max Otte erschien zwar im März 2008 und im September kam dann mit der Lehman-Pleite auch tatsächlich eine gigantische Finanzkrise. Seitdem rühmte sich der Wirtschaftsprofessor, die Finanzkrise vorausgesehen zu haben. In seiner eigenen Buchbeschreibung heißt es: "Es deutet viel darauf hin, dass spätestens 2010 die Globalisierungsblase platzt - mit dramatischen Folgen: Sparvermögen werden radikal entwertet, die Heizungs- und Energiekosten explodieren, der Welthandel bricht zusammen". Doch weder ist die Globalisierungsblase geplatzt noch wurden die Sparvermögen entwertet noch explodierten die Energiekosten und auch der Welthandel ist bekanntlich nicht zusammengebrochen.  Nun ja, es gab die Lehman-Pleite, die hätte man angesichts der ausufernden Immobilienkreditvergabe vielleicht voraussagen können, aber soweit ich weiß, hat dies nun wirklich niemand vorausgesehen.
Es bleibt also bei den allgemeinen Crashprognosen. Genauso gut könnte man Bücher über den nächsten Börsenboom schreiben, denn auch der kommt immer wieder.
Die Wahrheit ist: Globale Aktien steigen und stürzen, steigen und stürzen. Über lange Zeiträume haben sie, gut gestreut,  jeden Crash ausgehalten und jährlich 6-8 Prozent Renditen erzeugt - trotz aller Korrekturen. Diese Renditen entstehen vor allem dadurch, dass langfristig gehaltene Aktien die Phasen stark steigender Kurse besser erwischen als der Versuch, im richtigen Moment zu kaufen. Das ist ja meist dann der Fall, wenn sich Pessimismus ausgebreitet hat, und emotional vieles gegen Aktienkäufe spricht. Das richtige Timing - günstig einzusteigen und optimal auszusteigen - bekommt kein normaler Anleger hin und auch die Profis können optimales Timing nicht sicherstellen, sie können allerdings professionelle Risikoinstrumente anwenden, mit denen Korrekturen abgefedert werden. Wer Aktien als Altersvorsorge anspart, macht deshalb langfristig - 20 bis 30 Jahre - keinen Fehler, wenn er laufend Aktien zukauft. Nur eines muss man vermeiden, dass der Crash kurz vor der geplanten Auszahlung kommt.  Das bedeutet: Wer 30 Jahre anspart, sollte in den letzten fünf bis zehn Jahren Schritt für Schritt Aktien verkaufen und gegen Anleihen tauschen, um dieses Risiko zu vermindern.



Montag, 10. September 2018

CSU vor einem Desaster

Am 14.Oktober wählen die Bayern einen neuen Landtag. Nach den letzten Umfragen würden weniger als 36% die CSU wählen. Kommt es so, wäre das ein Desaster für Söder, Seehofer und Konsorten.
Als 1983 die Partei "Republikaner" gegründet wurde, hatte Franz-Josef Strauß eindringlich gewarnt: "Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben“. Doch genau das ist jetzt passiert: Die CSU hat den Aufstieg der AfD vollkommen verschlafen. Viel zu spät hat sie versucht, die von der AfD gesetzten Themen aufzugreifen und eigenständige Lösungen anzubieten. Stattdessen suchten ihre Anführer den Streit mit Angela Merkel. Man erinnert sich an die unanständige Behandlung Angela Merkels auf dem CSU Parteitag im November 2015 und den Streit um eine Obergrenze. Dann verkeilten sich Söder und Seehofer in einem internen Machtkampf, den Söder schließlich gewann. Ein Pyrrhus-Sieg? Seit einem halben Jahr ist Markus Söder nun ein kaum wahrnehmbarer Ministerpräsident und seitdem gehen die Zustimmungswerte der CSU permanent zurück. Der beinahe zurück getretene Seehofer zeigt derweil eine hohe Präsenz im Fernsehen und schwafelte immer wieder von einem Masterplan, den er wochenlang geheim hielt.

Dann fokussierte er sich auf das Thema "Zurückweisung" von Flüchtlingen, die bereits in einem anderen Land registrierten worden sind. Wie sich zeigte, war auch das ein Elefant, dessen Kreißen eine Maus hervorbrachte. Viel geändert hat sich nicht. Und nun auch noch der Streit um die von Seehofer genehmigte Veröffentlichung eines brisanten Interviews des Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen, wonach seinem Amt keine belastbaren Informationen über Hetzjagden auf Ausländer vorliegen würden.

Das Paradoxe ist: Die Wirtschaft Bayerns boomt, während die Politik buchstäblich in Agonie versinkt. Die Arbeitslosigkeit liegt bei nur 2,9%, Das Wachstum seit 2010 übertrifft alle anderen Bundesländer. Die Schulden wurden im gleichen Zeitraum von 31,7 auf 22,1 Mrd. € abgebaut. 2030 soll Bayern schuldenfrei sein.

Da müsste die CSU eigentlich mit einer absoluten Mehrheit belohnt werden. Stattdessen wird es einen zersplitterten Landtag mit voraussichtlich sechs Parteien geben, und für die CSU würde es noch nicht einmal zu einer Großen Koalition mit der SPD reichen. Da müsste man schon die freien Wähler mit reinnehmen. Oder die erste Koalition mit den Grünen eingehen. Über die hatte Strauß einst gelästert: "Grüne Ideen gedeihen nicht in den Quartieren der Arbeiter. Sie gedeihen in den Luxusvillen der Schickeria." Nun ja, das ist lange her. Inzwischen steuern die Grünen auf 17 Prozent zu.

