Mittwoch, 9. Juli 2014

Beim Insolvenzrecht stimmt was nicht

Heute las ich, dass zwei Drittel aller deutschen Unternehmen einmal im Jahr ein Schreiben von Insolvenzverwaltern bekommen, indem bis zu zehn Jahre rückwirkend (!)  Geld zurückgefordert wird, das diese Unternehmen von ihren Kunden für erbrachte Leistungen erhalten haben. Nach einer Umfrage des Bundesverbandes Credit Management beträgt die angefochtene Summe bei 40 Prozent der Unternehmen mehr als 100.000 Euro.
Manchmal liegt die Anfechtung an Ratenzahlungen, manchmal daran, dass vereinbarte Zahlungen über sogenannte Cash-Pools laufen: Schuldet z.B. die Muttergesellschaft den Betrag, lässt aber die Tochtergesellschaft den Betrag auszahlen, dann kann die Tochter bei einer Insolvenz das Geld zurück verlangen.
Von Wirtschaftsanwälten hörte ich vor einigen Tagen von einem Fall, indem ein Insolvenzverwalter über 13 Millionen zurückfordert. Insolvenzverwalter behaupten dann gern, dass man von den finanziellen Schwierigkeiten des Kunden hätte wissen müssen, und deshalb den vereinbarten Betrag gar nicht hätte annehmen dürfen, auch wenn dafür Leistungen erbracht wurden.
Auf diese Weise erhöhen Insolvenzverwalter die zu verteilende Masse, vor allem aber auch ihren eigenen Verdienst. Ich kenne einen Fall, bei dem der Insolvenzverwalter nun schon seit etwa 6 Jahren daran arbeitet, die Insolvenz abzuschließen - und sich daran dumm und dämlich verdient - angeblich 700.000 Euro pro Jahr. Insolvenzverwalter lassen sich solange Zeit, wie noch Geld in der Kasse ist. Ein Druck zur schnellen Abwicklung besteht nicht. Die vorhandene Masse schmilzt dahin, und am Ende werden im Schnitt noch 2 bis 3 Prozent der Gesamtforderungen ausgezahlt.
Wenn ein Kunde pleite geht, ist das für Unternehmen schon ärgerlich genug, weil meist offene Forderungen damit verbunden sind. Dass ihm dann aber noch rückwirkend Geld für erbrachte Leistungen abgeknöpft wird, halte ich für einen Skandal.
Kein Wunder, dass insolvente Unternehmen immer mehr Gebrauch davon machen, die Insolvenz in Eigenverwaltung zu beantragen, die es seit 2012 möglich macht, das Management beizubehalten und den (vom Amtsgericht zu genehmigenden) Insolvenzplan ohne Insolvenzverwalter durchzuführen.

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