Montag, 19. Oktober 2015

Dresden: Unternehmer sollten Flagge zeigen.

Was sich derzeit in Sachsen abspielt ist schlimmer als ich mir das bisher vorgestellt habe. Es herrscht ein Klima der Angst, so hört man. Wer gegen Fremdenfeindlichkeit ist, hat Angst, sich dazu auch öffentlich zu bekennen - so weit ist es also schon gekommen.
Wenn wir hier Zustände bekommen, in denen Leute Angst haben, ihre Meinung zu sagen, geraten wir auf einen brandgefährlichen Pfad. Deshalb muss alles getan werden, das zu verhindern. Mir graut nicht vor den vielen Flüchtlingen und Asylanten, mir graut vor einem Klima der Angst.
Heute sprach ich mit einem Dresdner Unternehmer, der sich entsetzt zeigte, wie feige die hiesigen Unternehmer sind, obwohl allen klar ist, welche Folgen die zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Dresden und ganz Sachsen für die regionale Wirtschaft haben kann: "Mitarbeiter kommen aus den USA zurück und sagen: "Wir werden darauf angesprochen". In Dresden stehen diverse Fabriken ausländischer Konzerne, und es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie Fotos von Galgen auf Demonstrationen in diesen Ländern ankommen. Und trotzdem scheuen sich Unternehmer davor, öffentlich gegen die Fremdenfeindlichkeit der Pegida-Demonstranten aufzutreten. "Wir haben Angst vor Schmierereien und Anschlägen" hat mein Kontaktmann gehört.
Zum Glück gibt es auch mutige Köpfe. Der Dresdner Künstler und Galerist Holger John zum Beispiel. Er hat Flüchtlingskinder eingeladen, Bilder zu zeichnen, die noch bis Ende der Woche in Dresden ausgestellt werden. Aber es wäre noch wichtiger, dass sich die ganze Wirtschaft in Sachsen gegen dieses fatale Klima der Angst stellt, mit dem einst auch die Nazis gearbeitet haben. Vor kurzem habe ich hier eine Werbebroschüre des Landes Sachsen kritisiert, weil in diesem Elaborat kein einziger Migrant vorkam. Als ob es die nicht gäbe. Auf der Website der IHK Dresden findet sich keine einzige Stellungnahme zu den Brandanschlägen und den fremdenfeindlichen Demonstrationen. Das ganze Thema wird - anders als in den Medien vollkommen ignoriert.

Manchmal frage ich mich: Geht´s uns zu gut in diesem reichen Deutschland? Und da sollten wir nicht in der Lage sein, die Flüchtlingsfrage zu meistern? Ökonomen haben sogar einen Wachstumsschub daraus errechnet. Vor wenigen Tagen erreichte uns die Nachricht, dass die Inflation im September auf Null gefallen ist. Die Arbeitslosenquote ist mit 6,2% auf den niedrigsten Septemberwert seit mehr als zehn Jahren gefallen (2006 lag sie noch bei 11,2%). Im kommenden Jahr bekommen die Rentner vier bis fünf Prozent mehr  - bei Null Inflation. Da die Durchschnittsrente in Ostdeutschland höher als im Westen liegt, kommt da sogar noch mehr an. Die Steuereinnahmen erreichen neue Rekordwerte. Der deutsche Staat schuldet permanent teure Altschulden in billigste Neuanleihen um und spart dadurch in jährlich zig Milliarden Euro. In den nächsten zehn Jahren könnten da staatliche Zinsersparnisse von über 500 Milliarden Euro zusammen kommen.
Der Staat hat also genug Geld in der Kasse, um schnellstens Wohnungen zu bauen, Flüchtlinge zu integrieren, Asylanten ohne Bleiberecht viel schneller abzuschieben und damit den Ängsteschürern und Rattenfängern den Nährboden zu entziehen, aus dem sich das Klima der Angst speist. Das alles ist nicht leicht und muss organisiert werden. Und zwar in höchster Eile und mit allen Mitteln.


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