Freitag, 27. Juni 2014

Warum man die BUNTE nicht bei Google findet

Heute sprach ich mit Dr. Frank Werner, dem Herausgeber von verschiedenen Börsenmedien (u.a. Euro am Sonntag, Börse Online) über meine Kritik an Steingarts Kampfaufruf gegen Google. Werner verwies auf eine Lösung, die sowohl Matthias Döpfner als auch Gabor Steingart in Ihrer Google-Kritik - wahrscheinlich bewusst - nicht berücksichtigt haben: "Warum findet man die Inhalte von Burdas "BUNTE" nicht bei Google?", so Werner. "Weil die BUNTE ihre Artikel nicht online stellt". Liebe Verleger, wenn Google euch die Inhalte klaut, dann stellt sie halt nicht ins Netz! Diesen Weg gehen ja tatsächlich einige Verlage: Sie bieten für Print Produkte Epaper an, nutzen also den digitalen Transportweg, stellen den Inhalt aber nicht online. Allerdings haben viele gleichzeitig Online-Redaktionen, deren Inhalte zwangsläufig ins Netz gehen und von Google gefunden werden - und gefunden werden sollen. Und manche, wie FAZ.net, übernehmen Teile des Print Angebots und stellen eine Mischung aus eigenen und Print-Artikeln online. Die Print-Journalisten sind darüber nicht unglücklich sie freuen sich über eine größere Reichweite ihrer Beiträge, bei denen sich auch noch die Leserzahl exakt messen lässt, anders als in der Zeitung.
Und dann gibt es die sogenannten News-Desks, in denen entschieden wird, was wo erscheinen soll.
Mir sind diese News Desks ehrlich gesagt ziemlich suspekt, denn hier wird wie in einem Logistik-Zentrum die "Ware" Journalismus gestapelt und verteilt. Genau an dieser Frage ist die Gruner+Jahr-Wirtschaftspresse gescheitert, weil FTD, Capital, Impulse und Börse Online von einem gemeinsamen Desk aus gesteuert wurden. Die Vermischung der Marken und die Benachteiligung guter Artikel in einem solchen System hatte fatale Folgen. Denn es stellt sich täglich die Grundsatzfrage: Wo soll die beste Qualität hin? Nur in die Printausgabe? Die wird ja schließlich vom Kunden uneingeschränkt bezahlt, Werbung wird dort immer weniger - anders als die vorwiegend werbefinanzierten Online-Ausgaben.
Soll also online kein Qualitätsjournalismus erscheinen, um Google zu vermeiden? Man hört oft den Satz: "Eigentlich ist egal, auf welchem Weg der Leser erreicht wird, Hauptsache er wird erreicht". Ich habe da meine Zweifel. Das würde ja bedeuten, dass der gleiche Artikel auf allen Kanälen zur Verfügung steht. Die Praxis sieht völlig anders aus. Unter der gleichen Marke werden unterschiedliche Produktversprechen verkauft. Das wird gerade beim "Spiegel" deutlich: Spiegel Online beschäftigt inzwischen, wie man hört, etwa 50 Redakteure. Dort braucht man die Print-Artikel nicht als Beiwerk. Das bedeutet, dass unter der "Marke Spiegel" völlig verschiedene Inhalte angeboten werden, die den Kern der Marke unscharf werden lassen. Die Printausgabe des Spiegel wurde so weniger relevant als früher und ist einem anhaltenden Schrumpfungsprozess ausgesetzt. Spiegel Online ist weniger investigativ und bewegt sich mit wenigen Ausnahmen letztlich im homogenen Rohstoff-Geschäft der täglichen News, die man in allen Nachrichtenportalen findet. Die anhaltenden Verluste der Spiegel-Printausgabe sind ein Indiz dafür, dass Spiegel Online als Alternativmedium den Schrumpfkurs gefördert hat, insbesondere bei der jungen Leserschaft, die sich lieber online informiert.
Wie Steingart schrieb, möchten die Verlage durchaus, dass ihre Artikel weiter gefunden werden. Und die Journalisten natürlich auch. Die BUNTE verzichtet darauf. Das ist durchaus konsequent.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen