Dienstag, 28. April 2015

Deutsche Familienunternehmer sind Oligarchen - meint Spiegel-Online Kolumnist Wolfgang Münchau. Spinnt der?

Seit gestern kann man in Spiegel Online eine Kolumne von Wolfgang Münchau lesen, die mich wirklich ärgert. Bislang hielt ich Münchau für einen unbequemen, intelligenten Journalisten. Seine ökonomischen Kolumnen in der FTD Deutschland waren umstritten, aber stets gut begründet.
Jatzt hat sich Münchau die Reichen vorgeknöpft. Er möchte aufräumen mit dem guten Image, das Familienunternehmer in der Regel haben, auch in der Bevölkerung. Damit am Schluss auch diese Unternehmer richtig zur Erbschaftskasse gebeten werden, denn die Pläne von Bundesfinanzminister Schäuble gehen ihm "nicht weit genug". 

Im Vorspann heisst es: "Wir regen uns gern über russische oder ukrainische Oligarchen auf. Und tun so, als hätten wir solche Oligarchen in Deutschland nicht. Dabei nennen wir sie nur anders: Familienunternehmen." 
Und dann heisst es später:
"Würden talentierte junge Menschen mit Tatendrang ihre Jugend in einer Familienfirma vergeuden, in der sie sich über Jahrzehnte hochschleimen müssen - und in der man zudem den richtigen Nachnamen haben muss, um Chef zu werden?"
Sie spinnen wohl, Herr Münchau!

Deutschlands Familienunternehmer mit russischen Milliardären/Oligarchen zu vergleichen, die ihr Vermögen für niemanden nachvollziehbar aus staatlichen Firmen gezogen haben, ist ehrverletzend. Tatsächlich ist es so, dass man in Deutschland reich werden kann, wenn man eine erfolgreiche Firma gründet. Und das ist gut so. Schon jetzt sind zu viele Konzerne in der Hand ausländischer Investoren, denen der Standort und die Arbeitsplätze ziemlich gleichgültig sind, Hauptsache, die Anteile lassen sich mit Gewinn weiter verkaufen. Familienunternehmen sind der Wirtschaftsmotor Deutschlands, um den uns viele Länder beneiden. Der deutsche Maschinenbau etwa besteht zu großen Teilen aus Familienunternehmen. In Bonn sammelt Professor Hermann Simon seit Jahren Daten von "Hidden Champions", von denen nicht wenige Weltmarktführer sind. Die Entstehung großer Marken dokumentiert Florian Langenscheidt seit Jahren in seinem "Markenlexikon": Auch hier sind stehen oft Familienunternehmer wie Alfred Ritter oder  Claus Hipp hinter Marken, die jedes Kind kennt. 
Auch Konzerne wie VW oder BMW, die mehrheitlich familiengeführt sind, sind gut gefahren. Gerade die Beschäftigten fühlen sich in Familien weit sicherer als in den Händen schnellebiger Finanzinvestoren oder fondsabhängiger Konzerne.