Freitag, 26. Juni 2015

Zum Streit in der Hayek Gesellschaft

Manchmal bemerkt man eine Vereinigung erst, wenn es Streit gibt. Das beste Beispiel ist die Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft. Von ihr hört man seit Jahren nichts und sie hat auch nichts, aber auch gar nichts bewirkt. Im Gegenteil, seit ihrer Gründung hat der schleichende Sozialismus und Interventionismus in Deutschland und Europa massiv zugenommen.
Dabei sind Vorstand, Mitglieder und Medaillenträger recht namhafte Leute, hier die Mitgliederliste laut Wikipedia:

Nun hat die Vorsitzende und ehemalige FAZ-Journalistin Karen Horn in der FAZ gegen Rechtstendenzen und "reaktionäre Unterwanderung" in dem Verein gewettert, die sie zum Beispiel im Umgang mit Minderheiten wittert - siehe HIER (zum runterladen über Dropbox).

Auszug:
"Die Reaktionäre von heute haben dramatisch schlechte Manieren. Wie am Stammtisch werden die Vorurteile gepflegt, dogmatisch zugespitzt und hasserfüllt herausposaunt. An übler Nachrede und Invektiven gegen Keynesianer und Sozialisten ist man gewöhnt, jetzt kommen noch Demokratie, Feminismus, Pluralität, Homosexualität und Atheismus als Feindbilder dazu." 

Darüber wird nun heftig gestritten, und Karen Horn will auch Vorsitzende bleiben.
Mir gefällt diese Attacke. Weniger weil sie gegen möglicherweise "reaktionäre" Mitglieder geht, sondern weil es in dieser Philippika um die Besinnung auf eine grundsätzliche Moral der Toleranz geht. Zeigt dieser Beitrag doch, dass liberales Denken im Sinne Hayeks nicht nur aus Wirtschaftsmechanik besteht: "Anstand und Demut, eine Ethik der Offenheit und Toleranz" verlangt Horn.
Solche Begriffe gehören zur Grundausstattung eines bürgerlichen Liberalismus, bei dem es nicht um rein zweckorientierte Freiheitsregeln und lupenreinen Egoismus geht, sondern um das anständige UND freie Zusammenleben in einer Gesellschaft. Ich verstehe es so: Freiheit funktioniert nur mit Anstand, und wer anständig bleibt, soll auch reich werden können.
Wer die Skandale der letzten Jahre Revue passieren lässt, dem fällt auf, dass hier die eigentlichen Probleme unserer Gesellschaft zu suchen sind. Gier, Intrigen, Intransparenz, Rücksichtslosigkeit gehören zum Alltag. (Wer sagt heute noch "Das tut man nicht"?)

Funktionierender Wettbewerb hat einen moralischen Hintergrund, er dient in erster Linie dem Bürger.  Topmanager bekennen sich öffentlich gern zum Wettbewerb, aber es liegt in der Natur des Unternehmers, Wettbewerb zu bekämpfen. Der deutsche Mitgründer von Paypal, Peter Thiel, hat das ganz offen ausgesprochen, wie Stefan Quandt kürzlich in einer Rede zitiert hat: "Er wirbt dort offen für Monopole: Denn nur die Monopole würden ausreichend Gewinne schaffen, um diese nachfolgend in Lösungen für die großen Probleme unserer Zeit investieren zu können. Unternehmer sollten daher, so der rebellische Rat, "Konkurrenzkampf vermeiden wo es geht".
Genau das wäre der falsche Weg. Wirtschaftspolitisch und moralisch.