Donnerstag, 12. Juni 2014

Taxis sind von gestern

Es gibt wohl keine Branche, in der Kunden so unfreundlich behandelt werden wie im Taxigewerbe. (Ausnahmen bestätigen die Regel). Hier stimmt wirklich vieles nicht. Kein Wunder dass Carsharing und Mitfahr-Apps wie Uber zunehmend Erfolg haben.
Im vorigen Winter suchte ich bei minus fünf Grad, beladen mit drei Einkaufstüten, einen Taxistand auf. Die dort stehenden fünf Taxis  lehnten es allesamt ab, mich  mitzunehmen - wegen meines kleinen Hundes. Ich musste in der Zentrale anrufen und ein Taxi bestellen, das den Hund akzeptierte. In Berlin kämpfen am Flughafen wartende Gäste immer wieder in unorganisierten Schlangen um Taxis, während 500 Taxis vor dem Flughafen aufgereiht stehen. Man zahlt den gleichen Preis, egal wie alt oder neu die Kiste ist. Manche Taxifahrer bleiben sitzen, wenn man mit Koffer ankommt. In einigen Autos riecht es schlecht, der Fahrer raucht zwar außerhalb, aber im Auto sorgt sein Atem dennoch für unangenehm verrauchte Luft. Manch einer fällt durch heruntergekommene und verschwitzte Kleidung auf. Nervige Musik habe ich auch schon erlebt. Fahren mit offenen Fenstern ohne den Kunden zu fragen. Und wer kurze Fahrten bucht, muss immer ein schlechtes Gewissen haben, man spürt den Ärger des "Chauffeurs".  Nicht wenigen Fahrern muss man den Weg erklären, weil sie sich nicht auskennen. Noch schlimmer ist es, wenn sie kein Deutsch können. Zahlen mit Kreditkarte sollte durchweg möglich sein. Die Geräte dafür könnten weitaus moderner sein. Die Taxizentralen sind oft ebenso unfreundlich, kurz angebunden und teilweise frech. Kein Wunder, sie werden auf Dauer überflüssig. Wer "MyTaxi" auf dem Smartphone anklickt, bekommt in vielen Städten ohne Anruf sein Taxi.
Das ganze System der staatlichen Fahrpreisfestsetzung ist wettbewerbsfeindlich. Das Zulassungsverfahren ist überholt. In manchen Städten werden Taxilizenzen zu Wucherpreisen gehandelt. Zugleich sind Großstädte oft überbesetzt mit Tausenden von Taxis, was die Laune der Fahrer zusätzlich verschlechtert. Ein Aspekt am Rande: Viele Taxis leben von Fahrten, die die Krankenkassen zahlen. Viel zu teuer und zu Lasten der Beitragszahler. Mit ihrer Taxi-Innung sind viele unzufrieden. Die verhandelt einmal im Jahr mit der Stadt über Fahrpreise und das ist es dann wohl auch.
Sicher ist diese Aufzählung nicht ganz fair, es gibt selbstverständlich viele positive Beispiele. Aber, ganz ehrlich: jeder hat seine negativen Erlebnisse mit diesem Gewerbe. Zu Großdemonstrationen besteht kein Grund. Das Monopol des Taxigewerbes ist eben brüchig geworden, und daran hat das Gewerbe selbst schuld. Die Städte sollten aufhören, neue Angebotsformen wie Uber & Co zu verbieten. Besser wäre, wenn die Taxis sich dem neuen Wettbewerb stellen: Kunden freundlicher behandeln, saubere Wagen sicherstellen, digitale Angebote schaffen und Preise differenzieren.

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