Mittwoch, 23. Mai 2018

Brückentage sollte man abschaffen

2018 ist das Jahr der Brückentage: Selten konnte man so viele Brückentage für mehr freie Tage nutzen. Doch die Kehrseite ist: Zeitdruck, Stress und Ärger für die, die arbeiten müssen, wenn sich die anderen erholen.  Pfingstmontag ist vorbei und wieder einmal frage ich mich, ob Brückentage eine erfreuliche Einrichtung sind oder nicht. In Wikipedia lese ich: Als Brückentag oder Fenstertag bezeichnet man Arbeitstage, die zwischen einem Feiertag und einem (zumeist) ohnehin arbeitsfreien Tag (Samstag oder Sonntag) liegen. Beim Nachlesen fand ich dann einen verblüffenden Beitrag der IG-Metall vom letzten Jahr. Dort lese ich unter der Überschrift "Jetzt clever Urlaub planen": "2018 liegen die Feiertage so günstig, dass Beschäftigte mit 32 Tagen Urlaub 70 freie Tage rausholen können". Diese Zahl konnte ich kaum glauben. Aber sie lässt sich leicht nachrechnen: 16 Tage hatte zum Beispiel hintereinander frei, wer vor und nach Ostern (Freitag, 30. März und Montag, 2. April) je 4 Urlaubstage investiert hat. Wer dann nochmal vom 15.Mai bis 18.Mai fünf weitere Urlaubstage eingesetzt hat, erhielt weitere 10 freie Tage. Mit diesen 13 Urlaubstagen hat man dann 26 freie Tage erzielt. Und bei 32 Tagen Jahresurlaub sind immer noch 19 Tage übrig.

Natürlich freut sich jeder Arbeitnehmer über Brückentage: Mit möglichst wenig Urlaubstagen soviel wir möglich freie Tage am Stück ergattern. Doch diese tollen Brückentage bringen nicht nur Urlaubsfreude, sondern auch jede Menge Stress. Die Monate April, Mai und Juni sind besonders schlimm.Wer zum Beispiel in Redaktionen arbeitet, weiß, dass Brückentage für einen Teil der Mitarbeiter erheblich mehr Arbeit und Stress bedeuten. "Vorgezogene Redaktionstermine" ist der Begriff: Die Zeitung oder das Magazin muss trotzdem fertig werden - man hat dann allerdings einen Tag, manchmal sogar zwei Tage weniger Zeit. Weil zudem viele Mitarbeiter den cleveren Urlaub beantragen, entsteht Personalknappheit und zusätzlich Druck zu Lasten derer, die zu dumm oder zu gutmütig waren, die Brückentage rechtzeitig zu beantragen. Nicht zu vergessen, dass dann auch noch einige krank sein können. So ist es in vielen Betrieben und im Öffentlichen Dienst und die Mitarbeiter nehmen es klaglos hin. Jedes Jahr läuft dann ein Wettrennen: Wer beantragt als erster den Brückentag?

Ein Anspruch auf die Nutzung von Brückentagen besteht übrigens nicht. Hat der Chef aber den Antrag erst einmal genehmigt, kann er ihn kaum zurück nehmen. Dazu die IG Metall: "Genehmigter Urlaub kann vom Chef nicht einfach widerrufen werden. Dafür müsste schon der Zusammenbruch des Betriebs drohen. Das gilt erst recht, wenn der Urlaub bereits angetreten ist. Abgemacht ist abgemacht." Und wer mit seinem Antrag zu spät kommt, weil er Urlaub eher kurzfristig plant, ist der Dumme. Deswegen wohl heißen Brückentage in Österreich „Zwickeltage“.

Wollte man Brückentage abschaffen, ginge es den Feiertagen an den Kragen. Das ist wohl ziemlich ausgeschlossen. Aber vielleicht lässt sich – wie sicher in vielen Betrieben üblich – eine faire Regelung treffen, die die Nutzung von Brückentage in der Belegschaft gerecht verteilt.

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