Mittwoch, 30. April 2014

Impulse: Was der Chefredakteur richtig macht



Vor ein paar Tagen habe ich den Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins Impulse in Hamburg besucht: Nikolaus Förster hat im Februar 2013 in einem Management Buyout das von ihm seit 2009 geführte Magazin mit Unterstützung von Investoren gekauft und bereits nach einem Jahr einen kleinen Gewinn erwirtschaftet. Das 1980 von Johannes Gross gegründete Unternehmermagazin interessiert mich, denn ich war dort von Oktober 1989 bis Mai 1991 stellvertretender Chefredakteur unter Rolf Düser, der als letzter von drei Gründungschefredakteuren neben Wolfram Baentsch und Egon F. Freiheit übrig geblieben war. Johannes Gross, damals auch Herausgeber von Capital definierte den Unterschied zwischen den beiden Magazinen so: „Capital sagt den Managern und leitenden Angestellten, wie man eine Gehaltserhöhung erstreitet, Impulse‘ sagt den Unternehmern, wie man diese abwehrt.
Das Impulse von heute hat - anders als Capital - seinen Markenkern bewahrt: Unternehmern Impulse und Ideen zu vermitteln. Nur kann Chefredakteur Förster dies heute mit einer ganz anderen Autorität umsetzen, denn Förster ist nun selber Unternehmer: "Wir probieren alles selber aus, was wir empfehlen", ist dabei seine Devise. So hat Förster für die neue Ausgabe das Thema Zeitmanagement ausgewählt und dafür seine persönliche To-Do-Liste für das Layout hergegeben:
Hier mehr: http://shop.impulse.de/impulse-shop/product/impulse-05-2014.html
Seit Monaten ist Förster unterwegs und organisiert kostenlose Unternehmer-Round-Tables. Denn Impulse definiert sich als Unternehmer-Netzwerk. Die Redaktion sieht sich die Betriebe an, zum Beispiel, was Mittelständler für ihre Mitarbeiter tun, die bekanntlich immer knapper werden. Bei Impulse können die Mitarbeiter frei entscheiden, ob Sie in den coolen Räumlichkeiten der Hammerbrookstraße 93 (dem einzigen Haus, das den Feuersturm in diesemViertel im Krieg überstanden hat) oder zuhause arbeiten wollen. Für Kinder gibt es ein Spielzimmer in der Redaktion. Auch Hunde waren in der Redaktion zu sehen. Das sind äußere Merkmale. Im Kern sprüht Impulse auch redaktionell von guten Themen-Ideen: Viel Best Practice, alles ganz nah an der Unternehmerpraxis. Anders als Gabriele Fischers Brandeins, werden die Themen in jedem Detail präsentiert und weniger als "schöne Geschichte". Unternehmer haben keine Zeit lange Geschichten zu lesen, sie wollen direkt und einfach nützliches lesen. Früher war der Impulse-Nutzwert eher nervig und verstaubt. Heute haben auch moderne Unternehmen das Magazin auf dem Schreibtisch.

Förster hat sämtliche Werbeprämien abgeschafft. Die Kündigung des Magazins ist ohne Kündigungsfrist jederzeit möglich. Im ersten Quartal 2014 gab es rund 48.500 Abonnenten und einen Einzelverkauf von rund 2.500 Heften. Lesezirkel, Bordexemplare und sonstige Verkäufe summierten sich auf etwa 22.400 Exemplare. Der Brutto-Anzeigenumsatz belief sich 2013 auf 3,71 Mio. Euro - ein Minus von 19,1 Prozent gegenüber Vorjahr. Seitdem Impulse im Herbst 2013 den Anzeigenverkauf von Gruner&Jahr übernommen hat, zieht das Anzeigengeschäft laut Förster wieder kräftig an. Auch den Vertrieb des 7,50 Euro kostenden Heftes hat Impulse inzwischen in die eigenen Hände genommen. Abo und Einzelverkauf kosten gleichviel. "Keep it Simple" hat Förster von Apple gelernt. Anstelle eines Call Centers beantworten jetzt eigene Mitarbeiter in den Büroräumen alle Kundenanfragen: Impulse ist jetzt viel näher an seinen Kunden als früher. Dass man mit so einem niedrigen Anzeigenumsatz schon im ersten Jahr Gewinn machen kann, zeigt, welche Overheadkosten im Allgemeinen auf Konzernmagazinen lasten.
Interessant finde ich, dass Förster zwar digital präsent ist, aber darauf keinen Schwerpunkt legen will: "Wir brauchen kein Social Media-Netzwerk", sagt er, "wir sind ein Netzwerk".
Ich wünsche dem Unternehmer Dr. Nikolaus Förster eine glückliche Hand




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