Mittwoch, 28. März 2018

Konzernkommunikation: Die Entmündigung von Führungskräften

Die deutsche Wirtschaft brummt. An der Spitze stehen Konzerne, deren Gewinne nur so sprudeln - mit einigen bekannten Ausnahmen.
Welchen Anteil hat die Kommunikation am Erfolg eines Unternehmens? Hat sie überhaupt einen messbaren Anteil? Das ist eine interessante Frage für einen Kommunikationsberater wie mich.

Dax-Konzerne verfügen in der Regel über zahlreiche Mitarbeiter, die auf nationaler und internationaler Ebene mit verschiedenen Kommunikationsaufgaben betraut sind. An der Spitze steht der Leiter der Unternehmenskommunikation, der an den Vorstandsvorsitzenden direkt berichtet.

Unterstützung erhalten er und sein Team von zahlreichen externen Experten, wobei Konzerne große Agenturen bevorzugen. Die erhalten dann trotz der großen Mitarbeiterzahl ihres Auftraggebers hohe Budgets für "strategische Beratung" und diverse Dienstleistungen: Alles, was Kapitalmarktkommunikation betrifft, Events wie Hauptversammlungen, Workshops, Website-Betreuung, Corporate Design, Geschäftsberichte, Kundenmagazine, Werbekampagnen, Social-Media-Präsenz, Pressemitteilungen, Krisenkommunikation, Journalistenbetreuung und vieles mehr.

Da kann man viel Geld verdienen, und von einigen heißt es, dass sie schon Geld kosten, bevor sie eingetreten sind. Unter 200.000 € p.a. geht da gar nichts.

Wohlgemerkt, diese Palette an Kommunikationsarbeiten findet sich in allen Dax-Konzernen, und trotzdem gibt es höchst unterschiedliche Unternehmenserfolge. Der Umfang der genutzten Dienste externer und eigener Mitarbeiter ist also keine Garantie für den Unternehmenserfolg.
Schon die regulatorischen Vorschriften zwingen Aktiengesellschaften zu transparenter Finanzkommunikation. Diese Art der Kommunikation haben in den letzten Jahren immer mehr die "Legals" an sich gezogen - große Anwaltskanzleien -, gilt es doch umfassende Rechtsvorschriften einzuhalten.
Die Finanz- und Wirtschaftspresse interessiert sich aber für mehr: Sie personalisiert Erfolge wie Misserfolge. Wer "Manager des Jahres" wird, muss auf der Hut sein. Je höher einer in die "Hall of Fame" aufsteigt, desto interessanter ist es, ihm etwas anzuhängen. Wer von "investigativen" Journalisten angesprochen wird, weiß gleich, dass Gefahr im Verzug ist. Von investigativen Teams liest man keine Erfolgsgeschichten.
In großen Unternehmen gibt es immer Whistleblower, die Schlechtigkeiten verbreiten. Insbesondere dann, wenn Umstrukturierungen vorgenommen und Arbeitsplätze abgebaut werden. Nicht selten geben  Betriebsräte und Gewerkschaften ihre Kenntnisse aus den Aufsichtsräten verbotenerweise weiter. Konzern-Kommunikation kann so etwas nicht verhindern. Aber wo liegt der entscheidende Hebel für eine glaubwürdige Positionierung?
Entscheidend für eine erfolgreiche Kommunikation ist in großen Unternehmen nicht die Außen- sondern die Innenpolitik. Je mehr die Belegschaft an ihre Führung glaubt, desto weniger wird Schmutz nach außen getragen. Wer stolz ist auf seine Firma, wird Journalisten keine bösen Gerüchte weitergeben. Umgekehrt muss die Konzernspitze auch Vertrauen in ihre Mitarbeiter haben. Das ist jedoch eher die Ausnahme. In vielen Konzernen herrscht das Misstrauen. Jede Äußerung, jeder Text muss überprüft und vielfach abgestimmt werden. Und Texte gibt es reichlich in diesen Unternehmen. Vielfach müssen dann auch noch die Legals zustimmen. Aus Sorge, dass ein uneinheitliches oder falsches Bild nach außen abgegeben wird, werden Führungskräfte entmündigt. Hier liegt das eigentliche Problem. Indem Führungskräfte von den Medien ferngehalten werden, nimmt man ihnen auch ein Stück kommunikativer Kompetenz.
Man wird auch weiterhin Regeln brauchen. Aber vor allem ist eine neue Kultur im Umgang mit den Medien notwendig. Wer in verantwortlichen Positionen arbeitet, muss Medien kennenlernen, sie verstehen und lernen, mit der Arbeitsweise von Medien umzugehen. So können Führungskräfte echte Botschafter ihres Unternehmens werden und die Konzerne könnten sich wahrscheinlich eine Menge externer Beratungskosten sparen.







