Dienstag, 3. Mai 2016

Was bringen Recherche-Kooperationen?

Heute lese ich im Handelsblatt, wie die Commerzbank und andere Banken mit Cum/Ex Geschäften Steuern vermieden und Geld verdient haben. Ich will das hier nicht auch nochmal erklären, bei Wikipedia kann man´s nachlesen. Legal, meint die Commerzbank, aber andere Kommentare sehen es kritisch.  Herausgefunden hat das ein neuartiges Rechercheteam bestehend aus dem Handelsblatt, dem Bayerischen Rundfunk, der Washington Post und einem New Yorker Recherchebüro namens Propublica. Die andere Kombination von der ich neuerdings regelmäßig lese ist ein Rechercheteam bestehend aus WDR; NDR und Süddeutscher Zeitung. Diese Rechercheteams scheinen hauptsächlich deswegen gegründet worden zu sein, weil das massenhafte Datenmaterial, das von Wikileaks oder anderen Quellen an die Redaktionen  herangetragen wird, für ein einzelnes Medium kaum zu stemmen ist. Aber vielleicht gibt es auch noch einen anderen Grund.

Mich wundert schon, dass andere Medien sich die Mühe machen, diese Teams immer komplett zu zitieren. Und ich frage mich, ob das nicht die einzelnen Marken beschädigt. Die einst großen Zeitungen Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost, werden in letzter Zeit auch nicht mehr genannt, wenn sie was Neues herausfinden, zitiert wird dann nur noch die "Funke-Mediengruppe": So ein Unsinn. Was könnte also der weitere Grund für die crossmediale Teambildung sein?

Ich habe mich Anfang 1980 als Berliner Korrespondent der Wirtschaftswoche auch einmal mit Volker Skierka von Süddeutschen Zeitung zusammengetan, als ich den sogenannten Garski-Skandal in Berlin aufdeckte, der zum Sturz des damaligen Bürgermeisters Stobbe(SPD) führte (dem dann Richard von Weizsäcker folgte). Der Senat hatte dem Baulöwen, der als FDP-Mitglied ordentlich gespendet hatte, eine Bürgschaft von 90 Millionen für Bauprojekte in Jordanien bewilligt, obwohl im Haus des Finanzsenators Riebschläger drei Steuerstrafverfahren gegen Garski liefen.

Aufgrund meiner ersten Geschichte trat der Finanzsenator zurück. Als mich anschließend zuerst Garskis Dolmetscher anrief und mich kurz darauf ein internationaler Waffenhändler namens Prinz Löwenstein im Hotel Kempinski aufsuchte, dessen Hauptgeschäft die Vermittlung von Panzern nach Saudi Arabien war, und der mir eine hohe Geldsumme für die Beschaffung von Garski-Verträgen bot (was ich natürlich abgelehnt habe), wurde mir die Sache ziemlich unheimlich und ich tat mich mit der SZ zusammen. Wir veröffentlichten die zweite Geschichte gemeinsam und zum gleichen Termin. Stobbe und der FDP-Wirtschaftssenator Lüder traten zurück.

Meine zweite Absicherung war ein Spottgedicht. Frei nach Schillers "Bürgschaft" beschrieb ich in der Neujahrsausgabe der Berliner Morgenpost den Fall im stilechten Hexameter, das Gedicht begann:

Zu Lüder dem Tyrannen schlich, 
Garski, die Spend´ im Gewande" 
und endete mit den Worten Stobbes: 
"Ich sei bei einem Rücktritte, 
in Eurem Bunde der dritte."

Das Kooperationsmotiv war also, mich zu schützen, und das wiederum verstehe ich als Hauptgrund zur Bildung von Rechercheteams. Man weiß ja nie.

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