Sonntag, 17. April 2016

Kritik an einem ZEIT-Kommentar von Mark Schieritz


Hallo Herr Schieritz,

Sie bringen in Ihrem Kommentar "Aus der Traum" (14.April 2016) die Gründe für die Niedrigzinsen auf eine einfache Formel: “Das hat vor allem damit zu tun, dass sehr viel gespart und sehr wenig investiert wird“. Hört sich logisch an, ist es aber richtig?
Die Sparquote ist in den letzten 25 Jahren von 12,6 auf 9,7% gesunken. Und ein Blick auf zwei Investitionsstatistiken in Deutschland zeigt, dass die Investitionen durchaus zunehmen: Sei 2010 steigen z.B, die Investitionen im Maschinenbau stetig an. Ähnlich die Bauindustrie.  Beide Werte sind auch 2015 weiter gestiegen und auch für 2016 wird ein Wachstum prognostiziert. 

Auch die folgende Behauptung scheint mir fragwürdig: „Die Privatisierung der Altersvorsorge hat zur Entgrenzung der Finanzmärkte beigetragen, die einen Überschuss an Kapital produziert.“ 

Wo um Himmels willen  ist denn die Altersvorsorge privatisiert worden? Das Problem ist doch, dass gerade hierzulande zu wenig private Altersvorsorge existiert. Die staatliche Vorsorgeregulierung zwingt Versicherungen in den Kauf von Staatsanleihen, statt ihnen die Möglichkeit zu geben, einen weit höheren Anteil weltweit in Aktien zu investieren und damit die private Altersvorsorge zu verbessern. 
Wer als Berufsanfänger 30 Jahre sein Geld in globale Aktien-ETFs investiert, hat mit Sicherheit eine hohe Rendite trotz des Auf und Ab an den Börsen: 
Hierzu ein Zitat aus der FAZ vom 29.März 2016 (Beitrag von Reinhard Panse/HQ Trust):

"In den USA...ergibt sich bei Wiederanlage der Zinsen, Dividenden und Mieterträge folgendes Bild: am Geldmarkt wurden aus $ 100 von 1914 bis 2015 $ 3.552 (Rendite 3,6% p.a.), ein in Staatsanleihen angelegtes Vermögen wuchs von $ 100 auf $ 20.680 (Rendite 5,4% p.a.), mit Wohnimmobilien konnte man aus $ 100 $ 100.000 machen (7,1% p.a.) und am Aktienmarkt entstanden aus $ 100 bis heute $ 1.600.000 (10,1% p.a.)….Global lag der Mehrertrag von Aktien zu Renten seit dem Jahr 1900 global bei 4 Prozentpunkten.“

Mit ETFs, die globale Aktienindizes nachbilden, kann sich heute jeder private Vorsorge leisten. Die kann man nämlich auch in 50€-Beträgen kaufen. Jeder spart irgendwie - siehe Sparquote, es muss nur in den richtigen Kanal fließen und langfristig angelegt sein.

Der Schluss ist dann geradezu ärgerlich und ideologisch: „Bei den Besserverdienenden entstehen derzeit gewaltige Vermögen… die der Staat im Interesse der Allgemein heranziehen sollte.“ Was hat das mit dem Thema Niedrigzinsen zu tun? Das müssten Sie mir erklären.

Also am Ende keine Lösung, sondern ein plattes, klischeehaftes Plädoyer für noch mehr Umverteilung. Obwohl die 10% der am meisten Verdienenden schon 50% aller Steuern zahlen. Obwohl 50% der Bevölkerung von Transferleistungen leben. Und obwohl zu den Besserverdienenden inzwischen jeder Facharbeiter gehört.

Freundliche Grüße
Ralf-Dieter Brunowsky
Geschäftsführender Gesellschafter
BrunoMedia GmbH







 
Ralf-Dieter Brunowsky

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