Donnerstag, 30. November 2017

Sicherheit im Netz: Müssen wir uns fürchten?

Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwo ein neuer Hackerangriff (Spiegel Online) vermeldet wird. Die Sicherheitsindustrie rüstet immer weiter auf. Aber sie wird immer wieder von Leuten eingeholt, die meist in böser Absicht Sicherheitslücken aufdecken, Unternehmen düpieren und brave Bürger abkassieren. Typisches Beispiel sind Fake-Shops: Sie nutzen Internetadressen, die nur mit einem Buchstaben von den Webadressen prominenter Online-Shops abweichen, zum Beispiel Amzon (fiktiv!) statt Amazon. Wer das nicht bemerkt, steckt schon in der Falle: Dort findet sich dann zum Beispiel ein angeblicher Fahrradshop mit Luxusfahrrädern(der Fall ist kürzlich passiert), der Kunde  bestellt ein Fahrrad und überweist das Geld auf ein Konto. Doch das Fahrrad kommt nie an. Der Betrüger transferiert das eingegangene Geld sofort auf ein Bitcoin-Konto und verschwindet im Netz. Das Geld ist futsch, der Betrüger nicht auffindbar.
Die meisten Unfälle dieser Art passieren, wenn Internet-Nutzer Externen erlauben, auf Ihre Kontoeinwahldaten und/oder ihren Computer zuzugreifen. Banken können das nicht verhindern. Man soll es nicht glauben, aber es gibt seriöse Firmen, wie z.B Kreditanbieter, die den Zugriff auf das Konto von ihren Kunden verlangen- und bekommen. Dummheit im Netz ist immer noch weit verbreitet.
Ein Software-Professor aus Jena erzählte mir schon in den neunziger Jahren: "Im Internet sind permanent Gute und Böse unterwegs, brave Bürger, agile Unternehmer, finstere Agenten, Krieger und Terroristen, Spieler, Kriminelle, Beschützer, Angreifer." Heute bewegt sich fast jeder im Internet, selbst die ältere Generation surft heute problemlos in dieser Welt.
Es ist eben wie im Milieu einer Großstadt. Sicherheit ist relativ. Es wird weder in der realen Welt noch in der Welt des Internet jemals 100prozentige Sicherheit geben können. Im permanenten Wettlauf zwischen Guten und Bösen liegt mal  der eine, mal der andere vorn. Ist eine Sicherheitslücke geschlossen, taucht die nächste auf. Experten bestätigen: Es gibt keine Software die nicht beim xmillionsten Durchlauf irgendwann unrund läuft oder einen Ausraster hat - siehe Chaostheorie. Ein Fliege in Australien könnte demzufolge den ganzen Planeten aus der Umlaufbahn werfen.
Das bisher einzige Überschallflugzeug der Welt, die Concorde flog 14 Jahre unfallfrei und vollkommen sicher , und dann gab es im Jahr 2000 doch den ersten und einzigen Absturz - und anschließend das Ende dieses großartigen Flugzeugs.

Neue Technologien sind immer anfällig für Fehler, manchmal fatale Fehler. Selbst wenn etwas nach allen Regeln der Ingenieurskunst vollkommen durchgetestet worden ist, wird es irgendwann den einen Fehler geben. Das gilt für Online-Banking genauso wie für die EC-Karte, das gilt für autonome Fahrzeuge wie für künstliche Intelligenz.
Dr. Rasmus Adler, Sicherheitsforscher vom Fraunhofer-Institut für experimentelle Software-Engineering bringt es auf dem Punkt"Sicherheit bedeutet im Allgemeinen nicht, dass kein Schaden entstehen kann, sondern, dass das Risiko akzeptabel ist."
Es gibt weder bei der Geldanlage noch im Autoverkehr 100prozentige Sicherheit. Die Deutschen, verwöhnt von ihren weltweit anerkannten Ingenieuren, müssen das noch lernen.
Mir fällt dazu immer wieder die Werbung ein: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker". Was als Warnhinweis vorgeschrieben ist, erweist sich als Werbung für das Produkt: Durch diesen Risikohinweis werden nicht rezeptpflichtige Heilmittel zu Medikamenten aufgewertet und mit größerem Erfolg verkauft.
Es kommt eben darauf an, welches Risiko man akzeptiert. Wenn uns der Arzt vor der Operation darauf hinweist, was alles schief gehen könnte und uns das unterschreiben lässt, befreit er sich von jeglicher Haftung. Wir können dann nur hoffen, dass wir nicht zu den X Prozent der Fälle gehören, bei denen tatsächlich etwas schiefgeht.  So ist es im Alltag: Die einen werden zum Unfallopfer, den anderen passiert nie etwas. Zum Glück wissen wir nicht, ob und wann wir zum Opfer werden.