Donnerstag, 22. März 2018

Maschmeyers Gründer-Flop

Gestern habe ich mir rund zehn Minuten die neue Gründershow von Carsten Maschmeyer angesehen. Dann habe ich abgeschaltet. Den Rest las ich heute morgen in Spiegel Online und in der WELT.
Als regelmäßiger Zuschauer der "Höhle der Löwen" hatte ich auf Inspirierendes gehofft. Aber die Vorstellung war so dämlich, dass ich mich frage, wer dieses Drehbuch geschrieben. Jedenfalls keiner, der von Gründern irgendeine blasse Ahnung hat. Ganz offensichtlich war das Ziel, wie bei Dieter Bohlen peinliche Auftritte zu generieren, die Maschmeyer dann "skrupellos" abfertigen konnte. Doch der Unterhaltungswert ging gegen Null.
Nun ist es ja Mode geworden, Startups zu fördern, mit ihnen zu kooperieren und sie hochzupäppeln. Auch Bilanz verleiht ja den Start-Me-Up-Gründerpreis. Sicher eine gute Sache, aber vielleicht sollte man nochmal daran erinnern, was die Wesenszüge eines erfolgreichen Startups sind.

Maschmeyers Gründer (Spon: "Strumpfhosen für Frauenoberarme, Männerduftkerzen mit Speckgeruch") müssten eigentlich alle durch den Rost fallen, weil sie einzelne Produktideen vorstellten. Manches ganz nett, aber was dann? Wer ein Unternehmen gründen will, der muss sich von Anfang Gedanken darüber machen, welche weiteren Produktlinien entwickelt werden sollen, wohin die Reise geht. Das war die Stärke der Auswahl in der "Höhle der Löwen".

Investoren wollen ausschließlich skalierbare Konzepte. Das sind Umsatzkurven, die zunächst langsam steigen und durch hohes Wachstum immer steiler werden. Allerdings müssen solche Zukunftskurven auch plausibel sein. Ohne ausgefeilte Marketingkonzepte (die Geld kosten) ist der Misserfolg vorprogrammiert. Das wiederum ist häufig ein Fehler der Investoren, die nicht ausreichend Geld für Marketing bereitstellen, meist deshalb, weil Startups glauben, mit wenig Marketing auszukommen. Überdies ist die Frage wichtig, wie schnell eine Geschäftsidee kopiert werden kann. Und besonders, wenn es sich um digitale Geschäftsideen handelt, sind der Innovationsvorsprung und die Innovationsgeschwindigkeit entscheidend für den Erfolg. Es muss im übrigen nicht jede Geschäftsidee das große "Ding" (Stefan Raabs Show) sein. Wir reden viel zu wenig über erfolgreiche Handwerker, die sich nicht "Start up" nennen, aber händeringend gesucht sind. Ein selbstständiger Tischler, der mit seinem Team erfolgreich arbeitet, hat meinen höchsten Respekt. Die Handwerkskammern leisten hier mit der Meisterausbildung hervorragende Arbeit.
Leider gibt es kaum entsprechendes in den Universitäten. Einen Arzt, der sich selbstständig macht, wird man nicht als Start-up-Unternehmer bezeichnen. Seine Dienste sind auch nicht skalierbar. Aber für sie gibt es Nachfrage und einen großen Markt.
Eine Firma zu gründen, ist ein mutiges Vorhaben für jeden, der es wagt. Maschmeyers Gäste sind keine echten Gründer, aber das liegt letztlich an den Machern dieser ziemlich dämlichen Produktion.


 


Dienstag, 20. März 2018

Facebook in der Bredoullie

In Sachen Datenschutz sind wir Deutschen Experten. Beauftragte dafür gibt es in Bund, Ländern und Gemeinden und in jedem großen Unternehmen. Viel Tam-Tam, Bürokratie und Gesetze. Verglichen mit dem, was hier gelegentlich alles passiert, erleben wir bei Facebook, welche Dimension das ganze Thema Daten inzwischen hat.
Das muss man sich mal vorstellen: Eine Firma namens Cambridge Analytica benutzt 50 Millionen Facebook Profile, um damit dreckige Geschäfte zu machen. Anders kann man die offensichtliche Verwendung solcher Daten zur Beeinflussung des US-Wahlkampfes nicht nennen. Dieses Datenauswertungsunternehmen mit dem Motto "Daten treiben alles an, was wir tun"(!)  soll für die Wahlkampagne Trumps Facebook-Profile ausgewertet haben. Die Frage ist, ob es unrechtmäßig an diese Daten gekommen ist oder Facebook damit Geschäfte gemacht hat. Wir wissen bisher noch nicht viel darüber, was genau passiert ist. Das was bisher bekannt wurde, reicht aber für jeden Gruselfilm.

Es ist wie mit jeder Technologie: Eine gute Sache in den Händen skrupelloser Leute kann ganz schrecklich enden. Social Media hat unendlich viele Menschen zusammen geführt. Wenn Social Media jedoch dazu benutzt wird, Gerüchte zu verbreiten, Demokratien zu destabilisieren, Hass und Lügen zu verbreiten, dann müssen bei uns alle Alarmglocken läuten. In China erleben wir, was ein letztlich totalitärer Staat mit Daten anstellen kann: Dort stehen schon jetzt viele und demnächst alle Bürger und Beobachtung. Es gibt dann Pluspunkte für sozial positives Verhalten und Negativpunkte, wenn einer aus der Reihe tanzt. George Orwell lässt grüßen.
Das Internet sollte eigentlich befreien. Demokratisierung des Wissens, Erleichterung des täglichen Lebens,  Information in Real Time, wissenschaftlicher Austausch. Jetzt beginnt es, uns zu fesseln. Mit unseren persönlichen Profilen bei Amazon, Google, Facebook, Xing, Linkedin und anderen werden wir unsere Persönlichkeit los. Wir sind am Ende ein Datensatz, den jeder kaufen oder hacken kann - egal für welchen Zweck.
Daten sind die Währung der Zukunft, konnte man schon mehrfach lesen. Internet-Portale sind am erfolgreichsten, wenn sie Daten maximieren.
Im Konsumbereich kann man das noch tolerieren. Wenn es aber politisch wird, ist höchste Vorsicht angebracht. Weil in den Netzwerken jeder seine Meinung verbreiten kann, werden die Netze auch für Gerüchte und Fake News genutzt, ohne dass die Leser sofort erkennen, dass es sich dabei oft genug um gesteuerte Kampagnen handelt. Jeder der in Deutschland Putin im Netz kritisiert, bekommt sofort zahlreiche unglaubwürdige Kommentare, die Putins Großmannssucht verteidigen. In Italien, so hört man, haben rechtsradikale Gruppen ihr Unwesen systematisch in sozialen Medien betrieben und dort ihre Hassparolen verbreitet. Das ist schwer zu kontrollieren, wenn die Grenzen zwischen Meinung, Gerüchteverbreitung und Fakten verschwimmen, auch vom Betreiber der Portale selbst.
Der Kampf gegen den politischen Missbrauch von Social Media muss beginnen. Facebook schafft sich ab, wenn es ihm nicht gelingt, die persönlichen Daten zu schützen.







Freitag, 16. März 2018

Die Fußball WM in Russland sollte boykottiert werden

Es ist schon bizarr. Zwei Wahnsinnige führen zwei der drei größten Weltmächte. Donald Trump, der seine frühere Fernsehshow "You´re fired" zum Programm im Weißen Haus gemacht hat und Wladimir Putin, der sich muskelprotzend mit nacktem Oberkörper bei der Jagd fotografieren lässt, kritische Medien ausschaltet und international permanent mit dem Säbel rasselt.

Über Trump ist eigentlich schon alles geschrieben. Nun stehen Wahlen in Russland an, und schon jetzt steht fest, dass die Ära Putin noch nicht zu Ende ist. Putins Ziel ist "Make Russia Great Again".

