Montag, 30. April 2018

Für Singles ist Deutschland eine Steuerhölle

Der Kampf gegen Steuerparadiese und steuervermeidende Internetkonzerne ist nahezu tägliches Thema in den Medien. Das Eintreiben von Steuern funktioniert immer besser. Irgendwann werden auch Amazon, Google und Facebook die Steuern dort zahlen müssen, wo sie Gewinne erwirtschaften. Superstars wie Ronaldo sind bereits am Angelhaken der Steuerfahnder, weil sie ihre Millionen im Segel- und Steuerparadies British Virgin Island versteckt haben. Gut so.

Aber so schön diese paradiesischen Erfolge für die Finanzämter und am Ende für die öffentlichen Haushalte sind: Es ist Zeit, über Steuerentlastungen zu reden. Mit 36,6 Milliarden Euro erzielten Bund, Länder und Gemeinden 2017 den höchsten Haushalts-Überschuss seit der Wiedervereinigung. Etwa 160 Milliarden hat Deutschland allein durch Draghis Niedrigzinspolitik gespart, weil hohe Zinsen früherer Anleihen in niedrig verzinsliche umgetauscht werden konnten. Die gute Konjunktur und die Halbierung der Arbeitslosigkeit taten ein übriges: Die Steuereinnahmen des Staates erreichen neue Rekorde. Allein seit 2012 stiegen die jährlichen Einnahmen von 600 auf 734 Milliarden Euro  (2017), wohl gemerkt jährlich!

Wann wenn nicht jetzt, will man jemals den Steuerzahler entlasten? Was passiert eigentlich, wenn die Zinsen wieder steigen und der Aufschwung zu Ende ist? Dann ist erst recht kein Geld mehr da für Steuerentlastungen. Warum sind Steuerentlastungen nur in anderen Ländern möglich?

Besonders gekniffen sind alle, die nicht heiraten: Berufstätige Singles müssen laut OECD inzwischen durchschnittlich 39,9% ihres Bruttoeinkommens für Steuern und Sozialabgaben abführen. Für sie ist Deutschland kein Paradies, sondern die Steuerhölle. Nur das hochverschuldete Belgien liegt mit 40,5 % höher. In Irland kommt man auf weniger als die Hälfte mit 19,4%. Spanien zieht nur 21,1% ein. In den USA liegt der Wert bei 26%. 

Dabei ist die Lohn- und Einkommensteuer für den einzelnen Single ja nur ein Teil der Steuereinnahmen.  Hinzu kommen zahlreiche Verbrauchsteuern wie Mehrwertsteuer, Alkoholsteuer und andere Steuerarten und - nicht zu vergessen - zahlreiche kommunalen Gebühren. Bei Familien sieht es zwar besser aus, aber auch hier verlangt Deutschland von seinen Bürgern mehr als der Durchschnitt anderer Länder.

Beispiel: Ein deutscher Facharbeiter, der als Single 3000 Euro Brutto verdient, bekommt rund 1800 Euro aufs Konto. Nehmen wir an, er zahlt 800 Euro Miete warm. Von den verbleibenden 1000 Euro gibt er 700 Euro für Konsum und Urlaub aus. Darin enthalten sind Mehrwertsteuer, Alkoholsteuer, Zigarettensteuer, schätzen wir das mal auf 150 Euro. 200 Euro legt er monatlich zur Seite, um zu sparen. Auf den spärlichen Zinsertrag zahlt er noch mal 25% Quellensteuer. Für seine Versicherungen zahlt er Versicherungssteuer, für sein Auto KFZ-Steuer. Die vermeidbare Kirchensteuer lassen wir mal beiseite. Dann liegt der Facharbeiter als Single am Ende bei mindestens 45% an Abzügen für Steuern und Sozialabgaben.

Es gibt viele Gründe für eine Steuerentlastung, die weit mehr umfassen sollte als der von der Koalition beschlossene Abbau des Soli, unter anderem:
 Entlastung bei den Mieten, Anreiz für Wohneigentum
 Förderung der privaten Vorsorge
 Erhöhung der Binnen- und Importnachfrage und damit Senkung des Exportüberschusses
 Mehr Zufriedenheit bei Leistungsträgern
 Weniger Steuervermeidung und weniger Schwarzarbeit
 Anreiz für den Staat, zu sparen
Stattdessen erleben wir nun schon wieder, dass das Geld mit vollen Händen ausgegeben wird. Die bevorstehenden Debatten über den Haushalt lassen nichts Gutes ahnen.

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