Montag, 27. Februar 2017

Wahljahr 2017: Schicksalsjahr für Europa?

2017 wird ein schicksalhaftes Jahr für Deutschland und Europa. Mit Trump hatte es angefangen. Großbritannien startet den Brexit im März. In Frankreich klopft Marine LePen an die Tore des Elysee-Palastes. Im April und vor allem in der Stichwahl im Mai entscheidet sich, ob die europafeindliche Rechtspopulistin LePen unser Nachbarland künftig regieren wird. Schon im März will Geert Wilders in den Niederlanden mitmischen, noch einer von derselben ausländerfeindlichen Sorte. In Italien wird wohl im Frühjahr neu gewählt. In Deutschland gibt es mehrere Landtagswahlen: Saarland (26.März), Schleswig-Holstein (7.Mai) und NRW (14.Mai). Am 24. September folgt schließlich die Bundestagswahl. Schulz gegen Merkel. Und das ganze Jahr über Trump, Trump, Trump.
Was kann bei all dem herauskommen? Ich wage einmal Prognosen.

Die größte Unsicherheit geht von Frankreich aus, dem zentralen Pfeiler Europas. Wahrscheinlich wird Marine LePen als stärkste Kraft aus der ersten Wahl hervorgehen. Aber sie wird die Stichwahl verlieren, zumindest diesmal. In den Niederlanden wird keine Partei mit Wilders koalieren, also auch dort kein "Machtwechsel". Die Briten bleiben auch nach dem Brexit Europäer und wichtigster NATO-Partner. Es wird harte Verhandlungen über die Austrittskosten geben, aber am Ende wird ein Kompromiss alles in geordnete Bahnen lenken.
Die Wirtschaft kann sich auch mit bilateralen Regelungen anfreunden. und im Grund genommen besteht die Chance, dass Europa in der Krise wieder näher zusammenrückt. Es besteht allerdings hoher Reformbedarf, der jetzt angegangen werden muss.

Bei den Landtagswahlen wird die SPD vom Schulz-Hype profitieren, davon muss man ausgehen. Ob diese Ergebnisse den Kanzlerkandidaten dann auch zur Kanzlerschaft führen, ist für mich aber völlig offen. Das Komische ist ja, dass Schulz gegen eine Bundesregierung antritt, in der seine eigene Partei mitregiert und für alles mitverantwortlich ist, was Schulz ändern will. Es wäre fatal, wenn ein rot-rot-grünes Bündnis die Agenda 2010 weiter zurückdreht, Steuern erhöht und den Staatsanteil noch weiter ausbaut.
Selbst wenn Schulz das Bundestagsergebnis für die SPD erheblich verbessern sollte, wird es hoffentlich nicht für ein rot-rot-grünes Bündnis reichen. Vielleicht ginge es dann mit der FDP als vierten im Bunde, aber das dürfte Christian Lindner nicht mitmachen. Wahrscheinlich kommt es also erneut zu einer großen Koalition, wenn es nicht zu irgendeinem fatalen Großereignis wie einem Finanzcrash kommt, so dass sich alle hinter der Kanzlerin versammeln.
Und Trump? Die Wirtschaft wird erst einmal ihr Fähnchen nach seinem Wind ausrichten, und vielleicht sogar von seinen angekündigten Maßnahmen profitieren.
Aber Trump ist und bleibt der durch seine Präsidentenmacht gefährlichste und unberechenbarste Politiker der westlichen Welt. Er wird sich keinen Deut ändern, zu lange sind seine Sprüche und sein Verhalten konsistent.
Ich hoffe, dass sich in den USA eine Gegenbewegung mobilisieren lässt, die ihn aus dem Amt jagt. Vielleicht noch nicht in diesem Jahr, aber im Laufe seiner Amtszeit. Seine Anti-Medienkampagne wird genug fähige Journalisten motivieren, jeden seiner Schritte, seine Geschäfte, seine Steuererklärung, seine Vergangenheit auseinanderzunehmen, bis sein wahres Fake-News-Gesicht offen liegt.  Und das wären dann die besten Nachrichten des Jahres 2017.
Das Schicksalsjahr 2017 könnte dann sogar ein gutes Jahr werden.