Als geeignete Maßnahmen dafür hat er unter anderem entdeckt: Cyberangriffe, Destabilisierung westlicher Demokratien (zum Beispiel durch Bomben in Syrien, die jeden zweiten Syrer zum Flüchtling machten), Annektierung der Krim, Bedrohung der Ukraine, aktiver Krieg in Syrien, riesige Militärmanöver an den Ostgrenzen der NATO, neue Atomraketen - hab ich noch etwas vergessen? Ach ja, und jetzt die Nervengift-Attacke auf einen ehemaligen Doppelagenten und dessen Tochter in Großbritannien. Ein Nervengift, das nach Erkenntnissen der Briten in Russland entwickelt und erstmals seit Ende des zweiten Weltkrieges eingesetzt wurde. Das war nicht nur eine Attacke gegen Agenten, sondern eine Attacke gegen die NATO. Der skrupellose Einsatz von Nervengift kann auch ganze Armeen treffen.

Russlands Destablisierungsstrategie macht auch vor Deutschland nicht halt. Auf der einen Seite wächst Deutschlands Abhängigkeit von russischem Erdgas. Wenn wir den Übergang zur regenerativen Energie schaffen wollen, brauchen wir Erdgas. Und das liefert Russland mit Gazprom, dem ausgerechnet unser früherer Bundeskanzler Gerhard Schröder vorsitzt. Auf der anderen Seite mischt sich Putins fünfte Kolonne permanent im deutschen Internet ein. Wir erinnern uns an die offensichtlich von Russland ausgelöste Desinformationswelle nach einer nachweisbar erfundenen Vergewaltigung. Es kam heraus, dass irgendwo in Petersburg Hackerkolonnen sitzen, die als Trolle solche Gerüchte im Internet verbreiten, um die Ausländerfeindlichkeit anzuheizen und rechtes Gedankengut zu fördern. Die syrische Flüchtlingswelle, die durch die russische Bombardierungs-Unterstützung Assads losgetreten wurde, traf Deutschland am heftigsten. Ein Zufall? Putin überlässt nichts dem Zufall.

Die bisherigen Sanktionen haben Russland nicht gebremst und wirtschaftlich auch nicht besonders geschwächt. Einreiseverbote gegen bestimmte Personen und Firmen haben wenig gebracht.
Es wird Zeit, dass der Westen sich auf eine neue Eiszeit mit Russland einstellt, statt immer weiter zu hoffen, es werde noch alles gut. Für Putin ist das ein Zeichen der Schwäche. Der Westen sollte auf eine robustere Widerstandslinie und härtere Sanktionen einschwenken. Europa muss seine Streitkräfte modernisieren und zu einer gemeinsamen Sicherheitspolitik finden, die Russland von weiteren Abenteuern abhält. Es wird Jahre dauern, bis das umgesetzt ist, aber eine verrottete Bundeswehr ist sicher keine Abschreckung.
Schon jetzt aber sollte ein Zeichen gesetzt werden: Die Fußball-WM in Russland muss ohne die europäischen Nationalmannschaften stattfinden. Der Boykott ist notwendig. Das kann man den europäischen Fußballverbänden auch ohne deren Einsicht verordnen.



Mittwoch, 14. März 2018

Wahnsinn Plastikmüll

Kürzlich gab es in "Hart-aber-fair" eine interessante Diskussion zum Thema Plastikmüll (hier der Link zur Mediathek). Das Thema ist nicht neu, aber es ist immer wieder erschütternd, die Bilder von toten Vögeln, toten Meerestieren aller Art zu sehen, die durch Plastikmüll elendig verenden. Umweltorganisationen schätzen, dass jährlich 1 Million Vögel, 100.000 Meeressäuger wie Wale und Delfine und eine nicht bekannte Anzahl von Fischen durch Plastikmüll verrecken. In Wikipedia lese ich: "Im Pazifik schwimmt ein Müllteppich auf einer Fläche, die vergleichbar ist mit der Fläche der Länder Deutschland, Österreich, Tschechien, Polen, Luxemburg, Ungarn und Schweiz zusammengenommen".


