Donnerstag, 3. Juli 2014

Mindestlohn: Der programmierte Rückweg in die Arbeitslosigkeit

Strahlende Gesichter bei der Großen Koalition: Der Mindestlohn wurde mit großer Mehrheit verabschiedet. Für über 3,7 Millionen Arbeitnehmer werden jetzt in Ost und West die Löhne auf 8,50 Euro angehoben. Bis 2017 sollen es 4,7 Millionen sein. Ein paar Ausnahmen gibt es noch und der Druck wächst, auch diese Ausnahmen abzuschaffen. Nun stellt sich die Frage, wie sich diese Maßnahme auswirkt.
Das gegenwärtige System ohne Mindestlöhne hat dazu geführt, dass nur noch 2,88 Millionen Menschen arbeitslos sind, eine Quote von 6,6 Prozent (Stand Mai 2014). 2005 lag die Quote noch bei 11,7%. Also fast eine Halbierung.  Entsprechend sind die Ausgaben der Bundesagentur für Arbeit seit 2005 von 53 auf knapp 33 Milliarden Euro gesunken. Eine Ersparnis von 20 Milliarden jährlich.
Ich fürchte, diese positive Entwicklung wird jetzt umgedreht.  Das Institut der deutschen Wirtschaft hat berechnet, dass etwa 44 Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft weniger als 8,50 Euro verdienen, in der Gastronomie 36 Prozent. Bäcker, Friseure und diverse andere zahlen auch so schlecht. In 60 Prozent der Fälle handelt es sich aber um Minijobs, Jobs also für Zusatzverdienste und keine Jobs "von denen man nicht leben kann".
In Ostdeutschland verdienen 30 Prozent unter 8,50 Euro. Die betroffenen Unternehmen können jetzt entweder die Löhne erhöhen oder auf diese Mitarbeiter verzichten. Oder einen Standort weiter östlich - etwa in Polen - aufsuchen. Für viele Selbstständige, die ihren Standort nicht ins Ausland verlegen können, führt das Ganze zur Selbstausbeutung bis hin zu einer dramatischen Pleitewelle.
Wäre ich Landwirt, würde ich hier nur noch die Verwaltung belassen, Anbau-Flächen in Osteuropa pachten und die dort üblichen Löhne zahlen. Wäre ich Friseur, würde ich die Leute zuhause besuchen... Wäre ich Bäcker, würde ich die Backmaschinen weiter automatisieren. Wäre ich Blumenhändler würde ich die Selbstbedienung auf den Feldern ausbauen. Die Ausweichmechanismen werden sehr schnell greifen.

Viele Jahre haben Ökonomen darauf hingewiesen, dass Deutschland einen Niedriglohn-Sektor braucht, um auch den geringer Qualifizierten Arbeitsplatzchancen zu geben. Die Industrie hat seit jeher auf die tariflichen Anhebungen der unteren Gehaltsgruppen mit verstärkter Automatisierung geantwortet. Das wird auch jetzt die Antwort über all dort sein, wo Technisierung möglich ist, beispielsweise bei Erntemaschinen. Arbeit wird durch Maschinen ersetzt. Die Entlassenen kehren zurück in die Arbeitslosenstatistik. Als Arbeitslose bekommen sie nicht viel weniger als sie bisher verdienten.

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