Mittwoch, 12. November 2014

Das Kleinanlegerschutzgesetz, ein neues Ungetüm

Heute verabschiedet das Bundeskabinett in Berlin das Kleinanlegerschutzgesetz. Wer sich den 75seitigen Entwurf ansieht, versteht nur Bahnhof. Denn es werden in diversen Gesetzen Anpassungen vorgenommen, die man Wort für Wort unter Bezug auf Paragrafen nachvollziehen muss. Und mich beschleicht das Gefühl, dass hier wieder einmal die Verbraucher zu Tode geschützt werden. In der Einleitung heisst es:

"In jüngster Zeit haben Anleger durch Investitionen in Vermögensanlagen erhebliche Vermögenseinbußen erlitten, indem sie in Produkte investierten, die nur einer eingeschränkten Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unterlagen. Die eingetretenen Vermögensschäden beruhten auch auf der fehlerhaften Annahme der Anleger, hohe Renditen könnten ohne Risiko erreicht werden. Als Folge dieser irrigen Annahme wurde nicht nur das Vertrauen der betroffenen Privatanleger, sondern auch das Vertrauen nicht unmittelbar betroffener Anleger in den Finanzmarkt getroffen."

Also, weil die Anleger irrigerweise annehmen, hohe Renditen könne man ohne Risiko erreichen, müssen sie jetzt besser geschützt werden. Oder auch: Die deutschen Anleger müssen vor ihrer eigenen Dämlichkeit geschützt werden. Das ist doch ein Wahnsinn. Was hier produziert wird, sind vor allem zusätzliche Kosten für Anwälte, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater.

Gut gemeint ist noch lang nicht gut gemacht. Die Bürokratie des Anlegerschutzes hat bis heute nichts, aber auch gar nichts verbessert. Wer sich beispielsweise heute bei Banken beraten lässt, muss einen Schwall von Papieren über sich ergehen lassen. Trotzdem lesen wir alle paar Wochen, dass ein Unternehmen in die Insolvenz geht und zahlreiche Anleger ihr Geld verlieren. 
Das neue Gesetz verspricht mehr Transparenz für den Geldanleger, tatsächlich verschafft es den sogenannten Anlegerschutzanwälten zusätzliches Geschäft - wenn Kleinanleger beim nächstes Mal in die Röhre schauen. Und das wird nicht lange dauern. Denn Gier und Dummheit lassen sich schwer verbieten. 

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