Montag, 30. März 2015

News Wettbewerb auf dem Smartphone: Zuviel des Guten

Heute erfahre ich wieder viel Neues.

klingel - Focus vor 42 Minuten;                    Helmut Dietl ist tot.
klingel - Huffpost vor 41 Minuten:               Helmut Dietl ist tot.
klingel - Spiegel Online vor 30 Minuten:     Helmut Dietl ist tot.
klinhel - FAZ.net vor 23 Minuten:                Helmut Dietl ist tot.

Wenn ich jetzt noch den anderen Portalen erlauben würde, mir News zu senden, könnte man das unendlich ausbauen.
Nachrichten sind ein homogenes Gut, wie der Volkswirt sagt: Der Stoff ist derselbe, und außerdem kriegt man es überall kostenlos. Also warum muss nun jeder mit einer Push-Meldung zeigen, dass er diese Nachricht hat? Naja, der Newsroom ist eben das Herz jeder modernen Redaktion von heute.

Irgendwie arbeiten die meisten Medien so, als ob man nur sie liest. Der digitale Konsument von heute beschränkt sich aber nicht wie der klassische Zeitungsabonnent auf ein Medium (plus Fernsehen), sondern zappt mit Smartphone, Ipad oder PC überall herum. Er bleibt dort hängen, wo er Neues findet. Er liebt Geschwindigkeit, vergleicht Preise und ist ziemlich gut informiert.
Der Versuch, diesen Konsumenten für Inhalte zahlen zu lassen ist mutig, aber ziemlich aussichtslos, auch wenn die Verlage gewisse Erfolge melden. Am ehesten funktionieren wohl noch Abos für ein paar Euros, aber kein Mensch will ernsthaft für einzelne Artikel zahlen, selbst wenn die ganz exklusiv sind. Ich habe "BILDplus" nach einem dreimonatigen Versuch wieder abbestellt. Mein Smartphone hatte eine BILD-App aus dieser Zeit, aber wenn ich die angeklickt habe, wurde ich aufgefordert, wieder BILDplus zu abonnieren, wenn ich mehr lesen möchte. Die App habe ich schließlich auch entfernt.
Oder nehmen wir das Handelsblatt, das mir auf vielen Kanälen entgegenkommt. Ich bin Abonnent der Printausgabe, dann habe ich eine App von HB Online, und eine von Handelsblatt Live. Und jetzt habe ich mir noch den "Digitalpass Business" aufschwatzen lassen. Für die verschiedenen Leistungen hat man dann verschiedene Abonummern, die dann beim Bezahlen verwechselt werden. Ganz offensichtlich hinkt der Abwicklungsprozess dem Absatz der neuen Produkte hinterher. Statt das Angebot rund um den Abonnenten zu stricken, wird dieser von diversen Seiten crossmedial mit Rechnungen, Mahnungen, Werbebriefen und "Morning-Briefings" zugespült. Inzwischen weiß ich gar nicht mehr, wozu ich den Digitalpass Business überhaupt brauche.

Bei Spiegel Online fällt mir auf, dass diese Redaktion mit über 50 Mitarbeitern hauptsächlich von Reuters-Nachrichten lebt (die dann als Newsfeed auch noch mal weiter gegeben werden). Nachts gibt es praktisch keine neuen Nachrichten mehr, obwohl sich ja die ganze Welt weiter dreht. Recherchieren die eigentlich noch eigene Geschichten?
Immerhin: Neu ist, das der Spiegel seine Leser zum Spiegel befragt. Der brillante Reporter Cordt Schnibben hat diese Aufgabe übernommen und in der aktuellen Printausgabe auszugsweise Leserkritik von über 1000 Teilnehmern veröffentlicht.
Der Weg ist richtig: Mit dem Medium Internet wird es möglich. den Lesen interaktiv einzubinden, ihm zu folgen und um ihn herum Dienste zu stricken. Das darf aber keine Einbahnstraße sein. Der Zielkunde darf nicht zur Zielscheibe des gesamten Verlages werden, in dem jede Abteilung sich auf den Kunden stürzt. Da ist mehr Mitmach-Phantasie gefragt, mehr Service und vor allem mehr Kundennutzen. Corssmediales Denken ist angesagt, ja, aber nicht crossmediales Chaos.