Mittwoch, 20. April 2016

Bezahlung von Nutzungsrechten neu denken

Es ist schon merkwürdig: Liest du einen Online-Artikel in einem beliebigen Medium, fordern dich Social Media Buttons auf, den Text auf Facebook, Twitter, Xing, Linkedin oder Google plus weiter zu verbreiten. Kostenlos. Stellst du dagegen einen Print-Artikel auf deine Website, musst du Nutzungsrechte bezahlen. Nichts zeigt mehr, wie weit die Welten von digital und print derzeit auseinanderklaffen. 
Die Weiterverbreitung auf Facebook ist als "Engagement" willkommen. Die Weiterverbreitung als PDF wird finanziell bestraft:  Nutzungsrechte für Artikel, die Unternehmen auf ihrer Website unter "Presse" oder "Medienarchiv" einstellen, müssen gekauft werden. Viele Mittelständler und treue Leser kennen die Regeln nicht und denken, sie machten ja Werbung für ihr Medium. Doch dieser Irrtum kann teuer werden. Es kostet Tausende, wenn das über mehrere Jahre falsch gelaufen ist. (In Konzernen ist das anders, da passen ganze Presseabteilungen auf, dass nichts durchrutscht). 

Während die Redaktionen oft ganz gerne sehen, wenn ihre Beiträge auf anderen Websites als PDFs weiter verbreitet werden, werden die Syndication-Eintreiber in letzter Zeit immer aggresiver. Waren sie früher nur Ansprechpartner für Anfragen, werden sie nun immer aktiver und recherchieren aktiv, wer Nutzungsrechte missachtet. Ist ja auch eine schöne Einnahmequelle.

Beispiel FAZ: Sie checkt derzeit ihre Syndication-Ansprüche systematisch und screent ganz offensichtlich zahlreiche Unternehmensportale durch, um unbezahlte FAZ-Artikel aufzuspüren. Mir sind mehrere Fälle bekannt geworden, in denen dem betreffenden Unternehmen eine lange Liste zur "Nachentrichtung" ins Haus flatterte. Kaum einer sieht sich ja im Archiv Artikel aus früheren Jahren an. Und da schlummert offenbar manches, was gehoben werden kann. Meist geht es um einen Artikel in der FAZ, in dem das betreffende Unternehmen erwähnt wird. Da man sich ganze FAZ-Seiten auch einzeln herunterladen kann, steht dann manchmal auch eine ganze Seite im Pressespiegel des Unternehmens. Und dann muss jeder einzelne Artikel auf dieser Seite nachgezahlt werden.
Doch das steht im völligen Widerspruch zur digitalen Praxis. Wie könnte man die Print-Verwertung also digitalisieren?
Ein Print-Artikel, aus dem ein PDF erstellt wird, ist digital verwertbar. Also müsste man eine FAZ-Seite, die man als PDF per E-Paper-Abo einzeln herunterladen kann, mit Buttons von Twitter, Facebook, Google+, Xing, Linkedin usw. ausstatten, so dass man diese Seite direkt weiterverbreiten kann beispielsweise für einen Euro über Paypal. Wenn ich die Weiterverbreitung auch noch messen kann, ist das auch für die Werbung relevant: Ganze Seiten werden inklusive Werbung weiter verbreitet. Wenn ich nun auch noch den einzelnen Artikel als PDF herunterladen könnte, wäre dieses System noch effizienter.

Warum also nicht ganz offensiv an die Sache rangehen und hinter jedem einzelnen Artikel einen kurzen Vermerk stellen: Diesen Artikel können Sie auf Ihrer Website oder per Email für nur 1 Euro weiterverbreiten. Anruf genügt. Codewort per SMS, runterladen, über Paypal bezahlen, ins Pressearchiv einstellen oder per Email oder Social Media weiter verbreiten, Ende Gelände! Prinzip Itunes: Macht es billig, dann verdient Ihr mehr. 

Ich sehe das so: Einerseits verstehe ich die Verlage, wenn sie weitere Einnahmequellen suchen. Und Urheberrecht bleibt Urheberrecht.  Aber wenn die Verlage jetzt wie die GEZ oder die Künstlersozialversicherung KSK anfangen, systematisch und wohl auch automatisiert "Opfer" zu suchen, die ihre Website offensichtlich nicht im Griff haben, dann werden sie sich diese Einnahmequelle verschließen. Die Unternehmen reagieren dann meist so, dass sie kurzerhand alle Medienberichte, die etwas kosten, von ihrer Website herunter nehmen. Dann lieber per mail verschicken, das merkt ja keiner. 
Verlage, hört die Signale: Eine  Print und Online integrierende, digitale Lösung für Nutzungsrechte ist dringend angesagt.










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