Montag, 6. Oktober 2014

Was plant Bertelsmann mit Gruner+Jahr?

Nun also doch: Bertelsmann hat der Jahr-Familie die restlichen Anteile an Gruner + Jahr abgekauft:
In Spiegel Online lese ich heute:
"Die vollständige Übernahme von Gruner + Jahr ist ein strategischer Meilenstein zur Stärkung unserer Kerngeschäfte", ließ Bertelsmann-Chef Thomas Rabe mitteilen. "Wir unterstützen die vom Gruner + Jahr-Vorstand auf den Weg gebrachte Transformation von Gruner + Jahr uneingeschränkt und werden auch in Zukunft die dafür erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen."
Eigentlich ist das eine gute Nachricht, aber die Frage muss gestellt werden: Warum wollte Bertelsmann Gruner+Jahr komplett übernehmen?
Was bedeutet "Stärkung unserer Kerngeschäfte" ?
Naja, darunter lässt sich viel verstehen. 2012 scheiterte schon mal ein solcher Versuch. Nun ist die Jahr-Familie anscheinend weichgeklopft. Und hat in bar einen nicht genannten Kaufpreis erhalten. Offensichtlich ist dem bisherigen Minderheitsgesellschafter mit Vetorecht das Verlust- und Investitionsrisiko zu teuer. Lieber den Spatzen in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Wenn ein Mehrheitsgesellschafter die Anteile der Minderheitsgesellschafter kauft, dann will er volle Handlungsfreiheit. Anders macht der Erwerb keinen Sinn.
Das bedeutet für Gruner+Jahr: Bertelsmann kann jetzt einzelne Teile oder das ganze Haus verkaufen. Auch das würde zur "Stärkung des Kerngeschäfts" beitragen. Bei der Wirtschaftspresse hat es der Verlag vorgeführt: Die Hauptmarke Capital bleibt, FTD, wurde geschlossen, Impulse an den Chefredakteur verkauft und Börse Online an den Finanzverlag von Frank Werner.
Am Baumwall haben sich inzwischen reichlich Titel angesammelt, siehe HIER. Da würde ein McKinsey Berater ordentlich aufräumen: Was passt zur digitalen Strategie von G+J? Wer fährt die Kosten nicht ein? Wer hat Zukunft, wer nicht?
Es sollen ja ohnehin 400 Stellen abgebaut werden, und davon ist auch das Flaggschiff Stern nicht ausgenommen. Mit der Übernahme der Jahr-Anteile durch Bertelsmann kann Julia Jäkel jetzt die Taktzahl deutlich beschleunigen. 2015 dürften die G+J-Redaktionen noch einige Wechselbäder erleben.

1 Kommentar:

  1. Immer wieder toll zu lesen, wie bescheuert Medien die Presseerklärungen für andere Medien formulieren. Was genau ist ein "strategischer Meilenstein"?

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