Freitag, 6. März 2015

Draghi und die Weltuntergangsstimmung deutscher Medien

Seit Monaten schießt die gesamte deutsche Wirtschaftspresse gegen das Anleihekaufprogramm von Mario Draghi. Es ist nur noch von der "Geldschwemme" die Rede. Das hört sich nach Hyperinflation an. Weil Draghi die Inflation wieder auf die langjährige Zielmarke von 2 Prozent bringen und Deflation vermeiden will, wird Zeter und Mordio geschrien. Der Vorsitzende der Ludwig Erhard Stiftung Roland Tichy lässt auf seinem Blog Euro-Gegner Frank Schäffler (FDP) auf Draghi als "Räuber" einprügeln, der den armen deutschen Sparern das Geld raubt. FAZ-Herausgeber Holger Steltzner schiesst seit Monaten ohne Echo gegen die Geldpolitik der EZB. Niemand kann sich vorstellen, dass das Ankaufprogramm von monatlich 60 Milliarden Euro ohne schädliche Wirkung bleibt.
Doch bewirkt  hat die mediale Kritik überhaupt nichts. Die EZB zieht ihre Politik durch, und sie wird dabei von allen EU-Mitgliedern unterstützt. Wer das nicht sieht, ist realitätsfern. In Wahrheit macht sich manch ein Kritiker zum Außenseiter, den außer der AfD keiner mehr lesen will.

Ich erfreue mich jedenfalls seit Monaten an steigenden Aktienkursen.  Als Teilnehmer von Wikifolio beobachte ich in meinen verschiedenen Depots mit soliden Technologie- und Industriewerten Wertsteigerungen von 30 bis 60 Prozent in den letzten zwei Jahren - trotz zwischenzeitiger Korrekturen. Das ist sicherlich Ergebnis einer Sondersituation, es liegt aber vor allem daran, dass ich den Unkenrufen nie geglaubt habe, die uns permanent den Crash vorhersagen. Jeder weiß, dass solide Aktien langfristig Renditen von 6 bis 8 Prozent bringen.

Es ist doch seit zwei Jahren klar, dass Anleihekäufe - wie in anderen Ländern üblich - kommen und die Zinsen weiter niedrig halten werden. Wenn die Zinsen jetzt steigen würden, käme es zu einem ganz fürchterlichen Anleihe-Crash. Deswegen will kein Staat und kaum ein Investor steigende Zinsen. Meine Stadt Mainz hat eine Milliarde Schulden und ein Haushaltsdefizit von etwa 40 Millionen Euro. Jedes Prozent Zinssteigerung würde die Stadt zehn Millionen zusätzlich kosten. So und oft weit schlimmer geht es allen Staaten in Europa und ihren Regionen und deren Kommunen. Selbst die Banken haben gelernt, dass sie zwar nicht mehr viel an Zinsen, dafür umso mehr an Fondsprodukten und ETFs verdienen können. Selbst schuld, wer immer noch nicht gelernt hat, dass neben Immobilien solide Aktien zum festen Bestandteil der Altersvorsorge gehören müssen. Vielleicht entdecken das irgendwann auch mal die Verbraucher- und Anleger"schützer", die in Wahrheit mit ihren ewigen Warnungen vor Risiken Altersvorsorge verhindern.
Also werden wir noch auf viele Jahre niedrige Zinsen erleben.

Die Abwertung des Euro ist wie ein Konjunkturprogramm für die europäische, vor allem die deutsche Industrie, die auch noch durch die niedrigen Ölpreise zusätzlichen Schub erhält.
Mangels anderer Anlagealternativen sind Aktien und Aktienfonds deshalb schon seit einigen Jahren eine vernünftige Alternative zum Sparbuch. Man muss nur bereit sein, Schwankungen auszuhalten. Aber wohin soll denn das Geld fließen, wenn die EZB jetzt als zusätzlicher Marktteilnehmer auftritt.
Wir werden weitere Jahre niedrige Zinsen haben, und deshalb werden auch die Aktienkurse weiter steigen. Ich bin da sehr optmistisch

Hier sind meine Wikifolios, die öffentlich einsehbar sind - ist doch nicht schlecht, oder?
Stand 6.3.16h: