Dienstag, 12. Juni 2018

Trump: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Heute hatte Trump seinen großen Tag: Sein Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim war ein Thema für die Weltpresse. Jovial beantwortete Trump die Fragen der Journalisten, weil es eben ein großartiges Ereignis und er so great war. Wenn es so kommt, wie angekündigt, droht ihm und Kim der nächste Friedensnobelpreis: Frieden zwischen Nord- und Südkorea, vollständige nukleare Abrüstung Nordkoreas, Ende der militärischen Muskelspiele - das wäre ganz ohne jeden Zweifel ein großartiges Ergebnis für die gesamte asiatische Region, nicht nur für das ständig bedrohte Südkorea, sondern auch für die großen Nachbarn China und Japan. Werden die Versprechungen umgesetzt, kann Nordkorea mit einer gigantischen Investitionswelle rechnen, die das Land - auch durch die Nähe zu Südkorea - in wenigen Jahren komplett modernisieren werden. Der Weg zu einer Wiedervereinigung ist dann nicht mehr weit.
Doch noch ist es ein Hoffnungswert - mehr nicht. Die neue Beziehung ist äußerst fragil. Nordkorea ist eine vollmilitarisierte Diktatur, in der die Menschenrechte nichts gelten, Menschen gefoltert werden und verrückte Drohungen des Diktators und diverse Raketentests noch in bester Erinnerung sind.
Trump hat dem Iran nicht geglaubt, dass dieser sich an das vereinbarte Atomprogramm hält und den Vertrag aufgekündigt. Warum glaubt er Kim mehr als den Ajatollahs im Iran?
Trump beruft sich, gefragt nach den amerikanischen Interessen, unter anderem auf die riesigen Kosten, die die amerikanische Präsenz im weit entfernten Südkorea und die ständigen Militärübungen verursachen.
Er will seine "Jungs" nach Hause holen, und das ist sicher kein schlechtes Nebenmotiv. Vor allem aber will er nach eigener Aussage die 28 Millionen Menschen retten, die in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul direkt an der Grenze zu Nordkorea bis heute einer latenten Bedrohung ausgesetzt sind. Trump will Kim glauben. Beim geringsten Zweifel wird er ihm wieder drohen und dann wird sich zeigen, ob Kim wirklich vom Saulus zum Paulus geworden ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber wer die Unberechenbarkeit zum Prinzip jedes Deals macht - Klimabkommen,  Iran-Abkommen, TTIP lassen grüßen - dem glaubt man nicht. Trump könnte es reichen, mit dem heutigen Treffen die ganze Weltpresse überrascht zu haben und seine amerikanischen Wähler zu beeindrucken. Die würden ihm dann auch nicht übel nehmen, wenn er sich dreht und im nächsten Tweet seinen neuen Freund Kim wieder beschimpft. Und den ganzen Deal platzen lässt.


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