Dienstag, 21. Februar 2017

Gesundheit - das kranke System

Heute war ich bei meinem Orthopäden mit Kniebeschwerden, die er super mit einigen Spritzen behandelt hat. Ich erzählte ihm von einem Freund, der seit einer Arthroskopie am Knie sehr starke Schmerzen hat - stärker als vorher.  Mein Orthopäde arbeitet konservativ und kommentierte meine Geschichte so: Für eine Arthroskopie erhält ein Arzt rund 1000 Euro. Behandelt er das Knie drei Monate konservativ erhält er 28 Euro pro Behandlung. Kein Wunder also, dass Orthopäden sehr schnell zur Arthroskopie greifen.
Das hört man überall. Wer in eine Klinik muss, erhält immer das volle Programm, denn die Maschinen müssen ja ausgelastet werden. Wer längere Arthrose im Knie oder in der Hüfte hat, dem wird recht schnell zu einem künstlichen Gelenk geraten. Zigtausenden Patienten wird ein künstliches Kniegelenk ohne wirkliche Notwendigkeit aufgeschwatzt, weil davon inzwischen eine ganze Industrie lebt. Die Orthopäden - mit Ausnahmen - sind die Schlimmsten. Mir haben sie eine - wie sich später herausstellte - völlig überflüssige Meniskusoperation gegen meine Knieprobleme verordnet. Ich werde mir vor meinem 80igsten Lebensjahr jedenfalls kein künstliches Gelenk einbauen. Mit Bewegung und gelegentlichen Spritzen geht es auch ohne.
Aber Scherz beiseite, das muss ja alles bezahlt werden. Das Aushandeln der Preise zwischen Kassen und Arztverbänden scheint nicht zu funktionieren. Es benachteiligt die engagierten, patientenorientierten Ärzte gegenüber den gewinnmaximierenden, apparateorientierten Doktores. Unser Gesundheitssystem ist krank. Wer kann es heilen?
Ich jedenfalls bin froh, dass ich nach neun Jahren endlich den richtigen Arzt gefunden habe.


Montag, 20. Februar 2017

Mehr Rüstung oder mehr Nachdenken?

Ich gehöre nicht zu denen, die Verteidigungsanstrengungen für überflüssig halten. Aber als ich heute im Handelsblatt eine Tabelle sah, die die Rüstungsausgaben aller Natostaaten den Rüstungsausgaben Chinas und Russlands gegenüberstellte, habe ich mich doch gefragt, was hier eigentlich abgeht.
(Ich gehe mal davon aus, dass die im Handelsblatt angegebenen Quellen Nato und Sipri einigermaßen stimmige Schätzungen geliefert haben, nachprüfen kann ich das natürlich nicht).
Nach diesen Schätzungen gaben die USA allein im vergangenen Jahr 664,1 Milliarden US Dollar aus. China 214,8 und Russland 66,4. Großbritannien zahlt jährlich 60,4, Frankreich 43,6 und Deutschland 40,7 Milliarden. Alle Nato Staaten zusammen - die Zahl nannte übrigens gestern Sarah Wagenknecht bei Anne Will - kommen auf schätzungsweise 900 Mrd. US-Dollar. In einem Jahr!

Kriege sind ohne Rüstung nicht möglich, aber könnte es sein, dass es mit weniger Rüstung auch weniger Kriege gäbe? Warum müssen wir jetzt die Rüstungsausgaben erhöhen? Was wird damit erreicht, außer eine 2-Prozent-Regel einzuhalten? Wo Kriege stattfinden, hat die Abschreckung versagt. Deutschland kann sich mit Europa über eine lange Friedensperiode freuen, weil das Nato-Bündnis seit seiner Gründung eine glaubwürdige Abschreckung geliefert hat, die immer noch wirkt. Aber wie lange noch? Russland testet permanent aus, wie stark das Nato-Bündnis ist. Die Taliban in Afghanistan hat der massive Militäreinsatz nicht vertreiben können, im Gegenteil, sie weiten ihren Einfluss ständig aus. Allein der Afghanistan Einsatz hat bis 2014 mindestens 8,9 Mrd. Euro gekostet.

"Wir produzieren Sicherheit" hieß einst ein Werbeslogan der Bundeswehr. Gilt das noch, wenn wir in Mali Sicherheit produzieren? In Afghanistan hat die Sicherheitsproduktion versagt. In Syrien ebenfalls. In der Ukraine hält sie noch einigermaßen. Aber was kommt langfristig? In den letzten Jahren konnte man immer wieder lesen, wie allein im deutschen Rüstungsbereich Geld verschwendet wird. Letztes Beispiel: Der Transporter A 400, der immer noch nicht fliegt. Skurilles eingeschlossen: Ich lese, dass der Bundesrechnungshof den Kauf einer Strickleiter für die Fregatte "Emden" rügt. Sie wurde in der eigenen Tischlerei für 7000 Euro hergestellt, auf dem Markt hätte sie 300 Euro gekostet. Man könnte darüber lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre.

Wer liefert und finanziert eigentlich den Kriegsparteien die Waffen, die Bomben, die Raketen? Woher bezieht der IS seine Waffen? Wer liefert den Taliban Waffen und Sprengstoff? Wer verdient daran? Wer rüstet die Polizei von Leuten wie Rodrigo Duterte aus, dem philippinischen Präsidenten, der Drogendealer mit Killern verfolgt? Wir müssen mehr Fragen stellen. Mehr Nachdenken statt mehr Rüstung.

Ich erinnere mich an Donovans Lied from "Universal Soldier" (Donovan live):

He's five feet two and he's six feet four
He fights with missiles and with spears
He's all of 31 and he's only 17
He's been a soldier for a thousand years
He's a Catholic, a Hindu, an athiest, a Jain,
a Buddhist and a Baptist and a Jew
and he knows he shouldn't kill
and he knows he always will
kill you for me my friend and me for you
And he's fighting for Canada,
he's fighting for France,
he's fighting for the USA,
and he's fighting for the Russians
and he's fighting for Japan,
and he thinks we'll put an end to war this way
And he's fighting for Democracy
and fighting for the Reds
He says it's for the peace of all
He's the one who must decide
who's to live and who's to die
and he never sees the writing on the walls
But without him how would Hitler have
condemned him at Dachau
Without him Caesar would have stood alone
He's the one who gives his body
as a weapon to a war
and without him all this killing can't go on
He's the universal soldier and he
really is to blame
His orders come from far away no more
They come from him, and you, and me
and brothers can't you see
this is not the way we put an end to war.


Montag, 13. Februar 2017

Brauchen wir Populismus?


Diese Kolumne habe ich auf Bilanz.de veröffentlicht:

In letzter Zeit wird in manchen Medien der Populismus schön geredet. Man muss sich mit dem Begriff näher beschäftigen, denn eigentlich kommt er freundlich daher. Jakob Augstein schreibt in seiner Lobeshymne für Martin Schulz: „So wie Donald Trump mit einer ungewöhnlichen Strategie Wähler gewann, wird es Martin Schulz tun: mit einer handlungsorientierten, bildhaften Sprache.” Als ob es nur um die bildhafte Sprache (und das Bekenntnis zur Klasse der Abgehängten) ginge!

Zum Begriff: Populus ist das Volk. Ein Wort wie „populär” hat ja denn auch einen guten Klang. Aber alles, was „istisch” ist, kommt negativ rüber: Rassistisch, islamistisch, populistisch.

In Wikipedia lesen wir unter anderem dazu: „Der Politikwissenschaftler Cas Mudde definiert Populismus als eine Ideologie, die davon ausgeht, dass die Gesellschaft in zwei homogene, antagonistische Gruppen getrennt ist, das ‚reine Volk‘ und die ‚korrupte Elite‘, und die geltend macht, dass Politik ein Ausdruck der volonté générale oder des allgemeinen Volkswillens sein soll”.

Darum geht es tatsächlich: „Ihr da oben – wir da unten”. Populisten tun so, also ob sie „die da unten” anführen und mit ihnen gegen „die da oben zu Felde ziehen”. Aber wie will man eine Partei anführen, ohne zur Elite zur gehören? Gerade bei Donald Trump wirkt der Populismus völlig absurd. Sein Club der Milliardäre, ist eine Versammlung erfolgreicher Eliten.

Eliten werden von Populisten unter Generalverdacht gestellt. Es wird ihnen nicht abgenommen, dass sie im Interesse des Volkes handeln. Anlass dazu hat es natürlich in den letzten Jahren reichlich gegeben.

Die angeblich(!) wachsende Schere zwischen arm und reich, das Fehlverhalten von Investmentbankern, die hohen Gehälter von Vorständen, Millionenabfindungen nach kurzer Arbeitszeit, die Vertuschung des Abgasskandals von VW, der Berliner Flughafen, und nun ein plötzlicher Flüchtlingsstrom – das alles ist Munition für Populismus.

Politiker, die eine bildhafte Sprache pflegen, kommen bei unzufriedenen Wählern gut an. Wir erinnern uns an Franz-Josef Strauss, der ein Meister darin war. Wer Angela Merkel reden hört, hat immer das Gefühl, dass sie in ihren weichen Formulierungen wie ein Pudding ist, den man an die Wand nagelt. Dafür war früher auch Hans-Dietrich Genscher berüchtigt. Schäuble ist auch so ein „Weichspüler”, der erst in letzter Zeit öfter Klartext redet.

Wenn nun ein Kanzlerkandidat Martin Schulz mit populärer und bildhafter Sprache antritt, was hat Angela Merkel dagegen zu setzen?

Angela Merkel ist das krasse Gegenteil eines Populisten. Sie ist bedächtig, denkt in Kompromissen, scheut sich aber nicht, Autokraten wie Putin, Erdogan und Trump kritisch zu reflektieren, sie redet den Leuten nicht nach dem Mund. Aber sie ist auch kein Haudrauf, und die Bilanz ihrer Amtszeit kann sich zumindest wirtschaftlich sehen lassen. Sie hat in der Finanzkrise die Sparer beruhigt und sie hat eine bislang funktionierende Lösung für die Flüchtlingskrise gefunden.

Deshalb hat sie weltweit hohes Ansehen und nach wie vor recht hohe Beliebtheitswerte in der Bevölkerung, die Ergebnis ihrer Amtszeit sind. Martin Schulz reitet derzeit auf einer Beliebtheitsweille aufgrund von Erwartungen in seiner Partei, die vor allem aus der Erleichterung über den Verzicht von Sigmar Gabriel herrühren.

Eigentlich weiß kein Bürger wirklich, was er in Brüssel gemacht hat. Seine Amtszeit in Brüssel dürfte eher gegen ihn sprechen, beispielsweise die Unterstützung Jean-Claude-Junckers bei der Unterdrückung eines Luxemburger Steuerskandals – da sind einige Fragen offen.

Absolvierte Amtszeit und populistische Erwartungen, das sind zwei verschiedene „Assetklassen”, die im Wahlkampf gegeneinander antreten.

Martin Schulz kann nur mit Populismus gewinnen, indem er die Erwartungen immer weiter hochschraubt, mehr Gerechtigkeit verspricht und den „Abgehängten” eine Heimat in der SPD verspricht. Wenn es ihm gelänge, auf diese Weise AfD-Wähler in die SPD zu locken, hätte das ja auch was Gutes.