Die CSU konnte bei vielen Wahlen die absolute Mehrheit gewinnen. 2003 erreichte sie sogar über 60%. Das Erfolgsrezept war immer das gleiche: Die CSU als Bayernpartei zu verkaufen. Mit deftigen Wirtshausreden, humorvollen Attacken auf die Gegner, selbstbewussten Traditionsvereinen und Omnipräsenz der Lederhosen. Heimat - das war der Markenkern der CSU. Dass Horst Seehofer diesen Begriff überraschend in sein Innenministerium aufgenommen hat, muss diesen Ursprung haben. Und ja, es ist richtig, sich damit intensiv zu beschäftigen.

Wie man Heimat auch immer definiert - siehe z.B. hier - sie ist den Menschen wichtig. Sie bedeutet Familie, Identität, Sicherheit, Umgebung. Die Migrationsfrage darf nicht gegen dieses Heimatgefühl ausgespielt werden, sie muss es vielmehr nutzen. Wenn wir über Flüchtlinge reden, sprechen wir über Heimatlose. Für die meisten Heimatlosen ist Deutschland eine zweite Heimat. Die CSU regiert das reichste Bundesland. Dort sucht man händeringend nach Arbeitskräften. Gerade hier ist der "Spurwechsel" der richtige Weg. Wenn wir Asylanten und Flüchtlinge in Arbeit bringen, kann die Integration gelingen. Hier Wege aufzuzeigen - das hat die CSU versäumt. Sie hat wie das Kaninchen die Schlange AfD angestarrt und versucht, eine bessere AfD zu werden. Doch das vorhersehbare Ergebnis war, dass die Zielgruppe dann lieber gleich das Original wählt.










Samstag, 8. September 2018

Trumps Tage sind gezählt

Gestern habe ich mir das irre Telefonat zwischen dem Watergate-Enthüller Bob Woodward und Donald Trump angehört. Bob Woodward hat ein Enthüllungsbuch über die Zustände im weißen Haus geschrieben. Es herrscht die Furcht in der Administration des Weißen Hauses. Und so heißt auch das Buch. Trump wirft Woodward in dem Telefongespräch vor, bei den Buchrecherchen nicht mit ihm gesprochen zu haben. Woodward entgegnet, dass er sechs bis sieben Leute in Trumps Umgebung gebeten habe, ihm ein Gespräch mit dem Präsidenten zu vermitteln. Trump bestreitet, dass ihn jemand angesprochen habe. Woodward erwähnt einen Senator, Trump sinngemäß: Ach ja der, der hat das mal irgendwann nebenbei erwähnt. Woodward hätte ihn jederzeit direkt anrufen können. Woodward sagt, er habe alles menschenmögliche versucht. So geht der größte Teil des Gespräches. Gegen Ende murmelt Trump mehrmals, " its gonna be a bad Book" und trägt dann geradezu weinerlich vor, welche Erfolge er alles erzielt hat: Florierende Wirtschaft, Rückkehr großer Unternehmen, höhere Beiträge der Nato-Partner und sofort. Das wiederholt er mehrmals und er wirkt wie Richard Nixon im Endstadium, den Bob Woodward einst mit seinen Kollegen Carl Bernstein gestürzt hat.

Und so kann es kommen. Der verlogenste und gefährlichste Präsident, den die USA jemals hatten, muss gestürzt werden. Er ist Amerikas größtes Problem und somit auch ein Problem für die Verbündeten Amerikas. Doch die Hürden sind hoch: Dem US-Präsidenten müssten Landesverrat, Bestechung oder schwere Verbrechen oder Vergehen nachgewiesen werden, der Senat müsste ihn mit einer Zweidrittel Mehrheit für schuldig befinden. In Artikel I Abschnitt 3 der amerikanischen Verfassung ist geregelt, wie ein Amtsenthebungsverfahren zu verlaufen hat.
Nixon ist damals der Amtsenthebung durch Rücktritt zuvorgekommen. Das Impeachment-Verfahren gegen Clinton nach seiner Lewinski-Affäre wurde knapp abgelehnt.

Trumps erratisches und lächerliches Regieren über Twitter, seine Personal"politik" und seine Provokationen reichen für ein Amtsenthebungsverfahren bei weitem nicht aus. Der Impeachment-Antrag des demokratischen Kongressabgeordneten Brad Sherman im Juli 2017 wegen Behinderung der Justiz im Zusammenhang mit der Entlassung des FBI-Chefs Comey, verlief im Sande.

Doch inzwischen hat auch die amerikanische Landbevölkerung ihren Glauben an Trumps Versprechungen verloren. In der letzten Umfrage fiel die Zustimmung der Landbevölkerung von 60 auf 45 Prozent. Und 60 Prozent der Amerikaner lehnen Trump inzwischen ab.
Die amerikanischen Medien sind nicht zahnlos geworden. Sie enthüllen immer neue unglaubliche Geschichten über Trump. Wer soviel lügt wie Trump, macht Fehler. Und die werden ihm zum Verhängnis werden. Irgend jemand wird den Schlüssel finden, mit dem diesem Präsidenten der politische Garaus gemacht werden und die Welt von einem Albtraum befreit werden kann.