Montag, 17. März 2014

Jauch, Jörges und Augstein

Gestern habe ich mir die Talkshow von Günther Jauch zur Nachbereitung von UH angesehen. Neben Hans Ulrich Jörges und Jakob Augstein traten Herta Däubler-Gmelin, "Weißbier-Waldi" Waldemar Hartmann und der Familienunternehmer Selters auf. Selters hatte es schwer, denn er hatte die undankbare Rolle des "Reichen" in dieser Runde, der kaum zu Wort kam und Gefahr lief, mit jedem Wortbeitrag abgewatscht zu werden. Sein Protest gegen permanente Faktenverdrehung, etwa gegen die Behauptung Augsteins, dass der Spitzensteuersatz noch nie so niedrig wie heute gewesen sei, wirkte hilflos. Die Runde wurde dominiert von Uli Jörges, der dafür bekannt ist, dass seine Meinungen stets mit Vehemenz und Empörung vorgetragen werden.
Ich kenne Uli Jörges schon, seit er mit mir gemeinsam Parlamentsberichterstatter im Rathaus Schöneberg war - er damals für die Agentur Reuters, ich für die Berliner Morgenpost. Sein letzter Beitrag aus der damaligen Zeit in Berlin erschien vor dem Fall der Mauer. Darin bezeichnete Berlin in einer heftigen Attacke als sterbende Stadt. Ganz falsch.
Die Vehemenz ist sein Markenzeichen, deswegen macht es Spaß ihm zuzuhören, auch wenn man seine Meinung nicht teilt und er nicht selten ganz daneben liegt. Jörges, Mitglied der Chefredaktion des Stern, aber als Berliner Sonderposten außerhalb der Redaktion, forderte also mit Vehemenz die Abschaffung der Selbstanzeige, und outete sich als einer, der seinem guten "Freund" Hoeneß den Marsch geblasen hat: Hoeneß sei ein Sozialschmarotzer, trotz aller Spenden, und daran gebe es nichts zu deuteln.
Der spannendste Nebensatz war jedoch seine Bemerkung, dass Stern-Journalisten weiter an dem Thema recherchieren: Wo kam das Geld her, mit dem Hoeneß zockte? Mir scheint, die Geschichte ist tatsächlich noch lang nicht zu Ende. Wie ich von anderer Seite höre, hatte die Vontobel Bank sieben Mitarbeiter von Morgan Stanley zur Betreuung von Hoeneß eingesetzt.
Jakob Augstein wiederum gab den eher gelangweilten intellektuellen Beobachter, der sich wunderte, warum ein Hoeneß quasi mit Palmwedeln jetzt sogar ins Gefängnis begleitet wird. Hoeneß sei ein Straftäter und das wär´s dann auch. Augstein versucht sich immer links von seinem liberalen Vater zu positionieren, wirkt aber eher wie ein Halbintellektueller - dem die intellektuelle Anerkennung nicht vergönnt ist - und so wünschte er sich noch schärfere und höhere Steuern für die "Reichen". Was Jörges zu dem Hinweis provozierte, dass Augstein Junior jedes Jahr "leistungslos" Millionen Ausschüttungen des Spiegelverlages beziehe.
Der Höhepunkt war dann, als Weißbier-Waldi durchaus Chancen für Hoeneß sah, wieder Präsident beim FC Bayern zu werden, "wenn der Uli das will". Wie würde Kaiser Franz es sagen: "Na schaun mer mal und sehn mer dann."
Wie´s dem Uli im Gefängnis gehen wird beschrieb die ehemalige Justizministerin Däubler-Gmelin ungefähr so: "Das schlimmste ist, dass man seine eigene Persönlichkeit vollkommen abgeben muss, nichts mehr spontan tun kann und allem folgen muss." Das stelle ich mir so vor: "Herr Hoeneß, heute sind Sie mit dem Toilettenreinigen dran. Morgen dann Kartoffeln schälen und nächste Woche Wäschedienst. Sechs Uhr Aufstehen und Licht aus um 22 Uhr." Das wird keine leichte Nummer. Aber das Buch, das er jetzt schreiben kann, wird sicher ein Bestseller.

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