Mittwoch, 20. Mai 2015

In memoriam Robert Köhler

Ich habe einen guten Freund verloren. Wie heute vielfach berichtet, hat der langjährige Vorstandsvorsitzende von SGL Carbon, Robert Köhler vorgestern Abend seinen letzten Kampf verloren.
Immer war er ein Kämpfer. Weltweit unterwegs, um "seine" Firma durch Höhen und Tiefen zu lenken. Ich kannte dieses echte bayerische Mannsbild, seit er SGL Carbon als Spin Off von Hoechst an die Börse gebracht hatte. Über 20 Jahre leitete er diesen innovativen Konzern als Vorstandsvorsitzender, bis er 2013 im Streit mit seinen Großaktionären die Führung abgeben musste. Dieser Abgang hat ihn, den dienstältesten M-Dax-Vorstand, sehr verletzt.
Robert Köhler hat mich schon bei seinem ersten Redaktionsbesuch bei CAPITAL kurz nach dem Börsengang beeindruckt. Hochkompetent und visionär erläuterte er Gründe und Ziele des Spin Offs. Gleich war klar, hier stand ein Leader vor uns, damals ein klarer Verfechter des Shareholder Value und zugleich ein äußerst sympathischer Mensch, der seine Emotionen kaum verbergen konnte. Granteln konnte er ebenso wie mit aller Finesse akquirieren.
Politisch war er ein echter CSU-Anhänger, und so klang auch jeder seiner Kommentare zur Politik wie ein Statement von Franz-Josef Strauß.
Ein gutes Essen, ein gutes Glas Rotwein und anschließend eine kubanische Zigarre mit einem Glas bestem Cognac - so habe ich manchmal mit ihm gegessen und die Lebenslust mit großem Vergnügen geteilt. Fußball (München 60 und FC Augsburg) waren seine sportlichen Leidenschaften, aber noch mehr genoss er ein hochklassiges Rugby-Spiel wie das Endspiel England gegen Frankreich. Kampfsport eben, bei dem echte Mannsbilder unterwegs sind. Es ist traurig, dass so einem Mann, der sein Leben lang hart und erfolgreich gearbeitet hat, keine Zeit mehr blieb, die Früchte seiner Arbeit zu genießen. Mein tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Annette,  die sich bis zu letzt rührend um ihn gekümmert hat.