Donnerstag, 14. November 2013

Hoeneß in Tränen

Es war im Jahr 2000, als zwischen zwei Sport-Ikonen ein Streit ausbrach. Die FAZ schrieb am 22.Oktober 2000: Uli Hoeness über den Streit zwischen Christoph Daum, den damaligen Trainer des 1.FC Köln (nachzulesen hier), dem Drogenmissbrauch vorgeworfen wurde:

Den größten Wirbel entfachte Hoeneß mit der Aussage: "Wenn das alles Fakt ist, worüber geschrieben wurde, auch unwidersprochen über den verschnupften Daum, dann kann er nicht Bundestrainer werden." Hoeneß weiter: "Es geht darum, was sich in den letzten sechs Monaten ereignet hat um Herrn Daum. Um sein privates Umfeld, seine Werbeverträge, um Erpressungsversuche und Prostitution, wovon er ja selber gesprochen hat, um all die Scheiße geht es, um seine Außendarstellung und um die Frage, ob das alles dazu geeigent ist, der oberste Trainer in einem Land wie Deutschland zu sein."

Heute sagt Daum, dass er Mitleid mit Hoeneß hat. Mitleid hatten die Bayern-Fans gestern, als Hoeness in Tränen ausbrach. Stehend applaudierten sie ihrem Präsidenten, der die Vertrauensfrage nach Ablauf des Prozesses stellen will (ein Berufungsverfahren hat er wahrscheinlich hierbei nicht berücksichtigt), der aber zugleich betont hat, dass er unbedingt weiter machen will - "bis zum letzten Atemzug".

Wie ist das Ganze zu beurteilen?
Ich erinnere mich, wie 2009 der mächtige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel im Beisein von ZDF-Fernsehkameras aus seiner Marienburger Villa im Köln abgeführt wurde. Mediale Höchststrafe! Er hatte sein Vermögen in Liechtenstein nicht versteuert. Kein Finger hat sich damals für den Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Telekom gerührt, er musste von seinen Ämtern zurücktreten. Sämtliche Vorstände und Politiker , die ihm vorher zu Füßen lagen, blieben stumm. Er war zuvor  "Manager des Jahres". Sein Bundesverdienstkreuz und den nordrheinwestfälischen Verdienstorden gab er zurück. Ein Gericht verurteilte ihn zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.
Hoeneß hat genauso Steuern hinterzogen wie Zumwinkel, wahrscheinlich weniger, aber doch in erheblichem Umfang. Jetzt geht es darum, ob die kurz nach dem Scheitern des geplanten deutsch-schweizerischen Steuerabkommens eingereichte Selbstanzeige im Januar 2013 formgerecht und wirksam war oder nicht. Falls nicht, droht dem Bayern-Präsidenten eine Vorstrafe - wie seinem bereits vorbestraften Sportdirektor Karl-Heinz Rummenige. Der hat gerade einen Strafbefehl über 250.000 Euro wegen Steuerhinterziehung akzeptiert. In Freundschaft verbunden steht er hinter Hoeneß.

Ist es also eine Frage der Beliebtheit oder der Lebensleistung, ob ein Steuerhinterzieher von Ämtern zurücktreten muss? Die Unterstützung der Mitgliederversammlung gestern abend galt dem Menschen Hoeneß, dessen Lebensleistung unbestreitbar ist. Die Steuerhinterziehung, die er ja zugibt, wird damit nicht sanktioniert.  Der Beifall und die stehenden Ovationen haben den Präsidenten des FC Bayern zu Tränen gerührt. Der ganze Druck ließ für einen Moment die Selbstgewissheit vergessen. 
Tatsächlich war es ein vorgezogener Abschied. Den wird Hoeneß nicht vermeiden können.







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