Wer Online-Banking nutzt, weil es bequem ist, geht gewisse Risiken ein. Doch die Anzahl der Betrugsfälle (wie Phishing) ist im Vergleich zur Nutzung so extrem gering, dass jedermann dieses Risiko eingehen kann. Fliegen ist sicherer als Autofahren. Und auch im Haushalt verunglücken fast 10.000 tödlich - mehr als im Verkehr. Niemand käme auf die Idee, deswegen einen Haushalt zu vermeiden.
Wenn wir nicht lernen, diese Risiken in allen Bereichen als selbstverständlichen Teil unserer Lebensführung zu akzeptieren, sollten wir am besten in die kanadische Wildnis auswandern und wie die Amish People leben. Das hat auch seinen Reiz. Aber wer will wirklich die Zukunft vermeiden?




Montag, 27. November 2017

Große Koalition? Mehr Steuern, mehr Sozialabgaben

Die Begeisterung der FDP-Mitglieder für den Abbruch der Jamaika-Sondierungen scheint keine Grenzen zu kennen. Die Ernüchterung wird folgen. Denn jetzt kommt entweder die Fortsetzung der Großen Koalition oder eine Minderheitsregierung. In beiden Fällen wird liberales Gedankengut keine Rolle mehr spielen. Das soll ein Erfolg sein?
Christian Lindners Verdienst ist es, die FDP aus der bundestagslosen Zeit herausgeholt zu haben. Dafür wurde er zu Recht gefeiert. Jetzt aber drücken 80 Bundestagsabgeordnete der FDP die Oppositionsbank gemeinsam mit Grünen, Linken, und der AfD. Und sehen zu, wie die Bundesbürger wieder zur Kasse gebeten werden. Die jährlichen Sozialausgaben inklusive Renten liegen bei 1.300 Milliarden Euro. Sie werden weiter steigen, denn das Wahlprogramm der SPD, auf das sich Angela Merkel einlassen dürfte, sieht unter dem Stichwort "Soziale Gerechtigkeit" kostenträchtige Maßnahmen vor, die den Bürgern und dr Wirtschaft abverlangt werden. 
Lesen Sie hier einen Überblick aus der WELT. Auszüge:
  • "Familienarbeitszeit": 150 Euro monatlich zwei Jahre lang, wenn beide Elternteile zugunsten der Kindererziehung in Teilzeit (jeweils 26 bis 36 Wochenstunden) arbeiten. Pflegende haben ebenfalls Anspruch darauf und sollen zusätzlich drei Monate lang einen Ersatz für ihren Lohnausfall in Höhe des Elterngeldes bekommen.
  • Selbstständige sollen künftig Beitragszahler der Rentenkasse werden.
  • Das Rentenniveau soll auf 48% begrenzt werden und die Beiträge begrenzt werden. Finanziert werden kann das angesichts der demografischen Entwicklung nur durch Beitrags- und Steuererhöhungen.
  • "Sachgrundlose Befristungen" sollen verboten werden. Sie kommen übrigens hauptsächlich im öffentlichen Dienst vor. Besonders die Bundesagentur für Arbeit tut sich hier hervor.
  • Eine "Bürgerversicherung" soll private Krankenversicherung und Krankenkassen gleichschalten.
  • Bildung soll von der Kita bis zum Studium oder bis zur Meisterprüfung gebührenfrei sein.
Das ist nur eine kleine Auswahl. Mit Freiheit hat das nichts mehr zu tun. Zu befürchten ist, dass wir uns von Steuerreformen verabschieden können. Die Umverteilung wird weiter gehen und Steuervereinfachungen wird es auch nicht geben.
Der Mittelstand wird durch neue Arbeitszeitgesetze weiter belastet. Digitalisierungsprogramme wird sich die neue Bundesregierung auf die Fahnen schreiben. Die Europapolitik  werden SPD und CDU gemeinsam gestalten, ohne liberale Elemente. Die Bildungspolitik wird weiter bei den Ländern verantwortet. Da kann dann die FDP ein bisschen mitspielen. 

Donnerstag, 23. November 2017

Merkel muss nicht weg

Nun ja, wer zwölf Jahre lang regiert und weiter vier Jahre regieren will, der muss sich über zunehmende Fragen nach dem "Wie lange noch" nicht wundern. Erst recht, wenn der Versuch, in Sondierungsgesprächen eine mehrheitsfähige Regierungskoalition zustande zu bringen, im ersten Anlauf  scheitert. Muss Merkel also weg?
Der Spiegel titelt "Stunde Null" und zeigt eine ratlose Kanzlerin vor einem überdimensionalen, dunklen Kopf des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner, der wie die dunkle Seite der Macht als Menetekel finster blickend an der Wand leuchtet. Der Stern stellt Angela Merkel auf den Kopf und titelt: "Freier Fall".  Während sich die konkurrierenden Parteien auf die FDP einschießen, beschwören viele Medien eine Endzeitstimmung. Der Wettbewerb um  die beste "Merkel-muss-weg-Geschichte" ist in vollem Gange.
Es gibt eine merkwürdige Kluft zwischen der positiven Bilanz der großen Koalition und den Befindlichkeiten eines Teils der Bevölkerung.
Auf der einen Seite: Die Wirtschaft läuft wie geschmiert, die Beschäftigung ist auf dem Höchststand seit Gründung der Bundesrepublik, Rente und Löhne steigen bei zugleich niedriger Inflation. Wer arbeiten will, findet Arbeit und mit 1.300 Milliarden Euro pro Jahr sorgt unser Sozialsystem dafür, dass 50 Prozent unserer Bevölkerung ohne zu arbeiten, vom Staat versorgt werden. Den Menschen geht es zum weit überwiegenden Teil gut. Das Ausland bewundert und beneidet uns.
Auf der anderen Seite:  Überall wird die Armut thematisiert, die soziale Ungerechtigkeit - was immer das ist -, die ungleiche Vermögensverteilung. Hinzu kommen persönliche Erfahrungen: Die Wahrnehmung des zunehmenden Pflegenotstands im Familienkreis, das Gefühl abnehmender Sicherheit in den Städten, die Angst vor Überfremdung bis hin zur Ausländerfeindlichkeit, die Armut allein erziehender Frauen, der zunehmende Wohnungsnotstand - alles Probleme und Sorgen, die man nicht einfach wegdiskutieren kann. Aber wer hat an all dem Schuld?
Die positive Bilanz wird als selbstverständlich wahrgenommen, an den Problemen aber ist in erster Linie immer Angela Merkel schuld. So einfach ist das.
Aber "der Staat" besteht zum Glück nicht nur aus Angela Merkel. Er besteht aus Tausenden von Politikern in Bund, Ländern, Städten und Gemeinden. Er besteht aus zahllosen Behörden, die den Bürgern dienen sollen, ihnen aber allzu oft nur im Nacken sitzen. Er besteht aus einem millionenfachen Heer von Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst, die bestehende Gesetze umsetzen oder immer neue Gesetze für die Politik formulieren. Am Ende sind wir alle "der Staat". Und müssen uns fragen lassen, was wir eigentlich für diesen Staat tun, statt immer nur etwas vom Staat zu erwarten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt von sich, sie wüsste nicht, was sie hätte anders machen sollen.  Viele hat dieser Satz erst richtig provoziert. So wird der Ruf "Merkel muss weg" immer lauter.
Ihr Sendungsbewusstsein ist so groß, dass sie sich ihrem Versprechen verpflichtet fühlt, noch ein viertes Mal als Kanzlerin anzutreten - mit oder ohne FDP. Daran führt kein Weg vorbei - außer es gibt Neuwahlen ohne Angela Merkel.  Und was wäre in diesem unwahrscheinlichen Fall die Folge? Wir hätten eine andere Kanzlerin oder einen anderen Kanzler, aber dieselben Probleme. Es würde sich - recht undramatisch - nur wenig im Land ändern. Die Parteien würden ja keine neuen Wahlprogramme aufsetzen. Eine große Koalition wäre das wahrscheinliche Ergebnis. Die großen Parteien CDU/CSU und SPD wieder unter sich. Die Mehrheit wäre so groß wie zuvor, sie könnte im Großen und Ganzen schalten und walten wie sie will und ohne Widerstand die Staatsausgaben weiter erhöhen.
Und diese GroKo dürfte Angela Merkel am Ende auch ohne Neuwahlen zustande bekommen.
Merkel muss also nicht weg. Aber sie könnte anfangen, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger aufzubauen. Das sollte sie nicht der SPD überlassen.


Mittwoch, 22. November 2017

FDP: Es war ein Fehler, Herr Lindner

Lassen wir einmal das überstrapazierte Wort von der "Verantwortung" der Parteien beiseite. Ich bin vor zwei Jahren in die FDP eingetreten, weil ich der festen Überzeugung war und noch bin, dass unsere Gesellschaft eine starke liberale Partei braucht. Jetzt kommen mir ernsthafte Zweifel.

Nach dem mitternächtlichen Abbruch der Sondierungsgespräche durch die FDP-Spitze frage ich mich, wie die FDP als eine von drei oder vier Oppositionsparteien in Zukunft performen will.
Es wird immer schlechter sein als eine Regierungsbeteiligung, gerade weil es so viele Parteien im Bundestag gibt, die Opposition betreiben.  Falsch, Herr Lindner: "Es ist besser nicht zu regieren als falsch zu regieren." Ich meine: es ist besser nicht in der Opposition zu sein als falsch zu opponieren. Wie sagte einst Franz Müntefering: Opposition ist Mist.

In einer Regierung profilieren sich erst einmal Personen, nicht Parteien. Ist die Regierung erfolgreich, profitieren auch ihre Parteien. Beliebte Politiker setzen wichtige Akzente in der Regierungsarbeit. Sigmar Gabriel zeigt gerade, wie man als Außenminister ganz schnell sein Image verbessern kann.
Der Landesvorsitzende der rheinland-pfälzischen FDP, Volker Wissing, beweist als Wirtschaftsminister mit ruhiger Hand, wie man als Leiter einer 5000-Mann-Behörde vergleichsweise geräuschlos Profil gewinnen kann. Seine Wirtschaftspolitik gewinnt zunehmend die Stimmen von Unternehmern und Freiberuflern. Wissing war ja an den Sondierungsgesprächen beteiligt, schade, dass er den Abbruch mitgemacht hat.
Es mag ja sein, dass die FDP sich in dem wochenlangen, mühsamen Ringen um Gemeinsamkeiten immer weniger wieder gefunden hat. Ich möchte auch nicht in der Haut eines Teilnehmers stecken, der sich in einer 6o-Frau/Mann-Runde immer wieder Nächte um die Ohren schlägt und frustrierende Endlos-Debatten über sich ergehen lassen muss.
Die FDP müsste aber wissen, dass sie mit zehn Prozent nicht ihr volles Wahlprogramm durchsetzen kann. Es hätte genügt, ein paar liberale Eckpfeiler zu setzen, die in der Regierungsarbeit mit Leben hätten gefüllt werden können. Beispielsweise ein Digitalministerium, vielleicht auch einen Europaminister wie Graf Lambsdorff. Oder den Außenmister. Einmal in der Regierung, hätte die FDP an wichtigen Stellen auch ihr Veto wirkungsvoll einsetzen können, etwa bei den Ausgaben, bei bürokratischen Gesetzen, Steuererhöhungen usw. Dass die FDP ihren Bundestags-Wahlkampf auf das Thema Bildung konzentriert hat, war ein Fehler. So richtig das Thema ist, aber es ist beim Bund nicht wirklich angesiedelt, die Hauptkompetenzen liegen bei den Ländern.

Gestern sah ich dann Herrn Kubicki bei Maischberger. So sehr ich ihn sonst geschätzt habe, gestern kam er ganz anders rüber: Als ein ungeduldiger, genervter und unhöflicher, querulantischer Politiker, der seine Fassung verloren hat.
Mir scheint, die FDP hat ein Personalproblem an der Spitze. Zuwenig Leute für zu viele Themen. Christian Lindner hat die FDP quasi im Alleingang in den Bundestag zurück geführt. Ich bin gespannt, wie die FDP-Wähler mittelfristig reagieren. Derzeit sind sie noch solidarisch. Aber wenn am Ende wieder eine GroKo regiert, interessiert sich niemand mehr für die Ansichten und Grundsätze der FDP.
Vielleicht sollte sie sich dann mit so einflusslosen Einrichtungen wie der Ludwig-Erhard-Stiftung oder der Hayek-Stiftung vereinigen und gemeinsam den Elfenbeinturm der Marktwirtschaft bewohnen. Aber zum Glück ist sie ja noch in einigen Bundesländern präsent. Daraus lässt sich vielleicht was machen.

Freitag, 10. November 2017

Sind Kryptowährungen des Teufels?

Es ist wie bei allen Innovationen: Neue Technologien, neue Geschäftsmodelle rufen ganz schnell Kritiker auf den Plan, besonders in Deutschland und ganz besonders, wenn man die Technologie nicht versteht. Wer konnte sich vor 50 Jahren vorstellen, dass man mit einem Handy Australien anrufen kann? Die ersten Eisenbahnen, die mit 30 km/h durch die Lande tuckerten, galten wegen der hohen Geschwindigkeit als brandgefährlich. Und dass man zum Mond fliegen kann, konnte sich nur 1865 nur Jules Verne vorstellen.
Jüngstes Beispiel sind die sich ausbreitenden Kryptowährungen, an der Spitze die Bitcoins, deren sagenhafte Kursgewinne manche Geldanleger faszinieren und insbesondere Medien abschrecken. 

Was sind Kryptowährungen? In Wikipedia wird es so beschrieben: "Kryptowährungen sind Geld bzw. Flatgeld in Form digitaler Zahlungsmittel. Bei ihnen werden Prinzipien der Kryptografie angewandt, um ein verteiltes, dezentrales und sicheres digitales Zahlungssystem zu realisieren. Sie werden im Gegensatz zu Zentralbankgeld bis heute ausschließlich durch Private geschöpft."

Private Währungen erscheinen vielen als Teufelswerk, aber zu ihren Verfechtern gehören bedeutende Ökonomen, insbesondere der Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek. Dieser großartige Ökonom hat die Zentralbanken für Wirtschaftskrisen verantwortlich gemacht und deshalb geraten, diese abzuschaffen und die Produktion von Zahlungsmitteln zu privatisieren. Mit Hilfe der Blockchain-Technologie ist es nun erstmals möglich, die volkswirtschaftlichen Vorteile privater Währungen zu nutzen. Ich wundere mich, dass sich bislang wenige Ökonomen finden, die in der Tradition Hayeks Kryptowährungen etwas Gutes abgewinnen können.

Die Kryptowährungen bieten nämlich einige Vorteile: Sie schützen vor Inflation, weil sie nicht beliebig vermehrt werden können. Würde unser Währungssystem durch solche Währungen ersetzt, könnte Draghi die Geldmenge nicht mehr durch Anleihekäufe manipulieren. Was viele im jetzigen System befürchten, dass nämlich die Staaten ihren wachsenden Schuldenberg eines Tages nur durch Inflationierung abbauen können - zu Lasten der Gläubiger - wäre nicht möglich, denn Kryptowährungen sind unabhängig von Zentralbanken und staatlichen Eingriffen. Schließlich: Da zwischen Geldsender und Empfänger der keine Daten ausgetauscht werden, bleibt die Anonymität von Transaktionen erhalten. Das Bankgeheimnis kehrt zurück.

