Montag, 25. Dezember 2017

Trumps Steuerreform - Vorbild für Deutschland?

Ich habe an dieser Stelle oft genug meine Abscheu über diesen amerikanischen "Präsidenten" geäußert, und dabei werde ich auch bleiben. Aber seine radikale Steuerreform finde ich ziemlich gut.

Es ist mir egal, ob er selbst davon profitiert, viel wichtiger ist mir, dass er den internationalen Steuerwettbewerb anheizt und damit vielleicht auch endlich Bewegung in die europäische Steuerpolitik bringt. Während die Europäer sich über die steuersparenden Offshore-Aktivitäten großer Konzerne ärgern und mit Klagen drohen, gestohlene Steuer CDs ankaufen und Länder wie Irland zwingen, ihre Steuern zu erhöhen, haben die Amerikaner erkannt, dass es nur einen Erfolg versprechenden Weg gibt, Steuerflüchtlinge zurück zu holen: Niedrige Steuern.

Auf einmal lohnt es sich wieder für amerikanischen Unternehmen, Steuern zu zahlen. Selbst die deutschen Autobauer BMW und Mercedes sparen nach eigenen Angaben Milliardenbeträge mit ihren amerikanischen Fabriken.

Und es geht nicht nur um die Konzerne. 95% der US-Unternehmen sind Kleinbetriebe. Sie zahlen künftig nur 20% Steuern auf die ersten 315.000 Dollar ihrer Einnahmen und maximal 29,6%.
Die Körperschaftsteuer sinkt von 35 auf 21 Prozent. In Deutschland zahlen Kapitalgesellschaften 15% Körperschaftsteuer plus 14% Gewerbesteuer sowie den Soli. Personengesellschaften zahlen je nach Einkommen

Interessant auch die Anreize, die im Ausland geparkten Firmenvermögen zurück zu holen. Bislang mussten Unternehmen bei Rückführung den vollen Steuersatz auf die im Ausland angefallenen Gewinne zahlen. Jetzt können Sie illiquides Vermögen für 8% Steuern und Bargeld für 15,5% Steuern zurückführen.

Für private Steuerzahler sinkt der Spitzensteuersatz von 39,6 auf 37%. Der Freibetrag für die Erbschaftsteuer verdoppelt sich und nach wie vor können die Schuldzinsen auch für selbst genutzte Immobilien voll abgesetzt werden, jetzt allerdings begrenzt auf Kredite von maximal 750.000 Dollar.

Und ja, die Verschuldung der USA könnte nach Schätzungen um 1,5 Billionen Dollar steigen. Aber auch hier muss der Blickwinkel richtig eingestellt werden. Ob diese Schulden am Ende verkraftbar sind, hängt davon ab, welche Wachstumsanreize die Steuerreform auslöst.  Denn was passiert mit den ersparten Steuern? Sie werden für Schuldenabbau, Konsum und Investitionen und vielleicht auch für eine höhere Sparquote eingesetzt - besser kann das kein staatlicher Haushalt darstellen.

Deutschland sollte den Mut zu einer ähnlich radikalen Steuerreform haben. Selten gab es eine wirtschaftlich bessere Konstellation als jetzt: Niedrigste Arbeitslosigkeit, sprudelnde Gewinne und Steuereinnahmen, kaum Inflation und kräftiges Wachstum.

Alle Steuerreformen werden von links abgelehnt, weil sie normalerweise diejenigen begünstigen, die am meisten Steuern zahlen. Aber genau so muss es doch sein. Die Wirtschaft wird nicht von Geringverdienern angekurbelt, sondern von den Bestverdienern. Eine Große Koalition wird jedoch das Thema Umverteilung und Soziale Wohltaten bevorzugen. Und die FDP möchte ja lieber in der Opposition arbeiten. An das Thema Steuern trauen sich selbst die Liberalen nicht mehr ran.

Die Verteilungsdiskussionen in Deutschland sind ein Graus. Verteilungsdiskussionen sind populistisch. Das sollte auch einmal klar gestellt werden. Sie schüren Neid, bremsen Erfolg und Selbstständigkeit und fördern das deutsche Jammerwesen.
Aus dieser Falle müssen wir aber raus, wenn wir auch einmal schlechtere Zeiten durchstehen wollen. Wahrscheinlich braucht unser Land erst wieder eine tiefgreifende finanzielle Krise, bis wir in dieser Hinsicht lernfähig werden und eine neue Generation jüngerer Politiker wieder Aufbruchstimmung erzeugt.

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