Freitag, 18. April 2014

Schreckgespenst Google? Keine Technologie ist uneinholbar.

Mit seinem offenen Brief an den Google-Gründer Eric Schmidt hat Mathias Döpfner in der FAZ (hier klicken zum nachlesen) ein starkes Signal gesetzt, über das man nicht einfach zur Tagesordnung gehen kann. Döpfner ist eine erste Adresse für eine kritische Auseinandersetzung mit der Macht von Google. Der Vorstandsvorsitzende des Axel-Springer-Verlages und frühere FAZ-Feuilleton-Redakteur schreibt unter anderem: "Google durchsucht mehr als eine halbe Milliarde Internetadressen. Google weiß über jeden digital aktiven Bürger mehr, als sich George Orwell in seinen kühnsten Visionen in „1984“ je vorzustellen wagte. Google sitzt auf dem gesamten gegenwärtigen Datenschatz der Menschheit wie der Riese Fafner im Ring des Nibelungen".

Döpfner lobt zunächst die unternehmerische Leistung, die heute Google 14 Milliarden Dollar Gewinn pro Jahr beschert und weltweit 50.000 Menschen beschäftigt. Später geht es ihm im wesentlichen um den Missbrauch eines Machtmonopols, dem man entgegentreten müsse. 
Es ist vieles richtig an dem, was Döpfner kritisiert, dessen Unternehmensgewinn inzwischen mehr als die Hälfte aus digitalen Erlösen generiert wird. Dennoch stört mich an dieser Google-Kritik Einiges. Denn die Europäer und insbesondere alle Verlage, haben diese Entwicklung allesamt verschlafen und zeigen heute mit dem Finger auf den Bösen Buben Google.
Warum ist es keinem deutschen Unternehmen gelungen, etwas wie Facebook, Twitter, Google oder zahllose andere Internet-Player aufzusetzen? Warum ist Europa nicht in der Lage ein Gegenstück zu Google aufzubauen wie es China mit seiner eigenen Suchmaschine Baidu gelungen ist? 
Ich habe kürzlich ein Fraunhofer Institut in Kaiserslautern besucht. Hier sind Autokonzerne aus aller Welt, von Toyota bis Audi, zu Besuch, um von einem der Zentren für Software-Wissenschaft zu profitieren. "Savety und Security" sind dort die zentralen Begriffe, denn wenn die Software in Autos, Flugzeugen oder Maschinen fehlerhaft(Safety) ist oder gehackt(Security) wird, können fatale Unglücke die Folgen sein. In diesem Bereich, der auch zentraler Bestandteil unseres Exportgeschäftes ist - von Autos über Flugzeuge bis hin zum gesamten Maschinenbau, sind wir nach Aussagen der dortigen Wissenchaftler weit besser als die USA und andere Länder. 
Also: Warum initiieren wir nicht eine große gemeinsame Anstrengung, die den Amerikanern Paroli bietet anstatt darüber zu jammern, dass wir so abhängig von Google und Facebook sind? Das wäre die richtige Antwort.
Noch nie war eine Technologie uneinholbar. Auch Google ist letztlich Technik, die wir lernen und verstehen müssen, um etwas entgegen zu setzen. Dass uns Google nicht eingefallen ist, dürfen wir Google nicht vorwerfen. Ich liebe Google, und es gibt wohl keinen Journalisten, der ohne Google heute noch arbeiten kann. Googles Stärke, die ungeheure Ansammlung und Verwertung von Daten, ist zugleich seine Schwäche. Auf die Dauer wird sich das keine Gesellschaft gefallen lassen. Was aber wäre die Alternative? Darüber müssen wir jetzt nachdenken. Wir sind zu sehr gewohnt, Innovationen der Industrie zu überlassen, statt auch im Dienstleistungsbereich alle Innovationsregister zu ziehen. Ich erinnere mich, dass Gruner+Jahr im Jahr 2000 mit "Fireball" einmal eine vielversprechende Suchmaschine entwickelt hat, die das Zeug zu einem großen Player hatte. Der Vorstand hat diesen Browser dann mit einem schönen Gewinn nach Südkorea verkauft und sich von dem Geschäft verabschiedet.
Deutschland, das höchst erfolgreiche Industrieland, gehört zu den wenigen Ländern, die Google & Co Paroli bieten können. Zeit dafür, endlich damit anzufangen.

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