Dienstag, 19. November 2013

Was ist von Bitcoins zu halten ?

Für uns Deutsche sind Währungen etwas Unantastbares. Wir waren stolz auf die D-Mark und unsere Bundesbank, die für die Stabilität unserer Währung gesorgt hat. Heute hat die Bundesbank nicht mehr viel zu sagen, der Euro wird von der Europäischen Zentralbank gelenkt. Zwar sitzt die EZB jetzt in Frankfurt, aber ihr Präsident hat mit seiner Zinssenkung auf 0,25% gezeigt, wie wenig ihn die deutsche Meinung des Bundesbankpräsidenten Weidmann interessiert.
Denn eine Währung war schon immer auch ein Machtinstrument. Deshalb hat der wichtigste liberale Ökonom, Friedrich August von Hayek gegen das Monopol der Notenbanken argumentiert. In diesem Monopol sieht er die eigentliche Ursache für Inflation und schlechtes Geld. Wie jedes andere Gut soll auch die Produktion von Geld vollständig dem Wettbewerb überlassen werden, so Hayek.
Parallelwährungen gibt es schon lange. Auch private Notenbanken gab es schon, wie in Portugual. Allein in Deutschland werden bis zu 30 regionale Währungen wie der "Chiemgauer gezählt, mit denen die regionale Wirtschaft gestärkt werden soll.
Nun macht die 2009 geschaffene Internetwährung Bitcoins Furore. Mit ihr kann man weltweit gebührenfrei zahlen, während man zum Beispiel für eine Banken-Transaktion von 3000 Euro in die USA auf 50 Euro kommt. Auf Marktplätzen kann jeder nach einem einfachen Registrierungsprozess Bitcoins kaufen, um entweder damit zu spekulieren oder ganz simpel beispielsweise eine Importladung T-Shirts in Malaysia zu bezahlen. Es handelt sich letztlich um einen peer-to-peer-Tauschprozess, wie er bei Musik und Filmen bekannt ist.
In Wikipedia lesen wir dazu:
"Bitcoin ist eine Form von virtuellem Geld, die im Jahr 2009 entstand. Die Geldeinheiten, Bitcoins, werden dezentral in einem Computernetz geschöpft und verwaltet. Dieses Netzwerk wird aus Teilnehmern gebildet, die einen Bitcoin-Client ausführen und sich über das Internet miteinander verbinden. Bitcoins können elektronisch beliebig zwischen den Teilnehmern überwiesen werden. Ihr Besitz wird durch den Besitz kryptographischer Schlüssel nachgewiesen. Jede Transaktion von Geldeinheiten wird mit einer digitalen Signatur versehen und in einer öffentlichen, vom gesamten Netzwerk betriebenen Datenbank aufgezeichnet. Die Geldeinheiten können an Online-Börsen gegen andere Währungen getauscht werden."
In Deutschland sind Bitcoins übrigens von der Bafin zum Handel zugelassen worden
Dennoch gibt es großes Misstrauen. Die hohe Volatilität der Währung macht das Finanz-Establishment skeptisch. Zumal der Kurs der Währung inzwischen auf über 430 Euro drastisch angestiegen ist.
Bitcoins gelten als fälschungssicher. Da die im Umlauf befindliche Menge endgültig und unveränderbar festgelegt ist, gibt es auch keine geldmengeninduzierte Inflationsgefahr.  Allerdings kann sich der Kurs an manchen Tagen um 20 Prozent verändern, wobei die Frage ist, ob es sich dabei z.B. um eine Abwertung des Euro oder eine Aufwertung der Bitcoins handelt.
Vieles, was  auch nur annähernd als Beleg für die Fehlerhaftigkeit des digitalen Vorgehens herangezogen werden kann, wird jetzt gegen Bitcoins vorgebracht: Der Skandal um die virtuelle Währung Liberty Reserve, bei der sechs  Milliarden US-Dollar kriminell gewaschen wurden, nährt die Skepsis der ohnehin schon Skeptischen. Doch Geldwäsche ist nicht mit Bitcoins entstanden, sondern mit ganz normalen US-Dollars und anderen wichtigen Währungen, die bis heute Ziel von Fälscherbanden sind. Bitcoin-Konten sind zwar anonym, doch Transaktionen lassen sich durchaus nachverfolgen. Und vor allem: Bitcoins können weder staatlich noch durch Notenbanken manipuliert werden.

Bitcoins haben Risiken, keine Frage. Aber auch der Euro ist alles andere als risikolos. Damit muss sich jeder Nutzer auseinandersetzen. Tatsache ist, dass die Marktkapitalisierung von Bitcoins inzwischen eine Milliarde Euro überschritten hat und zwischen 20 000 und 60 000 Transaktionen pro Tag stattfinden - Tendenz steigend. Jüngst hat eine amerikanische Familie sogar den eigenen Porsche für 300 Bitcoins verkauft. So werden Bitcoins zur Konkurrenz des teuren Bezahldienstes Paypal, den Ebay sich einverleibt hat.  In den USA ist allein im zweiten Quartal 2013 die Zahl der Software-Downloads auf über 200.000 gestiegen. Im Vergleich zur Anzahl der Euro- oder USD-Transaktionen ist dies natürlich ein verschwindend kleiner Anteil.
Bis jetzt habe ich noch keine Bitcoins gekauft - mch aber schon darüber geärgert, was ich da verpasst habe. Der Kurs lag vor einem halben Jahr noch bei 100 Euro.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Das ist keine Kaufempfehlung. Aber ich fange nun doch ernsthaft an, über ein kleines Investment nachzudenken.
P.S. In einem Forum habe ich gelesen: Wäre der Goldpreis so gestiegen wie die Bitcoins, würde die Feinunze heute 80.000 Dollar kosten. Ob es stimmt, habe ich nicht nachgerechnet, aber der Anschein spricht dafür.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen