Donnerstag, 20. April 2017

Sieger und Verlierer. Was macht den Unterschied aus?

In den Medien ist viel über "Siegertypen" zu lesen. Von"Verlierertypen" habe ich noch nichts gelesen.

Nach den beiden denkwürdigen Spielen unserer besten Vereine in der Champions League: Sind die Bayern noch Siegertypen? Oder die Dortmunder? Beide haben prima gekämpft, und sind doch am Schluss ausgeschieden. Verlierertypen wird man sie deshalb nicht nennen wollen.

Also was macht eigentlich den Unterschied aus zwischen verlieren und gewinnen?

Wenn die zwei weltbesten Tennisspieler gegeneinander antreten: Warum gewinnt der eine und verliert der andere? (Auf Platz eins steht Andy Murray aus England, auf Platz zwei Novak Djokovic aus Serbien). Die Antwort ist einfach: Wenn Murray und Djokovic gegeneinander spielen, kann man von identischer technischer Kompetenz sprechen. Der Unterschied ist: Wer die stärkeren Nerven hat, gewinnt. Und natürlich gehören starke Nerven auch zur Kompetenz, die dann eben doch nicht ganz identisch ist.  Der Weltklasse-Golfer, der aus einem Meter Entfernung das magische Loch verfehlt, das er hundertmal getroffen hat, wird zum Verlierer, wenn die Nerven versagen. So ist es auch im Fußball. Man sieht den Unterschied zwischen zwei gleichwertigen Mannschaften schon nach dem ersten Tor: Wer 1:0 in Rückstand gerät, spielt plötzlich nervöser, spielt Fehlpässe, trifft den Ball nicht mehr richtig und droht zu verlieren. Aber viele Mannschaften schaffen es dann doch, das Spiel zu drehen. Sie raffen sich auf, sie kämpfen. Und so werden potentielle Verlierer dann doch zu Gewinnern.

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der die meisten irgendwie kämpfen müssen: Eine lebensbedrohliche Krankheit, Arbeitslosigkeit, Insolvenz. Oder Probleme in der Familie: Scheidung, Drogenprobleme, Alkoholismus, Depressionen, Demenz. 
Es gibt wohl niemanden, der nicht nach einigen Jahren Lebensweg Krisen erlebt hat. Manchmal stehen wir vor ausweglos erscheinenden Situationen, und manchmal sind sie auch ausweglos. 

Der Unterschied ist, den Kampf anzunehmen, selbst wenn die Gefahr besteht, ihn zu verlieren. 

Aber wer es nicht wenigstens versucht, der wird nie erfahren, ob er es doch hätte schaffen können. Das wird besonders bei Grenzfällen deutlich. Der amerikanische Autor Ben Sherwood hat in seinem Buch "Wer überlebt?" zahlreiche Überlebende, Ärzte, Rettungskräfte, Katastrophen- und Sicherheitsexperten befragt. Danach könnten viele Opfer von Flugzeugabstürzen noch leben, wenn sie sich richtig verhalten hätten. Das liegt daran, dass die meisten Unglücke bei Start oder Landung passieren. Die Überlebensquote insgesamt liegt bei 95%.
Wenn Panik ausbricht, etwa bei Feuer, gibt es Menschen, die das Richtige tun und andere, die wie gelähmt sind. 45% der Flugbegleiter sollen laut einer Untersuchung bei Flugzeugunglücken handlungsunfähig gewesen sein.
Beim Untergang der Estonia-Fähre ging ein Großteil der Passagiere mit dem Schiff unter, ohne versucht zu haben, das Schiff zu verlassen (was aber auch nicht einfach war, denn es war nachts und stürmische See). Immerhin haben 137 Menschen überlebt, weil sie es gewagt haben.

Der Unterschied zwischen Schiffbrüchigen die überleben und solchen, die es nicht schaffen liegt laut Untersuchungen vor allem im Überlebenswillen der Betroffenen. Beim Untergang der Viermastbark "Pamir" in einem Hurrikan vor knapp 60 Jahren überlebten nur sechs von 86 Männern. Einer der Überlebenden wurde nach drei Tagen noch gefunden.  Er hatte nicht aufgegeben, wie viele seiner Kameraden. 

Der berühmte Frosch, der ins Milchfass gefallen ist und solange schwimmt, bis die Milch zur Butter geworden ist und er aus dem Fass springen konnte, wusste nicht, dass Milch durch langes Rühren zu Butter wird. Trotzdem hat er sich richtig verhalten und - scheinbar sinnlos - gekämpft. 

Es gibt "Siegertypen" wie Thomas Middelhoff oder Uli Hoeneß, die mit dem Gang ins Gefängnis die tiefste Demütigung erfahren haben, die man sich für einen Konzernlenker vorstellen kann. Hoeneß hat es geschafft, sich wieder zu seinem Verein FC Bayern München zurück zu kämpfen. Eine unglaubliche Leistung. Wie es mit Middelhoff weiter geht, werden wir irgendwann erfahren. Wie ich ihn kenne, wird er nicht aufgeben. Hoffentlich.

Manche Menschen kämpfen nicht oder nicht mehr, weil sie die Schuld für ihren Burnout-Zustand bei anderen suchen. Oder beim "System", das sie benachteiligt. So hängen viele am Tropf des Systems, abhängig von staatlichen Leistungen, unfähig, diese Abhängigkeit zu verlassen. Unzufrieden mit sich selbst, antriebslos, nervig für die Umgebung, unglücklich bis zur Erkrankung an einer Depression. Und Schuld sind immer die anderen.

Wenn wir Glück haben, gibt es Menschen in unserer Nähe, die uns dabei helfen, aus der Krise zu kommen. Aber am Ende sind wir für uns selbst verantwortlich, solange uns die geistigen oder physischen Kräfte nicht verlassen haben. Und solange gilt, es die Nerven zu behalten, nicht aufzugeben.





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen