Mittwoch, 14. März 2018

Wahnsinn Plastikmüll

Kürzlich gab es in "Hart-aber-fair" eine interessante Diskussion zum Thema Plastikmüll (hier der Link zur Mediathek). Das Thema ist nicht neu, aber es ist immer wieder erschütternd, die Bilder von toten Vögeln, toten Meerestieren aller Art zu sehen, die durch Plastikmüll elendig verenden. Umweltorganisationen schätzen, dass jährlich 1 Million Vögel, 100.000 Meeressäuger wie Wale und Delfine und eine nicht bekannte Anzahl von Fischen durch Plastikmüll verrecken. In Wikipedia lese ich: "Im Pazifik schwimmt ein Müllteppich auf einer Fläche, die vergleichbar ist mit der Fläche der Länder Deutschland, Österreich, Tschechien, Polen, Luxemburg, Ungarn und Schweiz zusammengenommen".


Plastik ist ein relativ junger Umweltverschmutzer: Die ersten Kunststoffprodukte gab es in Europa 1950. Die besondere Eigenschaft von Plastik ist heute dessen schlimmste Folgewirkung: Plastik verrottet nicht, es ist leicht und fast unendlich lange haltbar.
Wir sehen Plastikbecher, -tüten, -flaschen und was es so alles an Verpackungen gibt. Mindestens genauso schlimm ist der kaum sichtbare Mikroplastikmüll, das sind Plastikteilchen, die kleiner als 5 mm sind und von Kläranlagen nicht herausgefiltert werden können. Die Kosmetikindustrie nutzt Kunststoff nicht nur für glamouröse Verpackungen, sondern mischt Mikroplastikteilchen und flüssige Kunststoffe in ihre Produkte. So gelangt Plastik auch in unser Trinkwasser. Laut Studien schwimmen in jedem Liter Leitungswasser 4 Teilchen Plastik. Niemand glaubt, dass dies für unsere Gesundheit unschädlich ist.

Hier ein paar Fakten, die im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016/17 vom Bundesbildungsministerium veröffentlich worden sind:

  • Heute werden mehr als 300 Millionen Tonnen Kunststoff pro Jahr hergestellt - davon landen 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen pro Jahr als Plastikabfall im Meer. 
  • Zwischen 60 und 90% des Mülls am und im Meer bestehen aus Plastik. 
  • 62% des Plastikmülls in Europa stammt von Einwegverpackungen. 
  • Grobe Schätzungen gehen von 86 bis 150 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren und Ozeanen aus, der sich seit ca. 1950 gesammelt hat - ein Großteil davon (bis zu 99%) befindet sich entweder schwebend in der Wassersäule oder am Meeresboden – nicht an der Wasseroberfläche. 
  • Es gibt Regionen, in denen sich Müll an der Wasseroberfläche sammelt auf einer Fläche von mehreren 100 km Durchmesser.
  • Mindestens 243 verschiedene Arten von marinen Lebewesen verheddern  und strangulieren sich in Plastikmüll. 
  • 59% aller Wal- und Delfinarten, 40% aller Seevögel, 100% der Meeresschildkröten und 36% der Robben können Müll verschlucken. 
  • Fische, Weichtiere (z.B. Muscheln) und Krebse (z.B. Garnelen) nehmen Plastik und Mikroplastik auf, die Folgen für den Menschen sind noch unbekannt. 
  • eine Mahlzeit Muscheln enthält geschätzt 90 Partikel Mikroplastik. 
  • die EU Fischfangflotte verzeichnet 60 Millionen Euro Gewinnverlust pro Jahr durch Plastikmüll im Meer.
Unser schlechtes Gewissen beruhigen wir mit dem gelben Sack, in den wir unseren Plastikhausmüll stecken. Was damit passiert, kann man zum Beispiel in der Neuen Osnabrücker Zeitung nachlesen. Nur ein Teil ist wiederverwertbar, der Rest landet in Müllverbrennungsanlagen und vieles versickert irgendwo als Mikro. Dennoch breitet sich der Plastikmüll weltweit aus. Hier ein Überblick des WWF zu diesem Thema.

Was kann man dagegen tun?

Angeblich sind es die Verbraucher, die Verpackung wollen und, ja, auch kaufen. Aber in Wahrheit sind es die Hersteller, die gezügelt werden müssen. Man hat den Eindruck, dass Hersteller und der Lebensmittelhandel, auch der Elektronik-Handel, jede Hemmung hinsichtlich plastikverpackter Waren verloren haben. Die Hersteller, die Verursacher, kaufen sich einfach mit einer Gebühr frei. Alles wird heute in Folien eingeschweißt, von der Gurke bis hin zum verpackten Schinken. Haltbarkeit und werblicher Auftritt sind wichtiger als Umweltschutz.Es gibt unendlich viele Produkte, deren Plastikverpackung nichts mit Haltbarkeit zu tun hat. Oft dient die Verpackung allein als werblicher Anreiz für cooles Design. Waschmittel, Zahnpasta, Kosmetik, Batterien, Gutscheine, Iphones - alles kommt in Plastikverpackungen daher. Die Kosten der Entsorgung, die angerichteten Umweltschäden übersteigen die Gebühreneinnahmen um ein Vielfaches, wie man sich leicht denken kann. Der hocheffiziente Lebensmitteleinzelhandel beschränkt sich auf den Ersatz von Plastiktüten durch umweltfreundliche Tragetaschen. Der Rest heißt Umsatz, Umsatz, Rendite. Erst wenn die Verbraucher ihren Plastik-Output spürbar reduzieren wird sich beim Handel etwas ändern. Sicher braucht man Verpackungen und es lässt sich nicht alles in loser Form verkaufen, schon aus Hygienegründen. Aber man kann doch einiges tun. Hier zum Beispiel 30 Tipps für den Alltag.

Am Ende ist die Politik gefordert. Zum Meeresschutz gibt es bereits diverse internationale Abkommen gegen Überfischung, wir haben Walfangbegrenzungsabkommen und mehr. Es gibt Meeresschutzgebiete, doch der Plastikmüll macht davor nicht halt. Eine internationale Strategie gegen den Plastikmüll ist nicht erkennbar. Insbesondere in Asien breitet sich der Plastikmüll ungehemmt aus. Was tun Grüne und Greenpeace dagegen? Wir brauchen nicht nur Klimaschutz, wir brauchen endlich auch einen internationalen Ansatz zur Vermeidung des Plastikmülls.


















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