Wer sich bei Wikipedia die Funktionsweise durchliest, muss in der Tat ein echter Technofreak sein, um selbst diesen populärwissenschaftlichen Erklärtext zu verstehen. Aber diejenigen, die sich damit auskennen. verdienen viel Geld, zumindest bis jetzt: Ich kenne einen solchen Experten, der sich inzwischen ein Depot mit zahlreichen verschiedenen 50 Kryptowährungen angelegt und damit nach eigener Aussage seit Jahren große Gewinne einfährt.

Alles was man privaten Währungen vorwerfen kann, insbesondere kriminelle Machenschaften ist auch im jetzigen System möglich: Geldwäsche, Betrug, Fälschung. Auch Softwarefehler haben die Bitcoins mehrfach bedroht, aber sie wurden von den Teilnehmern dieses Marktes schnell beseitigt.
Es ist klar, dass manche dubiosen Gestalten wie im Wilden Westen auf so einen Hype aufspringen. Das war schon in der Anfangsphase des Internets so: Mit dem Neuen Markt kam ein Riesenhype in Gang, bei dem viele Unternehmen pleite gingen und viele Anleger Geld verloren haben. Am Ende aber kamen Google, Amazon und Facebook heraus und entwickelten sich zu den größten Unternehmen der Welt. 
Der Markt für Kryptowährungen befindet sich in einer ähnlich stürmischen und unsicheren Anfangsphase. Aber die Blockchain-Technologie die private Währungen erst möglich macht, ist bereits eine Schlüsseltechnologie, deren Anwendungsmöglichkeiten gigantisch sind.
Wie aber lässt sich die Spreu vom Weizen trennen? Und soll man Geld investieren?

Wer sich mit dem Thema näher befasst, erkennt schnell, dass Kritiker nicht alles in einen Topf werfen dürfen. Neben den großen Währungen Bitcoin und Ethereum gibt es eine wachsende Anzahl von kleineren Währungen, die in Geschäftsmodelle eingebunden sind. Sie können auf Plattformen gegen Ethereum oder Bitcoins umgetauscht und über diesen Weg in normale Währungen realisiert werden.
Die Emittenten werben Investorengeld mit Hilfe eines "ICO"(Initial Coin Offer) ein. Anstelle einer Beteiligung geben sie eine äquivalente (und limitierte Menge) an Kryptogeld aus. Wie man eine Kryptowährung kauft, steht zum Beispiel hier (englisch).
Warnen wie jetzt die Finanzaufsicht Bafin muss man vor ICO´s die eine Kryptowährung emittieren ohne damit verbundenes Geschäftsmodell. Hier wird nur spekuliert, also Finger weg davon. Der Totalverlust ist hier leicht möglich.
Es gibt aber auch ICO´s, die virtuelle Währungen in ihr Geschäftsmodell einbauen. Und das hat Zukunft. Ein solches Beispiel ist das Berliner Startup Wysker, über das die FAZ kürzlich schrieb: "Diese Idee ist radikaler, als Google und Facebook je waren". 
Also warten wir doch mal ab, wie sich der Markt weiter entwickelt. Die Blockchain-Technologie wird sich schon bald durchsetzen und mir sind private Währungen ehrlich gesagt lieber als eine Zentralbank, die Staaten zu Lasten des Sparers entschuldet.





Dienstag, 7. November 2017

Die Paradise Papers - Warum Unternehmen Steuern vermeiden sollten

Politiker und Medien sind sich einig: Die Steuervermeidung durch große Unternehmen ist unerhört. Die Enthüllungen der Paradise-Papers haben die Diskussion neu befeuert. Tatsächlich ist die legale Vermeidung von Steuern jedoch ein wichtiger Unternehmenszweck. Die Unternehmen können die vermiedenen Steuern nämlich besser investieren als der verschwenderische Staat.

Der Medienjubel über die Enthüllungen der sogenannten Paradise-Papers war zu erwarten, aber immer, wenn alle jubeln, ist Skepsis angebracht. Wenn irgendjemand Daten klaut und internationalen Medien 13 Millionen vertrauliche Dokumente zur Auswertung zugänglich macht, ist das zunächst einmal strafbares Delikt. Und wenn ein souveräner Staat mit niedrigen oder gar Null Steuern lockt, dann ist kein anderes Land befugt, sich einzumischen. Der allzu schnell überall geschriebene Begriff "Hinterziehung" führt in die Irre.
Wer sein - hoffentlich legal - erschaffenes Vermögen dort versteckt, handelt vielleicht moralisch fragwürdig, aber legal. Das schreiben auch die Journalisten, die sich mit den Dokumenten beschäftigt haben.
Nichts dagegen, wenn die internationale Staatengemeinschaft gegen Geldwäsche oder organisiertes Verbrechen mit allen Mitteln vorgeht. Wenn aber Unternehmen wie Nike oder Apple oder auch deutsche Konzerne an den Pranger gestellt werden, weil sie möglichst wenig Steuern zahlen wollen, geht mir das zu weit.
Als mein Vater in den fünfziger Jahren Volkswirtschaft studierte, hatte er einen Professor, der als wichtigsten (!) Unternehmenszweck die Steuervermeidung lehrte. Na so was! Empörend? Nein, es gibt eine gewisse Logik dahinter: Die Frage ist doch, was passiert denn mit dem Geld, das Apple nicht an den Staat abführt? Es lagert nicht in Form von Goldbarren im Keller von Onkel Dagobert, sondern es wird investiert, richtig. Es schafft Arbeitsplätze. Es sichert die Zukunft. Landet das Geld beim Staat, wird entsprechend weniger investiert, es entstehen weniger Arbeitsplätze. Denn der Staat gibt den größten Teil seiner Ausgaben nicht für Investitionen, sondern für Konsum und Personal aus. Mehr noch: Je weniger er an Steuern einnimmt - natürlich bis zu einer gewissen Grenze - desto größer der Zwang, effizienter zu wirtschaften, Subventionen abzubauen, überflüssige Behörden abzuschaffen etc.
Eine gesicherte ökonomische Regel lautet, dass die Wirtschaft jeden Euro, den sie ausgibt, effizienter investiert als der Staat. Trotzdem scheinen viele zu glauben alle, dass die Zahlung von Steuern der wichtigste Unternehmenszweck ist. In Wahrheit sollte jedes Unternehmen Steuern so gut wie möglich vermeiden und das Ersparte investieren.

Die Frage ist dann, wo investiert wird. Google und Facebook werden dafür kritisiert, dass sie hierzulande kaum Steuern zahlen, aber Riesengewinne machen. Diese Gewinne werden irgendwo investiert oder für schlechte Zeiten vorgehalten. Nun, auch hier muss man darauf verweisen, dass Google mit seiner digitalen Technologie eine ganze Werbe-Industrie geschaffen hat. Auch hier leben viele Arbeitsplätze von Google.

Vielleicht liegt darin auch der Erfolg der deutschen Wirtschaft begründet. Die Unternehmen zahlen nämlich nicht viel mehr als zehn Prozent der deutschen Steuereinnahmen. Hierzulande betrug der Anteil der Körperschaftsteuern an den Steuereinnahmen des Bundes 2016 nur 4,3 Prozent, insgesamt 27,4 Milliarden Euro. Hinzu kommen 50 Milliarden € an Gewerbesteuer. Alle Unternehmen zusammen zahlen grob gerechnet also nur etwas mehr als zehn Prozent der staatlichen Steuereinnahmen von 700 Milliarden Euro. Den Rest zahlt der Bürger. Ist das schlimm? Nein!
Der wichtigste Unternehmenszweck ist, Arbeitsplätze zu schaffen. Je mehr Arbeitsplätze, desto höher die Einnahmen aus Lohn, Umsatz und Einkommensteuer. Deswegen werben alle Staaten der Welt um Unternehmensansiedlungen. Und deswegen ist der Standort Deutschland attraktiv.