Donnerstag, 6. März 2014

Die Insolvenz der Abendzeitung

Zwei Meldungen liessen in den letzten Tagen medienpolitisch aufhorchen: Die Insolvenz der renommierten Münchner Abendzeitung AZ, die als Gesellschaftsblatt einen Michael Graeter hervorgebracht hat und deswegen sogar Gegenstand eines Society-Films wurde. Und dann der Verkaufserlös des Guardian für einen 50prozentigen Anteil an seinem Autoportal für umgerechnet 750 Millionen Euro. Was den einen kaputt gemacht hat, hat den anderen gerettet.
Das Hauptversäumnis der AZ war, nicht rechtzeitig ein weitgehend journalistenfreies (!) Rubrikenportal als Ersatz für das wegbröckelnde Kleinanzeigengeschäft aufgebaut zu haben. Der Wegfall der Kleinanzeigen ist gerade für ein Boulevardblatt bedrohlich bis tödlich. Matthias Döpfner hat das rechtzeitig erkannt und viel in solche Portale investiert. Und eben auch der renommierte englische Guardian, der durch dieses Geschäft seine Existenz auf Jahre gesichert hat und also noch ganz viele Snowden-Enthüllungen bringen kann.
Im Ernst: Früher waren Anzeigen und Redaktion gemeinsam im Blatt vereint. Im Internet haben sich die größten Rubrikenmärkte von den Redaktionen gelöst und Milliardenwerte geschaffen. (Was nicht in Rubrikenmärkte passt findet sich immerhin als Online-Werbung auch in journalistischen Portalen). 
Die Familie Friedmann hat das Internet verschlafen, 70 Millionen Verlust angehäuft und die Zeitung gegen die Wand gefahren. Die Eigentümer sollten sich für dieses Missmanagement schämen.

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