Dienstag, 6. Mai 2014

Das neue Layout des Spiegel: Keine Verbesserung

Von einem Nachrichtenjournalisten wie Wolfgang Büchner kann man nicht erwarten, dass er ein Gefühl für erstklassiges Layout hat. Bei dpa, wo er zuvor als Chefredakteur arbeitete,  spielte das Layout keine Rolle. Im Ergebnis muss der Chefredakteur auf seinen Art Director vertrauen, in diesem Fall Uwe C. Beyer. Dass man nach über17 Jahren auch mal wieder ans Layout ran muss, erscheint vernünftig. Doch die Regel ist, dass viele Chefredakteure in einem Relaunch ihr Heil suchen, wenn ihnen sonst nichts einfällt. Das scheint mir auch hier der Fall zu sein. Büchners Berufung stieß in der Redaktion auf viel Widerstand, im Editorial beruft er sich dann auch intensiv auf die Zustimmung seiner engsten Vertrauten. Tatsächlich ist der Relaunch misslungen. Es wird nichts verbessert, nichts verschönert, nichts dramatischer.  Einfach bloß etwas anders. Das Inhaltsverzeichnis jetzt auf einer statt auf zwei Seiten? Naja. Kann man machen, wenn man mehr Platz aufgrund rückläufiger Anzeigen braucht. Kleinere Überschriften zeigen, worum es geht: Man will mehr Platz für eine Redaktion, die trotz massiver Anlagen- und Auflagenverluste nicht reduziert wird. Es gibt einfach weniger Platz zum Schreiben, und das muss irgendwie gelöst werden. Besonders, weil es jetzt zwei zusätzliche Kolumnenplätze gibt. Eine davon geht an Jakob Augstein. Jakob Augstein ist nach eigenem Bekenntnis der Sohn von Martin Walser, auch nicht eben eine unangenehme Herkunft. Er betreibt das erfolglose Blatt "Freitag" und lebt vom Namen seines grandiosen Nicht-Vaters. Seine Kolumnen sind links, aber das ist auch schon alles. Die Inhalte sind dumm und naiv. Augstein ist eben nicht gleich Augstein. Und der Spiegel ist eben nicht mehr der Spiegel Augsteins.

1 Kommentar:

  1. Vollkommen richtig analysiert! Optisch fehlt dem SPIEGEL Führung und Wärme. Beides wird durch die neue Klein/Klein-Schnippelei verschlimmert. Der SPIEGEL ist halt nicht der Economist. Und inhaltlich finden sich die besseren Themen und Autoren eh seit geraumer Zeit bei der ZEIT.
    Das neue Layout wird die Erosion der Auflage nicht aufhalten. Hoffnung für Hamburg: Der neue Verkaufstag Samstag ist schon schlau, wenn man das Vorhaben logistisch in den Griff kriegt.

    AntwortenLöschen