Freitag, 20. Juni 2014

Fire Phone - der Amazon-Hammer

Im ersten Moment ist das neue Smartphone von Amazon nur ein weiteres schönes Handy. Schöner Schnickschnack in einem scheinbar übersättigten Markt mit 3D und so. Eben nicht.
Tatsächlich ist das neue "Fire Phone", das ab Juli in den USA und irgendwann auch in Deutschland angeboten wird, ein echter Hammer, zum Fürchten für den Einzelhandel. Schon seit Jahren haben immer mehr Einzelhändler das Gefühl, dass immer mehr Kunden in die Läden gehen, um sich Produkte anzusehen, Preise zu vergleichen und sich beraten lassen, ohne zu kaufen. Gekauft  wird dann online.
Amazon-Gründer Jeff Bezos hat daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass man diesen Trend nutzen muss. Mit dem Fire Phone kann der Kunde in den Läden Produkte einscannen, identifizieren und sofort bestellen - bei Amazon. Das kann nicht ohne Folgen bleiben. Es ist ein frontaler Angriff auf die Innenstädte und deren Einzelhandelsstrukturen. Wenn man weiß, dass Smartphones auch in der Lage sind, Läden zu suchen, Preise zu vergleichen, Gutscheine einzusammeln und vieles mehr, dann muss sich der Einzelhandel etwas einfallen lassen. Denn es gibt inzwischen kaum noch etwas, was man nicht bei Amazon bestellen kann.
Das fatale ist ja, dass Läden vor die Hunde gehen, während immer mehr Lastwagen Straßen beanspruchen um Produkte nach Hause - und vielfach auch retour zu liefern. Das mag in den quasi einzelhandelsfreien Städten der USA kein Problem sein, wo Shopping Center den stationären Fachhandel schon längst ersetzt haben. In europäischen Städten aber schon. Dort macht gerade der eingesessene Einzelhandel den Charme mittlerer und großer Städte aus. Und die täglichen Staus mit unendlichen Lastwagenkolonnen zeigen, dass unsere Straßen diese Verkehrsmengen auf Dauer nicht mehr bewältigen können.
Wie kann man sich gegen eine solche Entwicklung wehren?  Die großen Filialbetriebe haben teilweise recht spät erkannt, dass sie Ihre Online-Präsenz massiv ausbauen müssen. Auch kleinere Läden können ihre Reichweite durch einen Online-Shop vergrößern. Aber damit degenerieren die Geschäfte in der Innenstadt immer mehr zu "Showrooms", so wie man Möbelhäuser auch am Sonntag besuchen kann. Mit staatlicher Regulierung wird man dieses Problem auch nicht in den Griff bekommen, man kann ja das Fire Phone schlecht verbieten. Man wird auch nicht kontrollieren wollen, wer mit dem Fire Phone in einen Laden kommt und Produktberatung verlangt. Es könnte sich ja auch um einen Kunden handeln, der im Laden kauft.
Vielleicht gibt es Technologien, die die Internetnutzung im Laden ausschalten, das wäre dann eine technologische Antwort. Vielleicht gibt es aber auch "Convenience" Ideen, die das Einkaufen im Laden genauso bequem machen wie das Internet-Shopping? Beispielsweise einfacheres kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone inklusive Treuesystem. Oder eben eine Spezialisierung, beispielsweise mit regionalen Produkten, die Amazon nicht leisten kann. In jedem Fall ist hier eine Menge Kreativität gefordert. Ich bin gespannt, wie der Einzelhandel auf diese Entwicklung reagiert, von seinen Verbänden hört man ja nicht viel.


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