Montag, 30. Juli 2018

Das wahre Erbe von Donald Trump

Es gibt keinen Tag, an dem Donald Trump nicht irgendwelche Schlagzeilen macht. Jetzt boomt die amerikanische Wirtschaft und prompt wird die Frage gestellt, ob er vielleicht gar nicht so schlimm sei, wie ihn die Medien gerne darstellen.

Einen Präsidenten wie ihn hat Amerika noch nicht erlebt: Einen sprunghaften, unzuverlässigen, unberechenbaren 72jährigen selbst ernannten Entertainer, der die gesamte liberale Presse gegen sich hat. Er ist undiplomatisch, verbreitet immer wieder Lügen und menschenverachtende Kommentare. Sein angeblicher Versprecher beim Putin-Besuch, mit dem er das Gesagte - er glaube nicht dass Russland den Wahlkampf beeinflusst habe - einfach ins Gegenteil verkehrte, verblüffte die ganze Welt. 
Der britische "Independent" zitiert die unglaubliche Begründung für seine Kehrtwendung:
“I thought it would be obvious but I would like to clarify just in case it wasn’t: In a key sentence ... I said the word ‘would’ instead of ‘wouldn’t’,” Mr Trump said ahead of a meeting with his cabinet and Congressional Republicans. He clarified: “The sentence should have been ‘I don’t see any reason why... it wouldn’t be Russia’”. He said it was an issue with the transcript and he used “sort of a double negative”.
Trump ist der erste Präsident ohne vorheriges politisches Amt oder militärischen Rang. Der erste Präsident mit dem höchsten Lebensalter bei Amtsantritt. Der erste, der mit bizarren Zitaten auf Twitter Politik macht. Der erste, der die freie Presse fast täglich attackiert. Der erste, der mit Handelskriegen droht. Der erste, der sich mit dem nordkoreanischen Machthaber trifft. Nicht "America first" kennzeichnet seine Politik, sondern "Trump first". Immer der erste zu sein, der mit traditionellen Regeln bricht und andere vor den Kopf stößt. Und trotzdem stehen die Wähler zu ihm: 88 Prozent der republikanischen Wähler hat er hinter sich und laut letzten Umfragen immerhin 42% der US-amerikanischen Bevölkerung. Der Münchner Merkur zitiert den Meinungsforscher Fred Yang: „Je mehr Trump von den Medien kritisiert wird, umso mehr scheint seine Basis hinter ihm zu stehen“. Einflussreiche Medien wie die New York Times, die Washington Post und CNN führen Trump permanent mit neuen Enthüllungen vor. Doch Trump ficht das nicht an. Für ihn sind alle Vorwürfe einfach "Fake News".

Man muss Trump zugestehen, dass seine radikalen Steuersenkungen und diverse Deregulierungsmaßnahmen die amerikanische Wirtschaft angekurbelt haben. Mit 4,1 Prozent wächst die Wirtschaft so stark wie seit 2014 nicht mehr. Die Arbeitslosenquote ist mit 4,0 Prozent die niedrigste seit etwa 10 Jahren. Die Exporte stiegen im zweiten Quartal 2018 um 9,3% und das Handelsbilanzdefizit verminderte sich 2018 um mehr als 50 Mrd. US-Dollar. Zwar werden diese guten Zahlen durch eine zunehmende Verschuldung der öffentlichen Haushalte erkauft. Doch sorgt die gute Konjunktur zugleich für einen Rückgang der privaten Verschuldung. Das Wachstum könnte die Steuereinnahmen trotz der Steuersenkungen sprudeln lassen.

So schön diese Zahlen für Trump und die Amerikaner sind, die eigentlich Gefahr des Trumpismus lauert woanders. Trump hat eine Pandorabüchse geöffnet: Er macht Hass, Menschenverachtung, Rassismus, Respektlosigkeit, Lügen und Medienschelte salonfähig: Man darf wieder sagen, was man denkt. Und das verstärkt sich über soziale Medien und Filterblasen auf beunruhigende Weise. So sind einige sozialen Medien zu ungehemmten Plattformen des Hasses und der Beschimpfung geworden.  In seinem neuen Spiegel-Bestseller beschreibt der Computerguru Jaron Lanier, wie die Verhaltensmanipulation durch Algorithmen das Negative geradezu provoziert. Wer am lautesten schreit, erhält die größte Aufmerksamkeit. 
Der Rechtspopulismus, besonders in Deutschland, reitet auch auf dieser Welle - die Presse wird in Frage gestellt und soll als vierte Gewalt keine Rolle mehr spielen. Was für Trump "Fake News" sind, ist für die AfD-Anhänger und die Pegida-"Montagsspaziergänger" die "Lügenpresse". 
Der Rechtspopulismus reklamiert scheinheilig die Meinungsfreiheit für sich, als ob hierzulande Meinungen unterdrückt würden. Das fällt auf fruchtbaren Boden. Was für Trump "Fake News" sind, ist für die AfD-Anhänger und die Pegida-"Montagsspaziergänger" die "Lügenpresse". Die AfD nutzt ganz besonders die sozialen Medien. Mit 347 930 Anhängern hatte sie im August 2017 die höchste Fan-Zahl aller Parteien.
Selbst altgediente Publizisten reihen sich inzwischen in diesen Chor ein. Wen es interessiert, wie die Mechanik funktioniert, erhält regelmäßig Kostproben auf dem Meinungsportal „Tichy´s Einblick“, das die vermeintliche Opferrolle gerne zelebriert und jede Gelegenheit nutzt, die eigene rechtspopulistische Rhetorik als Notwehr und überfälligen Kampf für das eigentlich Richtige und Gute zu deklarieren. Ein Beispiel dafür ist Roland Tichy, Herausgeber von "Tichy´s Einblick". Er gehört zu denen, die auf dieser Welle reiten. Im Interview (freiwillige Paywall) behauptet er: "Journalisten wollen beliebt sein und auf der richtigen Seite der Macht stehen. In Deutschland ist es ja so, du musst auf der linken Seite stehen, weil auf der rechten Seite sind ja die Bösen, die Populisten, die Rechtsradikalen". Zur Diskussion der Targetsalden behauptet er: "Schon wer zu diskutieren beginnt, ist rechts und gegen Europa". Und dann auch noch:"Meinungsfreiheit darf man nur zur Bestätigung der Regierungsmeinung haben". Das sind rechtspopulistische Behauptungen, die einfach nicht stimmen. 
Dass Trumps früherer Chefideologe Steve Bannon jetzt nach Europa kommt, um den Rechtspopulismus über eine Stiftung zu fördern, ist ein Alarmsignal.
Das eigentliche Problem ist, dass Trump eine demokratiegefährdende Pandorabüchse geöffnet hat. Das ist schon jetzt sein Erbe. Und daran ändern auch positive Entwicklungen der amerikanischen Volkswirtschaft nichts. Eher im Gegenteil: Die positive Wirtschaftsentwicklung gibt Trump und seinen Anhängern das Gefühl, alles richtig zu machen. Wen interessieren da noch Grundwerte wie Anstand, Respekt vor dem andern, Menschenwürde, Glaubwürdigkeit und Rechtsstaatlichkeit.







Donnerstag, 19. Juli 2018

Gold - die große Illusion

In diesen Tagen reibt sich mancher die Augen, weil der Goldpreis mit 1220 Dollar je Feinunze (31 Gramm)  auf ein Jahrestief gefallen ist. "Selbst Profis betrachten den Preisverfall mit Verwunderung", schreibt das Handelsblatt. Weil der Dollar stark ist, ist Gold in Euro sogar noch billiger. Vor etwa sechs Jahren war der Höchstpreis des Goldes bei 1585 Dollar.

So schlecht wie die wirtschaftliche Zukunft derzeit beschrieben wird, sind es doch ideale Zeiten, um Gold zu kaufen, so scheint es. Viele Geldanleger wollen deshalb ihren Portfolien 5-10 Prozent Gold beimischen, obwohl es keine Zinsen bringt. Vermögensverwalter wissen ein Lied davon zu singen. Kaum ein Anleger, der nicht Gold als Beimischung will. Gold vermittelt eben ein Stück Sicherheit. Rationale Gründe gibt es dafür eigentlich nicht. Was, wenn die vielen schlechten Nachrichten von Trump-Eskapaden, Handelskriegen, Schuldenmachern gar nicht zu einer Euro- und Bankenkrise führen? Wenn die Wirtschaft einfach weiter brummt? Ist ja durchaus möglich? Aber dann wäre das Motiv für den Goldkauf vollkommen obsolet. Ich halte Gold deswegen für eine pure Illusion. (Ich spreche hier nur von physischem Gold, nicht von allen möglichen Wertpapieren, die irgendwie mit Gold zu tun haben). Die Illusion wird allerdings von höchster Stelle gefördert. Denn alle Notenbanken horten Gold.

Von Warren Buffet soll der Satz stammen: "Gold wird irgendwo auf der Welt aus der Erde gegraben. Dann schmelzen wir es zu Barren, bauen einen unterirdischen Tresor und graben es wieder ein. Wenn uns Außerirdische dabei beobachten, es käme ihnen reichlich obskur und seltsam vor."