Es wird ihm aber nicht gelingen, denn in der zentralen Frage der Flüchtlingspolitik ist die SPD unpopulistisch, und das ist gut so. Deutschland braucht keinen Populismus, und ohne Eliten funktioniert weder die Wirtschaft noch die Politik.

Sonntag, 5. Februar 2017

Brunowsky´s Business Monitor: Warum Martin Schulz als Tiger startet und als Tepp...

Brunowsky´s Business Monitor: Warum Martin Schulz als Tiger startet und als Tepp...: Sigmar Gabriel muss das schon ziemlich getroffen haben, diese Euphorie mit der Martin Schulz in der SPD gefeiert wird. Wenn der hessische SP...

Warum Martin Schulz als Tiger startet und als Teppichvorleger landen wird

Sigmar Gabriel muss das schon ziemlich getroffen haben, diese Euphorie mit der Martin Schulz in der SPD gefeiert wird. Wenn der hessische SPD Vorsitzende Schäfer-Gümbel sogar von "Erlösung" spricht... Nun reist Schulz durchs Land und lässt sich in jedem Landesverband und Ortsverein feiern. Der Umfrageschub für die SPD auf nun 30 Prozent ist die Welle, auf der er jetzt - unterstützt von vielen Medien - surfen kann. Er will Emotionen wecken und dafür sorgen, dass es in diesem Land gerechter zu geht. Im September möchte er dann das Land als Kanzler regieren. Wird ihm das gelingen?
Die Umfragen sind Vorschusslorbeeren, mehr nicht. Sie motivieren vor allem die SPD-Basis für den bevorstehenden Wahlkampf. Die Botschaft ist: "Wir können es schaffen" - und das ist durchaus neu, nach jahrelangen Tiefstständen.
Inhaltlich ist Martin Schulz noch längst nicht ausreichend durchgecheckt. Schulz setzt auf das Thema "Gerechtigkeit", doch das kann zum Boomerang werden. Der jetzige Zustand des Landes, wenn man ihn denn kritisieren will, ist im Wesentlichen das Ergebnis einer Politik, an der die SPD seit der Kanzlerschaft Schröders maßgeblich oder allein mitgewirkt hat. Was soll sich ändern, wird die Frage sein: Wird es das persönliche Gerechtigkeitsgefühl wirklich ändern, wenn Superreiche stärker besteuert werden? Macht die Erhöhung des Mindestlohns um ein oder zwei Euro die Arbeitswelt gerechter?

Schulz will das Bauchgefühl der Arbeiter ansprechen. Und wie war seine Arbeit in Europa? Schulz hat unter anderem für die Haftungsunion gekämpft, in der Deutschland für die Schulden anderer einstehen muss. Er ist seit über 20 Jahre lang Teil der europäischen Bürokratie mit unglaublichen Privilegien. 
Zitat aus der "Welt": "Die Mandatsträger in Straßburg und Brüssel fliegen Business Class, bekommen Anwesenheitsgeld und nach fünf Jahren mehr Rente als ein Durchschnittsarbeitnehmer." Oder lesen Sie hier einmal, was EU-Parlamentarier verdienen: "Laut EU-Selbstauskunft verdienen allein 37 sogenannte Top-Beamte ca. 24.000 Euro monatlich (also mehr als die deutsche Bundeskanzlerin) und am 22 November 2012 berichtete der Spiegel von 214 „hochrangigen“ EU-Vertretern, die mit 178.000 Pfund (220.000 Euro) mehr als der britische Premier David Cameron erhalten. 
2014 schrieb Focus: Martin Schulz ist der Spitzenverdiener. Zusätzlich zum Grundgehalt sammelt der Präsident jeden Monat rund 18.000 Euro an steuerfreien Zuschlägen an, rechnet ein Verwaltungswissenschaftler vor. Plus zwei Dienstwagen und zwei Fahrer.