Plastik ist ein relativ junger Umweltverschmutzer: Die ersten Kunststoffprodukte gab es in Europa 1950. Die besondere Eigenschaft von Plastik ist heute dessen schlimmste Folgewirkung: Plastik verrottet nicht, es ist leicht und fast unendlich lange haltbar.
Wir sehen Plastikbecher, -tüten, -flaschen und was es so alles an Verpackungen gibt. Mindestens genauso schlimm ist der kaum sichtbare Mikroplastikmüll, das sind Plastikteilchen, die kleiner als 5 mm sind und von Kläranlagen nicht herausgefiltert werden können. Die Kosmetikindustrie nutzt Kunststoff nicht nur für glamouröse Verpackungen, sondern mischt Mikroplastikteilchen und flüssige Kunststoffe in ihre Produkte. So gelangt Plastik auch in unser Trinkwasser. Laut Studien schwimmen in jedem Liter Leitungswasser 4 Teilchen Plastik. Niemand glaubt, dass dies für unsere Gesundheit unschädlich ist.

Hier ein paar Fakten, die im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016/17 vom Bundesbildungsministerium veröffentlich worden sind:

  • Heute werden mehr als 300 Millionen Tonnen Kunststoff pro Jahr hergestellt - davon landen 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen pro Jahr als Plastikabfall im Meer. 
  • Zwischen 60 und 90% des Mülls am und im Meer bestehen aus Plastik. 
  • 62% des Plastikmülls in Europa stammt von Einwegverpackungen. 
  • Grobe Schätzungen gehen von 86 bis 150 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren und Ozeanen aus, der sich seit ca. 1950 gesammelt hat - ein Großteil davon (bis zu 99%) befindet sich entweder schwebend in der Wassersäule oder am Meeresboden – nicht an der Wasseroberfläche. 
  • Es gibt Regionen, in denen sich Müll an der Wasseroberfläche sammelt auf einer Fläche von mehreren 100 km Durchmesser.
  • Mindestens 243 verschiedene Arten von marinen Lebewesen verheddern  und strangulieren sich in Plastikmüll. 
  • 59% aller Wal- und Delfinarten, 40% aller Seevögel, 100% der Meeresschildkröten und 36% der Robben können Müll verschlucken. 
  • Fische, Weichtiere (z.B. Muscheln) und Krebse (z.B. Garnelen) nehmen Plastik und Mikroplastik auf, die Folgen für den Menschen sind noch unbekannt. 
  • eine Mahlzeit Muscheln enthält geschätzt 90 Partikel Mikroplastik. 
  • die EU Fischfangflotte verzeichnet 60 Millionen Euro Gewinnverlust pro Jahr durch Plastikmüll im Meer.
Unser schlechtes Gewissen beruhigen wir mit dem gelben Sack, in den wir unseren Plastikhausmüll stecken. Was damit passiert, kann man zum Beispiel in der Neuen Osnabrücker Zeitung nachlesen. Nur ein Teil ist wiederverwertbar, der Rest landet in Müllverbrennungsanlagen und vieles versickert irgendwo als Mikro. Dennoch breitet sich der Plastikmüll weltweit aus. Hier ein Überblick des WWF zu diesem Thema.

Was kann man dagegen tun?

Angeblich sind es die Verbraucher, die Verpackung wollen und, ja, auch kaufen. Aber in Wahrheit sind es die Hersteller, die gezügelt werden müssen. Man hat den Eindruck, dass Hersteller und der Lebensmittelhandel, auch der Elektronik-Handel, jede Hemmung hinsichtlich plastikverpackter Waren verloren haben. Die Hersteller, die Verursacher, kaufen sich einfach mit einer Gebühr frei. Alles wird heute in Folien eingeschweißt, von der Gurke bis hin zum verpackten Schinken. Haltbarkeit und werblicher Auftritt sind wichtiger als Umweltschutz.Es gibt unendlich viele Produkte, deren Plastikverpackung nichts mit Haltbarkeit zu tun hat. Oft dient die Verpackung allein als werblicher Anreiz für cooles Design. Waschmittel, Zahnpasta, Kosmetik, Batterien, Gutscheine, Iphones - alles kommt in Plastikverpackungen daher. Die Kosten der Entsorgung, die angerichteten Umweltschäden übersteigen die Gebühreneinnahmen um ein Vielfaches, wie man sich leicht denken kann. Der hocheffiziente Lebensmitteleinzelhandel beschränkt sich auf den Ersatz von Plastiktüten durch umweltfreundliche Tragetaschen. Der Rest heißt Umsatz, Umsatz, Rendite. Erst wenn die Verbraucher ihren Plastik-Output spürbar reduzieren wird sich beim Handel etwas ändern. Sicher braucht man Verpackungen und es lässt sich nicht alles in loser Form verkaufen, schon aus Hygienegründen. Aber man kann doch einiges tun. Hier zum Beispiel 30 Tipps für den Alltag.

Am Ende ist die Politik gefordert. Zum Meeresschutz gibt es bereits diverse internationale Abkommen gegen Überfischung, wir haben Walfangbegrenzungsabkommen und mehr. Es gibt Meeresschutzgebiete, doch der Plastikmüll macht davor nicht halt. Eine internationale Strategie gegen den Plastikmüll ist nicht erkennbar. Insbesondere in Asien breitet sich der Plastikmüll ungehemmt aus. Was tun Grüne und Greenpeace dagegen? Wir brauchen nicht nur Klimaschutz, wir brauchen endlich auch einen internationalen Ansatz zur Vermeidung des Plastikmülls.


















Montag, 12. März 2018

Was Merkel jetzt angehen muss: Seehofer voran!

Das Merkel-Bashing ist zu Ende. Endlich. Ihre aufgeregten Gegner haben sich an ihrer Unaufgeregtheit die Zähne ausgebissen. Kein "Merkelmussweg" mehr. Die Kanzlerin hat es geschafft und kann jetzt länger als Helmut Kohl regieren.

Die SPD atmet auf. Die Große Koalition steht, und bei den Umfragen hat sie gleich 3 Prozent zugelegt. Die Opposition sortiert sich ebenfalls. Die FDP nimmt an medialer Bedeutung ab: In den Nachrichten des Deutschlandfunks kommen die Kritiker am Koalitionsvertrag in folgender Reihenfolge zu Wort: 1. AfD 2. Die Grünen 3. FDP und 4. die Linke. FDP Chef Christian Lindner kritisiert dabei als dritter Oppositioneller "zu wenig Zukunft". Richtig, das hätte die FDP in einer Jamaika-Regierung bestimmt einbringen können.

Ich will hier nicht den Koalitionsvertrag analysieren, das überlasse ich der WELT. Mich interessiert jetzt, welche zentralen Themen bewegt werden müssen. Das wichtigste Thema ist ziemlich offensichtlich: Innere Sicherheit, Flüchtlinge, Asylbewerber. Im Koalitionsvertrag ist so eine Art Obergrenze für Flüchtlinge, die keine ist, festgeschrieben. Das Asylrecht ist als Grundrecht nicht abschaffbar. Es geht hier mehr um Integration, um Durchsetzung des Rechts, um Sicherheit.

Horst Seehofer durfte als erstes verkünden, dass abgelehnte Asylbewerber künftig konsequenter abgeschoben werden sollen. Völlig richtig, wir warten schon lange darauf. Da wünsche ich ihm viel Glück. Aber ich bin gespannt, wie er das hinkriegen will, rechtzeitig zur Landtagswahl in Bayern.  Hier ein Überblick, was Horst Seehofer sich vorgenommen hat:

Von 2015 bis 2017 haben über 1,4 Millionen Menschen in Deutschland einen Asylantrag gestellt.
56, 4% wurden im vergangenen Jahr abgelehnt. (Das heißt abschlägig entschieden, nicht etwa, dass die übrigen 43,6% genehmigt wurden). Ende 2016 gab es etwa 200.000 ausreisepflichtige Asylbewerber (allein 63.000 in NRW), von denen 150.000 "geduldet" waren.

Etwa 550.000 Asylbewerber hatten Ende 2016 eine "Aufenthaltsgestattung", weil ihr Verfahren noch läuft. Und weitere 68.000 wurden als "geduldet" markiert, obwohl sie rechtskräftig ausreisepflichtig sind. Dann gab es weitere 23.600 "vollziehbar zur Ausreise verpflichtete" Personen sowie 29.600 Familienangehörige als Leistungsempfänger . Sie alle sind "Empfänger von Asylbewerberleistungen". Und dann sind da noch 44.000 Personen "ohne Angabe" ihres Status.
Für die etwa 728.000 Asylbewerber wurden 2016 laut BILD insgesamt 9,234 Milliarden Euro gezahlt, das sind 4 Milliarden mehr als 2015, obwohl die Zahl der Leistungsempfänger gegenüber dem Vorjahr um rund 250.000 gesunken ist. Grund: Die gestiegenen Mieten für Asylunterkünfte und Fixkosten für leerstehende Unterkünfte (!). Pro Leistungsempfänger wurden mehr als 1000 € monatlich gezahlt.

Dann gibt es noch das Thema Familiennachzug: Bis Ende 2017 gab es 513.000 Familienangehörige mit Schutzstatus, darunter 215.000 "Subsidiär Schutzberechtigte" ohne die Flüchtlingseigenschaft nach der Genfer Konvention. Letztere dürfen nicht abgeschoben werden, wenn ihnen in ihrem Heimatland ein "ernsthafter Schaden" droht - etwa Folter oder Todesstrafe.

Ja und nicht zu vergessen die etwa 70.000 "unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber", die wohl in der Gesamtzahl enthalten sind, aber ganz besonders viel Aufmerksamkeit beanspruchen. Wenn sie kriminell werden, gilt für sie das maßvolle Jugendrecht. Die Betreuungskosten sind höher und das echte Alter wird selten ermittelt.

Lieber Herr Seehofer, diese Aufgabe ist bis zur Landtagswahl in Bayern unlösbar. Ich fürchte, das wichtigste Thema der Großen Koalition ist auch das schwierigste. Wenn sie es nicht stemmt, muss Merkel weg.

Donnerstag, 8. März 2018

Müssen wir einen Handelskrieg fürchten?

Alle Ökonomen sind sich einig: Ein Handelskrieg ist schlecht für den Welthandel und Deutschland als Exportweltmeister würde besonders darunter leiden.
Immer wenn sich alle einig sind, bin ich skeptisch. Jeder der einen Handelskrieg anzettelt, schadet sich nämlich selbst. Donald Trump ist offensichtlich zu dumm, um das zuzugeben. Na dann lassen wir ihn doch einfachmal Strafzölle erheben. Es trifft die amerikanischen Arbeiter, die Trump vorgeblich vertritt. Wird Stahl durch Importzölle teurer, werden die stahlabhängigen Produkte teurer: Die Autos, die Fabriken, die Haushaltsgeräte usw.
Über Handelskriege wurde in den letzten 30 Jahren immer wieder geredet, aber die mediale Rhetorik übertraf stets die Realität. Es wird auch jetzt keinen Handelskrieg geben. Selbst wenn Trump die Zölle für Autos drastisch erhöht. Die deutschen Autos für die USA werden nämlich überwiegend in den USA gebaut. Die deutschen Autobauer haben so gesehen gut vorgesorgt.
Was die Medien nur am Rande erwähnen ist, dass die EU über 100 Strafzölle für Produkte erhebt, die vermeintlich oder tatsächlich staatlich subventioniert sind, beispielsweise für Solarmodule aus China. Einer der großen Forderer für Strafzölle war Sonnenkönig Frank Asbeck. Das hat sein Unternehmen  Solarwatt nicht vor der Pleite gerettet. Burgbesitzer Asbeck hat sich kurz vor der Pleite noch die Solarsparte von Bosch einverleibt, um Subventionen zu kassieren. Es ist die von ihm verbreitete Legende, dass China an seiner Pleite schuld ist, In Wahrheit geht es um Missmanagement und Selbstüberschätzung, um mangelnde Innovation und um unternehmerische Fehler. So ist es immer, wenn Unternehmen und Branchenverbände jammern über unfairen Wettbewerb. Selbst wenn der Wettbewerb unfair ist, gibt es richtige und falsche Unternehmensstrategien.
Niemand hinterfragt die Strafzölle der EU, die in der Regel durch die Arbeit von Lobbyverbänden ausgelöst werden. Ein "Handelskrieg" ist ein Popanz, der Schwächen der Industrie verdecken soll,

Wir Europäer sind moralisch nicht besser als Donald Trump. Nur dass die EU ihre Strafzölle nicht twittert.
Das gute daran ist: Die Erde dreht sich weiter, mit oder ohne Strafzölle. Wer das Wort Handelskrieg in den Mund nimmt, vergisst, was Krieg ist. Wir sehen es jeden Tag in Syrien. Wir haben zwei Weltkriege hinter uns. Wie banal ist ein "Handelskrieg" dagegen?