In der Tat. Am besten kann man das in den Serien des Fernsehsenders DMAX erleben: Fans dürfen mit dabei sein, wenn Goldsucher in Alaska und Australien um die Wette schürfen. Die einen mit riesigen Baggern und uralten Maschinen, die die aufgeschüttete Erde durchschütteln und -spülen, bis die Nuggets sichtbar werden. Die anderen durchkämmen ihren Claim mit Metalldetektoren, ähnlich Wünschelrutengängern, um das eine Korn oder ganze Adern mitten in der Wüste zu finden, wo früher schon einmal der Goldrausch stattgefunden hat. Und dann gibt es ja auch noch die Schatztaucher, die auf den Spuren spanischer Goldtransporte mit wissenschaftlicher Akribie das begehrte Metall heben wollen. Diese Romantik, die man auch in deutschen Bächen mit wenig Aussicht auf Erfolg erleben kann, ist irgendwie verrückt, aber wunderbar.
Wesentlich einfacher ist es, sich Goldmünzen oder ganze Goldbarren zu kaufen und sich einen -  hoffentlich - sicheren Safe zu legen. Goldbarren sind von der Mehrwertsteuer befreit. Und Kursgewinne bei physischem Gold sind steuerfrei. Rendite gibt es dafür, wie erwähnt, jedoch nicht, und ob die Kurse steigen, weiß auch keiner. Wenn alle glauben, dass der Goldpreis steigt, decken sich alle damit ein - und weil dann keiner mehr kauft, sinkt der Goldpreis. Aber wozu dann Gold?

Das Verrückte ist ja wie gesagt, dass alle Notenbanken Gold horten. Die deutsche Bundesbank hat 2017 rund 3700 Tonnen Gold gehortet. Die Amerikaner bewachen in Fort Knox sogar 8133 Tonnen Gold. Wozu brauchen Notenbanken Gold?

In Wikipedia lese ich: "Der Zweck nationaler Goldreserven bestand früher zumeist in der Deckung von Währungen durch den Goldstandard. Heute wird Gold als nationale Reserve für Krisenzeiten sowie als Risikoausgleich zu Schwankungen des US-Dollar aufbewahrt. Zudem bedeutet ein hoher Goldbestand auch hohe Unabhängigkeit, da Gold jederzeit als Zahlungsmittel dienen kann." 

So sehen es auch viele Bundesbürger, die glauben, dass irgendwann der ganze weltweite Schuldenturm einstürzt. Genau wie die Notenbanken glauben Sie dann, mit Gold gegen Finanzkrisen gesichert zu sein. Nun, ich kann mir vorstellen, dass eine Inflation wie 1923 mit Goldbarren gut überstanden werden könnte. Aber wer weiß, ob der Staat das zulassen würde? "Gold gab ich für Eisen" war die Parole im ersten Weltkrieg. Und wenn alle Notenbanken Gold verkaufen würden, rauscht der Goldpreis in die Tiefe. Eine der größten Finanzkrisen seit dem zweiten Weltkriegen hatten wir 2008. Da stieg der Goldpreis ein bisschen und der Berliner Tagesspiegel schrieb dazu: "Allerdings erscheint der Anstieg des Goldpreises vor dem Hintergrund des Ausmaßes der globalen Krise vielen Beobachtern recht bescheiden. "Der sichere Hafen Gold tut sich weiter schwer, von der Finanzkrise angemessen zu profitieren", heißt es in der Studie der Commerzbank."

Was müsste also passieren, wenn sich Gold als Sicherheit bewähren sollte? Zum Beispiel ein Run auf die Banken. Die würden aber ganz sicher die Türen verschließen, und damit auch den Zugang zu den Goldtresoren. Wer sein Gold zuhause im Tresor aufbewahrt, muss wiederum damit rechnen, dass sich Einbrecher das Gold klauen, am besten unter Mitnahme des gesamten Tresors. Irgendwie ist es mit den Kryptowährungen: Man muss immer Angst haben, dass man alles verliert. Die Angst ist bei Gold weit mehr angebracht als bei einem gesunden Portfolio globaler Aktien.

Sicherheit bei Geldanlagen ist ein Gefühl, kein rationaler Zustand. Es ist eine Illusion. "Ich fühle mich sicher" heißt nicht, dass ich sicher bin. So gesehen scheint es mir viel schöner, im sicheren Fernsehsessel die "Goldrausch"-Staffeln bei DMAX ohne Anstrengungen bei einem kühlen Bierchen mitzuverfolgen statt regelmäßig in meinem Safe nachzusehen, ob das Gold noch drin ist.

P.S. Aus all diesen Gründen besitze ich kein Gramm Gold. Weder in der Bank noch bei mir zuhause. Das einzige Gold, das ich mal hatte war eine goldene Münze für den Theodor-Heuss-Preis. Die haben dann irgendwann Einbrecher geklaut.