Mittwoch, 21. Januar 2015

Kai Diekmann zählt für BILD unzulässig Online und Printleser zusammen

Heute las ich bei Peter Turi, dass die Printausgabe der Bildzeitung im vierten Quartal 2014 rund neun Prozent an Auflage verloren hat und jetzt bei ca. 2 Millionen liegt. Zur Erinnerung: Es waren schon mal über vier Millionen. Nun twittert Chefredakteur Kai Diekmann (siehe hier), dass die Zahl der Unique User seit 2008 von 1 Million auf 16 Millionen gestiegen ist und Print gemeinsam mit Online die Rekordzahl von 27,4 Millionen Leser erreicht. Hier muss ich etwas Wasser in den Wein gießen. Zum einen macht es aus Werbesicht überhaupt keinen Sinn, Online- und Printleser zusammenzuzählen. Zum andern muss man die Definition von Unique Usern kennen.

In der "Absatzwirtschaft" heißt es dazu.(Siehe hier):
Die Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) hat nach Aussage ihres Vorsitzenden Uwe Becker zwar Verständnis für die Forderung, die gedruckte und Online-/elektronische Auflage ihrer Medienmarken addiert auszuweisen. Akzeptiert werde sie aus Sicht der Werbekunden aber nicht. Verschiedene Werbeträger könnten nicht einfach zusammengezählt werden. Auflagen müssten auch künftig einzeln erfasst und ausgewiesen werden. Die OWM störe sich dabei an der irreführenden Diskussion, in der die Print-Auflagen und Online-Abos (z.B. Apps) vermischt werden. Eine IVW-Erhebung und Ausweisung von Online-Abos könnte möglich sein, wenn einige Kriterien erfüllt seien. Hierzu zählten erstens, dass das digitale Angebot ein PDF-Dokument sein müsse, ein 1:1-Abbild des Print-Produktes ohne jegliche zusätzliche Bearbeitung oder zusätzliche Features und Services. Zweitens müssten die Preise für das digitale Angebot in einer sinnvollen Relation zum Print-Angebot stehen und drittens habe die Ausweisung von Online beziehungsweise Mobile und Print in getrennten Datensätzen zu erfolgen, die bei Bedarf addiert werden könnten.
Kai Diekmann hat sich ja nun lange in SiliconValley umgesehen, aber er sollte die heimischen Regeln nicht aus dem Auge verlieren.
Vielleicht ist auch dieser Hinweis zur Erfassung von Unique User/visitors in Wikipedia interessant: "Beachten sollte man jedoch, dass der Zeitraum, in dem jeder Besuch nur einmal gezählt wird, stark variieren kann. Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW) arbeitet im Rahmen ihres Messverfahrens Skalierbares Zentrales Messsystem (SZM) mit dem nach eigenen Aussagen international standardisierten Wert von 30 Minuten. Der Visit auf einer Website gilt somit als beendet, wenn 30 Minuten lang keine neue Seite mehr abgerufen wurde." Also Unique User können auch zehnmal am Tag die gleiche Seite besuchen und doch zehnmal gezählt werden.

Ich bin regelmäßiger Leser der Bildzeitung. Warum sinkt die Auflage? Sicher auch zum Teil wegen der digitalen Angebote. Aber wer jedes Jahr das RTL-Dschungelcamp wochenlang zum Titelthema macht und uns auf dem Titelblatt eine Schauspielerin zeigt, die in Schafshoden beißt, ist auf ziemlichen Abwegen. Die Bildzeitung war und ist (noch) eine politische Autorität, auch als Boulevardblatt. Das darf Kai Diekmann nicht aufs Spiel setzen. Mir scheint, er schwebt derzeit allzusehr auf einer digitalen Wolke. Angeblich hat Bildplus inzwischen 250 000 Abonnenten. Das ist schön, aber es sind eben nur 12,5 Prozent der Print-Auflage. Ich habe es wieder abbestellt. Jetzt fragt mich meine Bild App jeden Tag, ob ich zu Lesen eines Bild-Artikels Bildplus abonnieren will. Da bleibe ich lieber bei der Printausgabe. Wenn sie endlich das Dschungelcamp rausschmeißt, nach dem Motto: "Ich will hier raus".

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen