Mittwoch, 8. Oktober 2014

Offener Brief an Heribert Schwan: Sie haben den Journalismus geschädigt


Offener Brief

Sehr geehrter Herr Schwan,

mit dem Buch "Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“ werden Sie richtig viel Geld verdienen. Klasse PR, Vorabveröffentlichung im Spiegel, Diskussion in allen Medien. Marketing vom Feinsten. Als Buchverleger kann man dazu nur gratulieren. 
Als Journalist lehne ich die Veröffentlichung dieses Buches entschieden ab. Denn es enthält Material, das vom Urheber explizit nicht zur Veröffentlichung freigegeben wurde.
Vertrauliche Gespräche gehören ganz wesentlich zum Beruf des Journalisten. Ohne vertrauliche Gespräche erfährt man keine Hintergründe, die wichtig sind, vom Schlagzeilenjournalismus wegzukommen und vertiefende Bilder zu schaffen und Realitäten differenziert und faktisch fundiert abzubilden.
Sie haben vertrauliche Gespräche mit Helmut Kohl geführt und durch Ihre Veröffentlichung das in Sie gesetzte Vertrauen eklatant gebrochen.
Vielleicht wird Helmut Kohl nicht mehr erleben, wenn der Bundesgerichtshof irgendwann über die Rechtmäßigkeit dieser Veröffentlichung entscheiden wird. Den Schaden, den zwischenzeitlich all die ausbaden dürfen, die als ernsthaft interessierte und kompetente Journalisten auf ihre „vertraulichen“ Fragen keine Antworten mehr bekommen, wird man zwischenzeitlich nicht mehr rückgängig machen können.  


Danke Herr Schwan.

1 Kommentar:

  1. Lieber Herr Brunowsky,
    ich kann jeden Satz unterschreiben.
    Beste Grüße
    Ihr Hugo Müller-Vogg

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