Donnerstag, 6. November 2014

Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will

Die Löhne von Lokführern liegen unter dem allgemeinen durchschnittlichen Verdienst der deutschen Arbeitnehmer von 3449 Euro brutto im Monat. Sie verdienen bei der Deutschen Bahn ohne Zulagen zwischen 2500 und 3400 Euro brutto im Monat, je nach Dienstjahren. Für diesen Job genügt ein Hauptschulabschluss. Ist das zu wenig? Ich finde nicht.

Im Grunde braucht man die Lokführer nicht mehr, und mit ihrem Streik schaufelt die Gewerkschaft GDL diesem Berufsstand und sich selbst das Grab. Eher braucht man die Schaffner und die Kellner im Zug-Bistro (kein Wunder, dass die GDL, das Service-Personal mit vertreten möchte).
Schon heute fahren U-Bahnen ohne Lokführer, und es ist technisch ohne Schwierigkeiten möglich, auch alle Züge ohne Lokführer zu betreiben. Die Züge sind ohnehin alle computergesteuert. Dann fahren die Lokführer wie die überflüssigen Heizer noch eine Weile mit, und dann ist der Berufswunsch "ich möchte Lokführer werden" nur noch in Verbindung mit Märklin-Eisenbahnen wichtig.
Jakob Augstein hat einen flammenden Kommentar für das "Grundrecht" der Lokführer auf Streik veröffentlicht. Als ob es darum ginge, das Streikrecht abzuschaffen. Das ist doch großer Quatsch. Deutschland braucht funktionierende Gewerkschaften, aber nicht berufliche Interessengruppen, die sich Gewerkschaft nennen, und ihre Nadelöhr-Eigenschaft zu Lasten anderer Berufsgruppen und der ganzen Gesellschaft missbrauchen. Flächentarifverträge, zum Teil in harten Auseinandersetzungen durchgesetzt, haben Deutschlands Wirtschaft immer auch Stabilität gegeben. Statt für einzelne Berufsgruppen verhandeln die Gewerkschaften bis heute für einen ganzen Industriezweig wie Chemie, Handel oder Metall. Das gibt den Branchen Planungssicherheit, sichert Arbeitsplätze und ist auch im Arbeitgeberinteresse. Was wir jetzt erleben, macht Unternehmen und die ganze Wirtschaft auf Dauer kaputt: In immer kürzeren  Abständen, streiken einzelne Berufsgruppen. Und zwar immer dort, wo es besonders wehtut.
Das Sicherheitspersonal hat kürzlich den Flughafen Frankfurt lahmgelegt. Die Piloten haben mit ihren immer neuen Streiks die Lufthansa schon über 150 Mio Euro gekostet und Chaos im deutschen Flugverkehr ausgelöst. Die Lokführer sind nun der nächste Höhepunkt. Ältere erinnern sich noch an den dramatischen Streik der Fluglotsen. Was kann da alles noch passieren? Stellen wir uns mal bei der Lufthansa vor: Es streiken heute die Piloten, morgen die Flugbegleiter, dann der Catering-Bereich, dann die Software-Programmierer, die Ingenieure, die Techniker. Dann streikt das Sicherheitspersonal des Flughafens und alle verpassen ihre Flüge. Wie lange kann die Lufthansa so etwas ohne schwere Blessuren aushalten?
Dass die Bundesregierung jetzt ein Gesetz vorbereitet, das auf die jeweilige Mehrheitsgewerkschaft eines Betriebes setzt, ist ein richtiger Schritt. 
"Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will". Dieser 1863 von Georg Herwegh anlässlich der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (SPD-Vorläufer) gedichtete Text endet, was viele nicht wissen, mit den Worten: "Brecht die Sklaverei der Not! Brot ist Freiheit, Freiheit Brot".
Herr Weselsky, ist es wirklich so schlimm in unserem Land, dass Sie alle Räder still stehen lassen müssen?

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