Mittwoch, 28. Februar 2018

Dieselhysterie

Ich habe noch nie einen Diesel besessen. Ich bin deshalb auch kein Betroffener, und trotzdem nervt mich diese Diesel-Hysterie.
Ein technischer Experte bin ich schon gar nicht. Wer soll da noch durchblicken?Als Dieselautos noch schwarze Rauchwolken ausstießen, konnte ich mir gut vorstellen, dass das ungesund ist. Dann lernten wir, dass Dieselautos einen geringeren Verbrauch und damit einen niedrigeren CO2-Ausstoß hatten. Zudem war Diesel immer billiger als Benzin, weil auf Dieselöl weniger Steuern zu zahlen waren - es war der Staat, der Diesel immer gefördert hat. Dafür waren Dieselautos wesentlich teurer als Benziner.
In der Landwirtschaft ist Diesel bis heute noch billiger, weil die Bauern halb soviel Steuern auf Diesel zahlen müssen wie Otto Normaldieselverbraucher. Auch hier ist es der Staat, der den Treibstoff Diesel fördert.
Dann kam die Abgasaffäre. Weil die Autohersteller Grenzwerte nicht einhalten konnten, setzten sie eine Schummelsoftware ein. Die Amerikaner kamen den Deutschen auf die Schliche. Sie wollten sich ohnehin die lästige Konkurrenz vom Hals halten. Dafür sitzt ein jetzt ein VW-Manager in einem amerikanischen Gefängnis, der Rest läuft frei herum.
Und jetzt das: Ein hohes Gericht erlaubt den Städten ab sofort Dieselfahrverbote.
Es geht um die angeblich zu hohe Stickoxidbelastung in einigen Städten. Da gibts dann eine lange Städteliste, in der ein Grenzwert von 40 mg pro Kubikmeter zum Beispiel in meiner Stadt Mainz um 7 Mikrogramm überschritten wird. Meine Güte. In den neunziger Jahren war der offizielle Richtwert  noch 60 MG.
Dass jeder normale Arbeitsplatz ein vielfaches dessen an Stickoxidbelastung aushalten muss, was auf de Straßen normal ist, wird schon seit Jahren propagiert. Aber weil es keiner geglaubt hatte, mussten die armen Affen ran. Wer diesen Tierversuch in Auftrag gegeben hat, muss vorher mehrmals vom Affen gebissen worden sein. Wahnsinn. Der Shitstorm war vorhersehbar.
Nun also das Thema Dieselfahrverbote. Ist schon wieder jemand vom Affen gebissen worden, diesmal ein Richter? In Deutschland gab es 2017 etwas mehr als 15 Millionen Dieselautos. Die sollen nun aus den Städten verbannt werden? Heute las ich dass ein mit der Materie vertrauter Medizinprofessor die Studien zu den Gesundheitsgefahren der Stickoxidbelastung für unseriös hält. Könnte es sein, dass die seit 8 Jahren geltenden EU-Grenzwerte zu niedrig angesetzt sind?
Irgendwie sind mir Statistiken im Kopf, dass unsere Lebenserwartung permanent steigt. Die Luft wird ja nicht schlechter, sondern seit vielen Jahren besser. Wie roch es im Verkehr, als es noch keine Katalysatoren und kein bleifreies Benzin gab? Wie roch es, als noch stinkende Trabbis über die DDR Autobahn fuhren? Wie war das noch mit dem Waldsterben?
Den Diesel-Motor hat bekanntlich der Deutsche Rudolf Diesel erfunden. Er ist niedrig im Verbrauch, produziert weniger CO2 und ist unverwüstlich im Verkehr. Bei den Elektroautos werden Lithium und Kobalt gebraucht, Rohstoffe, die in Entwicklungsländern unter erbärmlichen Umständen abgebaut werden. Ansonsten kommt der Sprit aus der Steckdose. Sinn macht das nur bei abgasfreier Stromerzeugung. Ob da wohl der Strom reicht, wenn alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden? Leider ist auch die Brennstoffzellentechnik noch nicht serienreif - Sprit aus Wasser scheint ja die allerbeste Lösung zu sein. Unsere sechs U-Boote sind alle mit der Brennstoffzellentechnik ausgestattet. Allerdings sind sie derzeit bis auf eines nicht einsatzbereit. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Irgendwie ist hier ein unvertretbarer Aktionismus ausgebrochen, den die umstrittene Organisation "Deutsche Umwelthilfe" mit gerademal 274 Mitgliedern (2017) ausgelöst hat. Die Autoindustrie ist immer noch einer der wichtigsten Arbeitgeber unseres Landes. Sie hat viel an Glaubwürdigkeit verloren, aber wollen wir deshalb die Arbeitsplätze aufs Spiel setzen? Vielleicht sollten Wissenschaft, Staat und Autoindustrie einen langfristigen Entwicklungsplan aufsetzen (wie früher einmal die Japaner), in dem nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht, sondern eine gemeinsame Strategie zur mobilen Zukunft aufgesetzt wird? Die Zeit dafür scheint gekommen.








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