So privilegiert kann man sicherlich für mehr Gerechtigkeit sorgen, oder? So wie Trump als Milliardär vermeintlich die Arbeiterklasse angesprochen hat, kämpft Schulz jetzt für alle, die weniger verdienen als er über die Jahre verdient hat und noch verdienen wird, denn das Geld hat er eicher gut angelegt und die künftigen Pensionen sind extrem üppig.
Gute Sache, bin echt mal gespannt. Der Kater wird kommen, schließlich gibt es auch noch Wettebewerber in den anderen Parteien, die ihn abklopfen werden. Kann sein, dass der Kanzlerkandidat seinen mutigen Sprung als Tiger ganz profan beenden wird, als Teppichvorleger Angela Merkels.

Freitag, 3. Februar 2017

Trump: It´s NOT the economy, stupid

Gestern abend ging es in Maybrit Illners Talkshow um Trump, insbesondere um Wirtschaftspolitik. Illner war krank, Matthias Fornoff sprang ein.

Es war eine ziemlich langweilige Diskussion, weil alles, was dort diskutiert wurde, schon öffentlich ist und weil es vorwiegend um Wirtschaftsfragen ging. Der Präsident der deutsch-amerikanischen Handelskammer und frühere Ford-Deutschland- Chef Werner Mattes konnte nur Inhaltsleeres beitragen, was ich schon daran erkenne, dass ich mir nichts von dem merken konnte, was er gesagt hat. Peter Altmaier blieb diplomatisch und Jürgen Trittin haute ein bisschen drauf. Die Jungjournalistin Mareike Nieberding hatte den Kern des Problems besser erfasst als die ganze Runde: Es geht nicht um ökonomische Ratschläge. sondern darum, die Demokratie zu retten. Erfrischend war Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts: Sein Hinweis, dass wir endlich mal glauben sollten, dass Trump es ernst meint, und dass die Wirtschaft und unser Land sich darauf einstellen müssen, war richtig. Aber da mache ich mir die wenigsten Sorgen. Die Wirtschaft wird sich schon zu wehren wissen, Globalisierung bedeutet flexible Anpassung, auch wenn Trump die Zölle erhöht.

Ich halte die Diskussion über Trumps neuen Protektionismus zwar für notwendig, aber nicht für den Kern des Problems. Die gesellschaftlichen Schockwellen, die derzeit durch Amerika gehen, mögen eine Folge der Wirtschaftsentwicklung sein, aber sie haben längst eine Eigendynamik entwickelt, die das Land zutiefst spaltet.

Bill Clinton hatte seinen Wahlkampf gegen George Bush mit dem Slogan gewonnen: "It´s the economy, stupid". In ihrem Buch "It's the middle class, stupid" beschrieben die früheren Wahlkampfhelfer Clintons, James Carville und Stan Greenberg, 2012 den Mittelstand als die entscheidende Zielgruppe. "Der Wahlkampf sollte sich nicht um das Haushaltsdefizit oder Außenpolitik drehen, sondern rein um die Mittelschicht", sagte Greenberg damals laut "Spiegel Online". Das war ziemlich prophetisch. Trump hat das erkannt, seine Zielgruppe ist die amerikanische Mittelschicht. Laut Guardian verdient die Mehrheit seiner Wähler mehr als 50.000 Dollar im Jahr. Wer weniger verdient, wählte mehrheitlich Hillary Clinton. Zur Mittelschicht werden laut einer Studie alle Haushalte gerechnet, deren Jahreseinkommen zwischen 42.000 bis 125.000 Dollar liegt. 2014 lag der Anteil der so definierten Mittelschicht in den USA laut FAZ bei 49,9%.