Mittwoch, 7. März 2018

Was bringt denn eine Digitalisierungsministerin?

Die frühere Staatssekretärin Dorothea Bär, CSU, wird jetzt eine Staatsministerin für Digitalisierung. Die erste im Kanzleramt. Was ist davon zu halten?
Die Süddeutsche Zeitung schreibt dazu: "Der fränkische Charme, mit dem sie die Stammwählerschaft überzeugen konnte, wirkt da ungewollt komisch - wenn sie zum Beispiel Flugtaxis für alle fordert oder ihre Smartwatch "super" findet."
Zugleich lobt die SZ die Kompetenz dieser Frau: "Zum Glück hat sie, was es in einer modernen Welt wie der digitalen Sphäre braucht, um sich letztlich durchzusetzen - Kompetenz. Seit Jahren schon engagiert sie sich für einen klaren Blick aufs Netz. "
Nun da sind wir mal gespannt. Eine Staatsministerin ist eine parlamentarische Staatssekretärin, deren Amt sich dadurch auszeichnet, dass sie für ihre Aufgabe keine Truppen hat. "Ohne dass damit eine größere Machtfülle verbunden wäre", heisst es in Wikipedia.

Es wäre besser gewesen - aber vielleicht ist es das Ziel - ein wirkliches Ministerium aufzubauen, das sich um alle Digitalisierungsfragen professionell und umfassend kümmert. 

Die Digitalisierung hat ein großes Problem: Jeder weiß, dass man sich mit ihr beschäftigen muss, aber diejenigen, die über die Finanzierung entscheiden, verstehen meist recht wenig davon. So ist es auch in der Politik. Ich würde gerne mal wissen, ob die Naturwissenschaftlerin Angela Merkel die Blockchaintechnologie erklären könnte. Wahrscheinlich eher nicht. Vielleicht wäre es sinnvoll, jedem Bundestagsabgeordneten einen Digital-Test zu verordnen. Ich fürchte, es käme Nullwissen dabei heraus.
Mit der Piratenpartei gab es eine kurz aufflammende Bewegung, die die Digitalisierung politisiert hat. Innere Streitereien haben die Piraten schnell wieder unter die Fünf-Prozentklausel gedrückt, aber die Grundidee ihrer Gründung war absolut richtig. Im Wahlprogramm der Piraten zur Bundestagswahl hieß es: "Die immer schneller werdende technische Entwicklung hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass alltägliche Geräte und Technologien immer komplexer geworden sind. Diese erhöhte Komplexität führt zu einer immer größer werdenden digitalen Spaltung der Gesellschaft hinsichtlich des Verständnisses von Technik. In einer modernen Gesellschaft ist es notwendig, dass Menschen der Technik selbstbewusst gegenüberstehen. Nur so können sie ihre Grundrechte im 21 Jahrhundert wahrnehmen und an der Gesellschaft teilhaben."
Digitalisierung ist eben mehr als "Schnelles Internet für alle", wie es im Koalitionsvertrag vorgesehen ist. Die technologische Entwicklung schreitet in einem Tempo voran, dass 90% der Bevölkerung am Wegesrand liegenbleiben. Auch wenn jeder Rentner heute mit einem iPad herumläuft: Die wahren Mächte sind die Besitzer von Daten und deren Auswertung: Google, Facebook, Amazon. Dort sitzen Tausende von Programmierern, die in einer Welt leben und Arbeit, die unsereins nicht mehr versteht. Deswegen ist die wichtigste Aufgabe beim Thema Digitalisierung, die Menschen bei diesem Thema mitzunehmen, es ist eine Bildungsaufgabe. Von der Grundschule über das Gymnasium  bis hin zu allen Fachbereichen der Universitäten muss Digitalisierung geliefert werden. Die neue Staatsministerin hat allerdings das Problem, dass für die Bildung die Bundesländer zuständig sind. Sie muss ihre Kompetenz kommunikativ einsetzen und mit den Ländern zusammenarbeiten.  Eine ziemlich schwere Aufgabe. Immerhin: Ein Anfang ist gemacht.