Donnerstag, 22. März 2018

Maschmeyers Gründer-Flop

Gestern habe ich mir rund zehn Minuten die neue Gründershow von Carsten Maschmeyer angesehen. Dann habe ich abgeschaltet. Den Rest las ich heute morgen in Spiegel Online und in der WELT.
Als regelmäßiger Zuschauer der "Höhle der Löwen" hatte ich auf Inspirierendes gehofft. Aber die Vorstellung war so dämlich, dass ich mich frage, wer dieses Drehbuch geschrieben. Jedenfalls keiner, der von Gründern irgendeine blasse Ahnung hat. Ganz offensichtlich war das Ziel, wie bei Dieter Bohlen peinliche Auftritte zu generieren, die Maschmeyer dann "skrupellos" abfertigen konnte. Doch der Unterhaltungswert ging gegen Null.
Nun ist es ja Mode geworden, Startups zu fördern, mit ihnen zu kooperieren und sie hochzupäppeln. Auch Bilanz verleiht ja den Start-Me-Up-Gründerpreis. Sicher eine gute Sache, aber vielleicht sollte man nochmal daran erinnern, was die Wesenszüge eines erfolgreichen Startups sind.

Maschmeyers Gründer (Spon: "Strumpfhosen für Frauenoberarme, Männerduftkerzen mit Speckgeruch") müssten eigentlich alle durch den Rost fallen, weil sie einzelne Produktideen vorstellten. Manches ganz nett, aber was dann? Wer ein Unternehmen gründen will, der muss sich von Anfang Gedanken darüber machen, welche weiteren Produktlinien entwickelt werden sollen, wohin die Reise geht. Das war die Stärke der Auswahl in der "Höhle der Löwen".

Investoren wollen ausschließlich skalierbare Konzepte. Das sind Umsatzkurven, die zunächst langsam steigen und durch hohes Wachstum immer steiler werden. Allerdings müssen solche Zukunftskurven auch plausibel sein. Ohne ausgefeilte Marketingkonzepte (die Geld kosten) ist der Misserfolg vorprogrammiert. Das wiederum ist häufig ein Fehler der Investoren, die nicht ausreichend Geld für Marketing bereitstellen, meist deshalb, weil Startups glauben, mit wenig Marketing auszukommen. Überdies ist die Frage wichtig, wie schnell eine Geschäftsidee kopiert werden kann. Und besonders, wenn es sich um digitale Geschäftsideen handelt, sind der Innovationsvorsprung und die Innovationsgeschwindigkeit entscheidend für den Erfolg. Es muss im übrigen nicht jede Geschäftsidee das große "Ding" (Stefan Raabs Show) sein. Wir reden viel zu wenig über erfolgreiche Handwerker, die sich nicht "Start up" nennen, aber händeringend gesucht sind. Ein selbstständiger Tischler, der mit seinem Team erfolgreich arbeitet, hat meinen höchsten Respekt. Die Handwerkskammern leisten hier mit der Meisterausbildung hervorragende Arbeit.
Leider gibt es kaum entsprechendes in den Universitäten. Einen Arzt, der sich selbstständig macht, wird man nicht als Start-up-Unternehmer bezeichnen. Seine Dienste sind auch nicht skalierbar. Aber für sie gibt es Nachfrage und einen großen Markt.
Eine Firma zu gründen, ist ein mutiges Vorhaben für jeden, der es wagt. Maschmeyers Gäste sind keine echten Gründer, aber das liegt letztlich an den Machern dieser ziemlich dämlichen Produktion.


 


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