Montag, 13. Januar 2014

Stiftung Warentest verliert gegen Kreuz-Ritter

Man muss den Mut bewundern, den der Familienunternehmer Alfred T. Ritter aufbrachte, sich gegen die Stiftung Warentest zur Wehr zu setzen. Ein echter Kreuz-Ritter. Ein Unternehmer, der mit 1000 Mitarbeitern eine wunderbare Marke geschaffen hat und sich in seiner Existenz bedroht sieht.
Ein Landgericht hat jetzt sinngemäß der Stiftung die Behauptung untersagt, die Aromen der Schokolade seien entgegen den Werbeaussagen nicht "natürlich".
Das haben bisher nur wenige Unternehmen geschafft, deren Produkte getestet wurden. Die Tester werden wohl in eine weitere Instanz gehen, doch die Glaubwürdigkeit steht nun auf dem Spiel.
Die Idee war immer richtig, eine neutrale Instanz zu schaffen, die der Industrie auf die Finger schaut. Die Fakten kann man HIER nachlesen.
Interessant ist, dass die Stiftung Warentest inzwischen von Journalisten dominiert wird. Vorstandsvorsitzender ist Hubertus Primus, der frühere Chefredakteur von Test. Anita Stocker, früher auch mal bei Focus Online, ist seine Chefredakteurin von Test. Josef Tenhagen ist Chefredakteur von Finanztest und vielgefragter Verbraucher-Experte. Im sechsköpfigen Verwaltungsrat, der den Vorstand überwacht, sitzen unter anderem der frühere Chefredakteur der Wirtschaftswoche Volker Wolff (heute Publizistik-Professor in Mainz) und der Leiter des ZDF-Umweltressorts Volker Angres. Hier die Kontrolleure:
Prof. Dr. Andreas Oehler (Vorsitzender)
Universität Bamberg, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Finanzierung
Volker Angres
Leiter der Redaktion Umwelt beim ZDF, Mainz
Prof. Dr. Manfred Hennecke
Präsident der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, Berlin
Prof. Dr. Lucia Reisch
Copenhagen Business School, Department of Intercultural Communication and Management
Isabel Rothe
Präsidentin der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Prof. Volker Wolff
Universität Mainz, Journalistisches Seminar
Der Verbraucherschutz hat viel Positives bewirkt, das Test-Logo, für das die Unternehmen eine Menge Geld zahlen müssen, ist bei manchen Produkten Hauptunterstützung für den Vertrieb. Viele Kunden kaufen insbesondere bei Haushaltswaren nur getestete Geräte. Umgekehrt ist ein schlechtes Ergebnis für jedes betroffene Unternehmen ein Albtraum.
Doch die Objektivität, die ein wissenschaftlich beaufsichtigter Gerätetest ausstrahlt, gilt nicht für die Zweitmarke, Finanztest. Dieses Medium lebt von der Mutter, obwohl die Testmethoden mit objektiver Präzision nichts zu tun haben. Es ist zwar gut, dass sich dieses einmal von Werner W. Klingberg zunächst zusammengeschusterte und später weiter entwickelte Magazin unabhängig arbeitet. Und viele Ratschläge - etwa in der aktuellen Ausgabe über schimmelnde Wände in Mietwohnungen - sind nützlich. Aber immer wenn es ans Vergleichen geht, wird es fragwürdig. Das gilt für die obskuren Tests zur Bankberatung ebenso wie für alle Versicherungsvergleiche, wo eine Debeka immer ganz oben steht, obwohl wir inzwischen wissen, dass diese Versicherung bei der Akqusition allzu eng mit der Beamtenschaft verwoben ist, wie das Handelsblatt kürzlich enthüllte.
Bei den Vergleichen kommt eben das raus, was man eingibt. Eine Lebensversicherung, die hohe Auszahlungen verspricht, kann doch erst dann wirklich beurteilt werden, wenn die Auszahlung erfolgt. Wir alle wissen, wie diese Auszahlungen in den letzten Jahren abgestürzt sind. Es würde sich lohnen, in den Archiven nachzulesen, wie solche Versicherungen vor 12 Jahren von Finanztest bewertet wurden? Und wer sind die "Experten", die Banken besuchen, um die Beratungsqualität zu testen? Die soll natürlich keiner kennen. Finanztest wurde mit Subventionen aufgebaut und konkurriert mit Magazinen der Privatwirtschaft, denen das Wasser abgegraben wurde. Und macht es wirklich Sinn, dass die Stiftung Warentest (Umsatz 2012 rund 45 Millionen Euro) inzwischen vollkommen kommerzialisiert ist ? (und trotzdem 2012 noch einen Verlust machte). Für 4,90 € kann man sich herunterladen, wo Festgeld und Tagesgeld am meisten Zinsen bringen. Wow, ganz schöner Preis. Finde ich auch leicht im Internet. Soviel zahlt man sonst für ein ganzes Magazin. Dabei ändert sich das fast täglich.
Ich schätze den Kollegen Joseph Tenhagen sehr, aber es nervt mich, dass er zum Dauergast im Frühstücksfernsehen geworden ist und scheinbar für jedes Finanzproblem eine Lösung hat. Er ist im Finanzbereich zur Speerspitze des Verbraucherdenkens geworden, und ihm verdanken wir letztlich die vollkommene Überregulierung der Banken, die nicht Anleger schützt, sondern die Banken vor der Haftung. Hier wird immer vor allem gewarnt, vor allem vor Aktien. Hier wird der Verbraucher letztlich entmündigt.













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