Dass die Mittelschicht Trump gewählt hat, liegt meines Erachtens nicht an den wirtschaftlichen Wahlversprechungen Trumps. So schlecht geht es der Mittelschicht in den USA nicht, auch wenn sie seit Jahren schrumpft.
Es geht vielmehr um die Anfälligkeit eines Teils der Mittelschicht für rechten Populismus. In Deutschland würden wir es Hauswartsmentalität nennen: Solche Leute gibt es in jedem Land. Sie sind misstrauisch gegen alle Minderheiten, pflegen einen versteckten Rassismus, achten darauf, dass sich alle an Normen halten, haben ihr Gewehr im Schrank und beobachten den Nachbarn. So etwas gibt es auch in Deutschland.
Trumps Wahlerfolg hat viel weniger mit Wirtschaft oder "Abgehängten" zu tun, als es den Anschein hat. Es handelt sich um ein Revival des Spießertums, das sich wieder breitmacht, auch hierzulande, so eine Art Umkehr der 68er-Spätfolgen. Als Spießer darf man endlich mal wieder sagen. was man denkt.
In den sechziger Jahren protestierten Demonstranten mit den Schlagworten: "Unter den Talaren, der Muff von tausend Jahren". Heute zeigt sich, dass der Muff immer noch im Bürgertum steckt, und wie! Darüber müsste intensiver diskutiert werden.
It´s not the economy, stupid. It´s the bill of rights.

Mittwoch, 1. Februar 2017

BrunoMedia GmbH wird 15 Jahre alt, ein Rückblick

Zufällig hat mich heute Facebook daran erinnert, dass meine Firma schon 15 Jahre alt wird. Wow, bin selbst erstaunt.
Im Februar 2002 wurde die BrunoMedia GmbH ins Kölner Handelsregister eingetragen. Zum Jahresende 2001 hatte ich die Chefredaktion von CAPITAL mit einer stattlichen Abfindung verlassen. Matthias Prinz war damals mein nicht ganz billiger Anwalt, der mich aber prima unterstützt hat.
Mit Rolf Wickmann, der damals als G+J-Zeitschriftenvorstand die unangenehme Aufgabe hatte, mich nach zehn Jahren tatsächlich erfolgreicher Arbeit bei CAPITAL zu feuern, duze ich mich heute, wir sind gute Freunde. Mit vielen ehemaligen Capital-Kollegen stehe ich noch in Kontakt. Ich war ehrlich gesagt froh, dass ich die mit dem Börsencrash verbundenen drastischen Kosteneinsparungen und damit verbundenen menschlichen Schweinereien nicht mehr umsetzen musste. Bekanntlich ging es mit Capital danach rapide abwärts, bis hin zur Schließung der ganzen Redaktion in Köln.

Bei Gründung der Firma hatte ich noch die Absicht, gemeinsam mit Holger Wiemann, dem ebenfalls geschassten früheren Gruner+Jahr Geschäftsführer in UK, ein reines Corporate Publishing Unternehmen aufzusetzen. Holger ging dann seine eigenen Wege und ich begann zu akquirieren. Die Abfindung ermöglichte mir die Selbstständigkeit, denn es dauerte lange, bis die ersten Aufträge reinkamen.
Jürgen Kindervater, damaliger Kommunikationschef der Deutschen Telekom verhalf mir zu einem ersten Beratungsauftrag in der Telekom-Werbeagentur (damals Spieß. Ermisch, später Citigate). Nach einem halben Jahr konnte ich die ersten Kundenmagazine akquirieren. Dann kam ein Großauftrag herein: Der Bauer-Verlag bot mir an, sein Magazin "Geldidee" im Outsourcing zu übernehmen. Mit großartiger Unterstützung diverser Kollegen, insbesondere Stephan Scoppetta und Stefan Terliesner- zwei ehemaligen Capital-Kollegen und Berndt Schramka, dem früheren stv. Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule und nicht zuletzt dem Art Director Stefan Glückert schafften wir teilweise in Nachtschichten, dieses vierzehntägliche Magazin über eineinhalb Jahre mit 15 Leuten zu stemmen. Sanieren konnten wir es, retten aber nicht, da trotz über 60prozentiger Kostensenkung das Anzeigengeschäft nicht ausreichte. Die Geldidee wurde dann mit "Wertpapier" fusioniert, doch auch das endete mit einer Redaktionsschließung.
Ich lernte dann beim Skifahren David Holyoak kennen, einen überaus sportlichen Engländer, der für ein Tauchbuchprojekt einen deutschen Partner suchte. Ich sagte sofort zu, gründete einen Buchverlag und realisierte das bestverkaufte Tauchbuch "Tauchen weltweit". Mit Lidl konnte ich dann eine Sonderausgabe verabreden, die sich in einer Woche 25.000 mal verkaufte. So kamen mit Lidl weiter Bücher zustande: Angelbücher, Tauch- und Angel DVDs (erfolgreich in Frankreich) und mehr. Wenn ein Tauchbuch funktioniert, so dachte ich, sollte ein Fußballbuch zur WM 2006 erst recht funktionieren. Ich kaufte die Lizenz von David und Lidl bestellte 90.000 wunderbar ausgestattete Bücher - die ganze Fußballgeschichte, 2000 Bilder etc. für 9.80 € Ladenpreis! - fürs Inland und weitere 50.000 für Irland und England. Übersetzt, in der Slowakei gedruckt und termingerecht produziert.
Vier Wochen vor der WM hatte die deutsche Mannschaft und Klinsi allerdings eine unglaublich schlechte Presse und die Lidl Sonderaktion Fußball wurde ein großer Flop. Lidl verkaufte in Deutschland gerade mal 15.000 Stück, der Rest kam in Orangenkisten zurück.  Ein Desaster. Statt 100.000 € Gewinn machte ich 400.000 € Verlust und ging fast pleite. Zum Glück stieg meine Schwester Kira Kubenz als Gesellschafterin ein und rettete die Firma. Aus der Patsche half mir dann ein weiteres Buchprojekt: Ein Computerbuch für Senioren. Autoren: Mein Vater (damals 84) und sein Enkel(damals 17), mein Neffe Maximilian Kubenz. Das Buch hieß "Opa das kannst du auch, mein Enkel erklärt mir den Computer". Es wurde ein Bestseller. Zusammen mit Folgeausgaben verkauften wir über 200.000 Stück im Buchhandel. Mein Vater war zu Gast bei Maischberger, im SWR-Nachtcafe und in anderen Sendungen. Doch es zeigte sich, dass einzelne Bucherfolge zwar möglich sind, aber die Risiken denn doch zu groß sind, wenn man sich nicht wesentlich breiter aufstellt. Ich schaltete dann um auf Buchproduktionen für Kunden und konzentrierte mich immer stärker auf Kommunikation. Mit Christoph Caesar gründete ich die BrunoMedia Communication GmbH, die dann mit weiteren Partnern wie Melanie Contoli recht erfolgreich startete. Bis 2012 hatten wir zwei Etagen in einem Haus gemietet, in dem Caesars Großvater noch Kaffee, Zigaretten und Schokolade produziert hatte. Die Großraumbüros hatten viel Charme.
Doch dann zog es mich aus privaten Gründen immer stärker nach Mainz. Ich spezialisierte mich immer stärker auf Finanz-PR, und da machte es Sinn, sich im Rhein-Main-Gebiet niederzulassen. So trennten wir uns in Köln freundschaftlich, die ehemaligen Partner firmierten um in Siccma-Media und ich baute den neuen Standort Mainz auf. Die große Zahl renommierter Kunden, die ich heute mit einem kleinen Team betreue, spricht auch in beruflicher Hinsicht für die Richtigkeit dieser Entscheidung. In Mainz fühle ich mich wohl und die vielen Kontakte zu kompetenten Wirtschaftsjournalisten bringen mir ständig Inspirationen.
Ich müsste hier viele weitere Namen nennen, aber ich will meine Leser nicht überfordern. Dank an alle!