Dienstag, 1. Juli 2014

Geldratschläge von BILD: si tacuisses

In der gestrigen Ausgabe von BILD beginnt eine Serie mit den "100 wichtigsten Fragen" zumThema Geld. Das hat mich interessiert. Ich kann das nicht alles zitieren, aber hier einige der banalen Ratschläge, jeweils ergänzt um meinen Kommentar:

Einen guten Anlageberater erkennt man daran, dass man ihn mit Honorar bezahlt statt mit versteckten Provisionen.

Kommentar: Wofür soll man ein Honorar bezahlen, wenn man am Ende die Ratschläge von BILD bekommt: Keine Aktien, kein Sparbuch, keine Bundesanleihen, nur Tages- und Festgeld.

Am besten ist die Anlage auf einem Tagesgeldkonto, da gibt es 1,5 Prozent.

Kommentar: Tagesgeldkonten sind für die Banken teure Werbemaßnahmen, die permanent wechseln. Sie dienen dem einzigen Zweck, Kunden zu ködern. Die sind aber genauso schnell weg, wenn die Konditionen wieder kostengemäß angepasst werden. Wer wechselt deswegen dauernd das Konto? Tagesgeld ist nur auf den ersten Blick optisch attraktiv.

"Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefe sind sicher. Bundeswertpapiere auch - sie bieten derzeit aber nur geringe Zinsen".

Kommentar: Das stimmt zwar, aber die Zinsunterschiede sind letztlich uninteressant. Wer 10.000 € anlegt, bekommt bei einer 2019 fälligen Bundesanleihe etwa 0,3 Prozent Rendite, also pro Jahr 30 Euro. Bei einem Tagesgeldkonto, sofern es ein Jahr gleich hoch bleibt, erhält man zwischen 0,1 (Deutsche Bank) und 1,4 (Volkswagen Bank Prozent). Wer geht wegen maximal 110 Euro jährlich mehr zur Volkswagen Bank?  Der Dispo kostet dort derzeit 9,25% - zweieinhalb Prozent mehr als bei Anbietern wie der Fidor Bank (6,8%). Außerdem müssen auf dem Konto monatlich mindestens 1000 Euro eingehen. Und der Guthabenzins beträgt magere  0,6 Prozent, während z.B die Fidor Bank 0,9 Prozent zahlt.

"Aktien können stark an Wert verlieren". Anleihen verlieren an Wert, wenn der Staat oder die Firma pleite gehen. Schiffsbeteiligungen sind auch riskant.

Aktien haben in den letzten 20 Jahren trotz immer neuer Einbrüche inklusive Dividenden im Schnitt 6 bis 8 Prozent gebracht. Ein Irrsinn, dass BILD gegen Aktien schreibt. Aktien mit Schiffsbeteiligungen in einem Atemzug zu nennen ist voll daneben.

Wenn man das Geld "vorerst nicht braucht", soll man die Hälfte in Fonds anlegen, die andere als Festgeld. Zum Beispiel Indexfonds, die sich an Börsenwerten orientieren.

Also Aktien können stark an Wert verlieren. Indexfonds nicht? Das passt nicht zusammen.

Wer jetzt was erbt, soll Sparbriefe kaufen - drei und fünf Jahre. 
Entscheidend ist,  ob ich Geld kurzfristig parken möchte oder als Altersvorsorge anlege. Das wird nicht gesagt. Selbst mit 65 kann man heute noch sein Geld langfristig anlegen, weil die durchschnittliche Lebenserwartung bei weit über 80 Jahren liegt,

Fazit: si tacuisses, Ralf Klostermann, hättest du besser geschwiegen.
Mit dieser Serie hilft BILD hilft nicht, BILD zementiert Klischees. Schade!






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