Donnerstag, 15. Mai 2014

Was Top-Ökonomen zu Piketty in der FAZ sagen

Inzwischen äußern sich immer mehr Ökonomen. Die FAZ von heute bringt dazu kritische Meinungen der Zunft: So hält Prof. Stefan Homburg (Universität Hannover) Piketty eine Statistik entgegen, wonach in den letzten 200 Jahren Vermögen in den wichtigsten Industrieländern mit derselben Rate zugenommen haben wie das Einkommen der Bevölkerung. Außerdem funktioniere Pikettys Formel nur, wenn Vermögensbesitzer ihre Erträge vollständig reinvestieren und nichts ausgeben würden. Ifo-Präsident Prof. Hans-Werner Sinn wiederum findet, dass Piketty "den gleichen Fehler wie Karl Marx macht", dass sich nämlich Vermögens- und Einkommenswachstum nicht auseinander einander entwickeln. Auch der Wirtschaftsweise Prof. Peter Bofinger wirft Piketty falsche Statistiken vor: Er zitiert eine statistische Grafik aus Pikettys eigenem Buch, wonach dessen Formel zwar "vom Jahr Null bis 1913" gegolten habe, aber nicht von 1913 bis 2012. Prof. Lars Feld, ebenfalls Mitglied des Sachverständigenrats wiederum sagt: Der Anteil der Arbeitnehmerentgelte sei zwar nach der Wiedervereinigung von 72 auf 66 Prozent im Jahre 2013 zurückgegangen, die "schwierige Zuordnung verschiedener Einkommensarten, etwa bei den Selbständigen"werde dabei aber nicht berücksichtigt. Durch die Umverteilung des Staates sei die personelle Einkommensverteilung "nur moderat ungleicher geworden".
Etienne Wasmer, VWL-Professor in Paris bringt einen anderen, von ihm untersuchten Aspekt ein: Rechne man die Häuserpreise heraus, sei der Kapital-Einkommensquotient immer noch genau so hoch wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Pikettys These stütze sich zentral auf den Immobilienbesitz. Die Häuserpreise seien über viele Jahre schneller gestiegen als Mieten und Einkommen. Zwar müsse man durchaus den Immobilienbesitz einbeziehen, dürfe das aber nicht wie Piketty zu aktuellen Marktpreisen tun, weil letztlich Mieten und nicht schwankende Häuserpreise entscheidend seien: "Sollten wir denn einen Einbruch der Immobilienpreise in Spanien und Irland als gute Nachricht ansehen, weil dadurch die Vermögensungleichheit abnimmt?"
Philipp Bagus schließlich, VWL Professor in Madrid, gibt Piketty recht, wenn man die "Schere zwischen Superreichen und dem Rest"betrachte. Ansonsten sei die Formel r > g falsch, weil Zinseinkünfte konsumiert werden könnten. Bagus - gemeinsam mit Andreas Marquart Autor des Buches "Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden" - sieht nicht den Kapitalismus, sondern das staatliche Papiergeldsystem als Verursacher einer wachsenden Ungleichheit. Die praktisch kostenlose Geldschöpfung durch Banken führe zur Umverteilung zugunsten der Reichen.
Ehrlich gesagt, letzteres habe ich nicht verstanden. Da muss ich wohl noch ein Buch lesen.

Kommentare:

  1. https://www.facebook.com/pages/Warum-andere-auf-Ihre-Kosten-immer-reicher-werden/1491174594434798

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  2. Kommentar von Philipp Bagus: "Freue mich nach der Lektüre auf eine Rückmeldung"

    https://www.facebook.com/philipp.bagus

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