Mittwoch, 22. Oktober 2014

Crash Propheten: Geld verdienen mit Weltuntergang

Den folgenden Kommentar habe ich heute in Wolfram Weimers "Wirtschaftskurier" veröffentlicht:

In den Bestsellerlisten für Wirtschaftsbücher stehen seit Jahren Bücher ganz oben, die einen Crash der Weltwirtschaft für unausweichlich halten. „Der Crash ist die Lösung“, „Der Crash kommt“ oder „Europa vor dem Crash“. Und so weiter. Jüngstes Beispiel ist das Buch des Journalisten Michael Maier „Die Plünderung der Welt“. Dunkle Verschwörungstheorien sollen laut Maier belegen, dass ein winziger Zirkel der Reichsten 80% die Welt beherrscht und sich immer weiter auf Kosten der Armen bereichert – bis zum großen Knall. Da werden sämtliche Skandale der Wirtschaft in einen großen Topf geschmissen, mehrmals umgerührt und dann gnadenlos komplett auf eine Verschwörung der Reichsten zurück geführt. Man kann mit solchen Büchern viel Geld verdienen. Dass diese Bücher gekauft werden, spricht für ein kaltblütiges Buchmarketing, das die Ängste vieler Anleger bedient. Es spricht aber nicht für die Richtigkeit dieser finsteren Prophetien. 
Hinter all diesen Crash-Prognosen steht fast immer die gleiche These: Der Euro ist unser Untergang und die Geldpolitik der EZB kann nicht gut gehen: niedrige Zinsen zur Entlastung hochverschuldeter EU-Länder und Entlastung der Bankbilanzen durch Ankauf zweifelhafter Wertpapiere in einem riesigen Volumen. Sparer werden durch niedrige Zinsen und Inflation enteignet, Staaten entledigen sich dadurch ihrer Verschuldung. Banken verdienen kein Geld mehr an den Zinsen und für die Übernahme von Banken- und Staatenrisiken durch die EZB haftet am Ende der europäische und vor allem der deutsche Steuerzahler. Schließlich können die immer weiter steigenden Schulden nicht mehr zurückbezahlt werden und ganze Staaten gehen pleite. Und an all dem verdient eine kleine Clique von Superreichen, die „Plünderer“, so Maier.
Ich halte das alles für großen Unsinn. Es erinnert eher an den Maya-Kalender, der für  den 21. Dezember 2012 den Weltuntergang vorausgesagt hat,  denn an unsere Realität.
Der allgemeine Aberglaube lautet: Steigt die im Umlauf befindliche Geldmenge bei gegebener Realwirtschaft, übersteigt also das Angebot an Geld die Nachfrage, muss Inflation die Folge sein. Das klingt logisch, ist aber offensichtlich nicht richtig. Seit der Lehman-Pleite im September 2008 fluten die Notenbanken zwar die Finanzmärkte mit billigem Geld. Sie haben damit Zeit für die Umstrukturierung gekauft. Nirgends ist auch nur im Ansatz Inflation in Sicht. Eher befürchtet EZB-Präsident Draghi sogar eine Deflation.
Von einer Weltwirtschaftskrise sind wir himmelweit entfernt. Deutschland wird 2015 wohl erstmals seit vielen Jahren keine Neuschulden mehr machen. Entscheidend ist, dass die EZB nicht nur Geld drucken kann (das Maier „Falschgeld“ nennt), sondern durch ihre Zinspolitik auch Geld aus dem Markt – also jederzeit den Druck vom Kessel – nehmen kann. Die bisherigen Rettungsaktionen mögen manchem einen Schauer über den Rücken jagen, erfolglos waren sie nicht. Irland, Portugal und sogar Griechenland sind wieder auf Kurs. Frankreich geht Wirtschaftsreformen an. In den USA wurde kürzlich die niedrigste Arbeitslosenrate seit über 20 Jahren gemeldet. Auch wenn in den USA und in Europa Banken und Versicherungen mit Milliardenbeträgen gerettet wurden, haben sie diese Rettungskredite zum Großteil zurückbezahlt und machen wieder Gewinne. Lassen Sie sich deshalb nicht von den großen Summen irritieren. So schnell geht die Welt nicht unter.



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