Donnerstag, 21. November 2013

Der FC Bayern führt die Tabelle an, wer führt die Bayern?

Mit einem Umsatz von 432,8 Millionen Euro hat der Sport-Konzern FC Bayern München AG per 30.6.2013 einen neuen Rekord aufgestellt. Es ist der wirtschaftlich am besten aufgestellte Verein in Deutschland, wenn nicht in Europa. Eine respektable Leistung. Auch sportlich ist der Verein Spitze: 38 Spiele ohne Niederlage – offensichtlich derzeit unschlagbar.

Aber dieser Verein steht jetzt auf wackeligen Beinen, er merkt es nur noch nicht. Und das hat nichts mit ökonomischer Effizienz, sondern mit Moral zu tun. Darf man im Fußball nicht über Moral sprechen? Sieht man die sozialen Kampagnen, die Jugendarbeit, die Unterstützung des Behindertensports, dann weiß man, wie wichtig gerade der Sport für eine leistungs- aber auch sozial orientierte Gesellschaft ist. Auch der FC Bayern ist hier aktiv, beispielsweise mit dem Verein FC Bayern Hilfe e.V.

Doch irgendwie summieren sich die negativen Schlagzeilen. Ist Bayern München noch ein sympathischer Verein?

Der wirtschaftliche Erfolg hat der Vereins- oder besser: Konzernführung ganz offensichtlich den Kopf vernebelt: Tolle Fans, tolle Fußballer, aber ein an Selbstgewissheit nicht zu übertreffender Ungeist in der Führungsspitze.  Buddies, die gemeinsam durch dick und dünn gehen. Motto: Der Erfolg heiligt die Mittel. Die Macht ist in festen Händen. Und im übrigen sind die Medien schuld, die alles aufbauschen. 
Deutlich wird die Fehlentwicklung erst in der Zusammenfassung:
  • Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, wegen Steuerhinterziehung für den Schmuggel seiner Rolex-Uhren vorbestraft, bleibt im Amt, basta. Rolex-Uhren? Klar, muss man haben. 245.000 Euro Strafe? Da sieht man, was der Mann verdient. Es sei ihm gegönnt. Rücktritt?  Natürlich nicht wegen ein paar Rolex-Uhren. Oder? Der frühere Bundespräsident Christian Wulff  steht wegen eines Betrages von 719,40 € vor Gericht.
  • Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Hoeneß, wegen Steuerhinterziehung angeklagt, hat die Chuzpe seinen Mitgliedern unter Tränen eine Abstimmung über seinen Verbleib nach dem Urteil als große Geste zu verkaufen und denkt nicht daran, zurückzutreten. Nach dem Urteil dürfen die Mitglieder abstimmen, ob er Präsident bleiben darf! Warum nicht vorher?  Er selbst will "bis zum letzten Atemzug" bleiben. Hoffentlich nicht, denn ich wünsche ihm noch ein langes Leben. 
  • Der Aufsichtsrat, besetzt mit den Chefs großer Konzerne, hält einen Rücktritt selbst bei einer Verurteilung von Hoeneß mit Unterstützung eines herbeigezauberten Rechtsgutachtens nicht für angebracht. Einzige Einschränkung:  eine  Gefängnisstrafe - nun da wäre es auch mit der Präsenz auf AR-Sitzungen etwas unpraktisch. Hoeneß hat die Steuerhinterziehung bekanntlich zugegeben. Es geht scheinbar nur darum, ob seine recht überhastet eingereichte Selbstanzeige wirksam war oder nicht. Aber wo bleibt die Moral des Mannes, der 2001 bis 2006 spielsüchtig und steuerfrei an der Börse gezockt hat? Dass er einen großen Fehler begangen hat, hat er öffentlich bekannt,  nun gut, das ist als Entschuldigung akzeptabel. Aber welche Konsequenz zieht er daraus? Im Aufsichtsrat sitzen unter anderem die Chefs von Telekom, Audi, Volkswagen und Adidas. Das sind Unternehmen, die im eigenen Hause strenge Compliance-Systeme für die Einhaltung von Regeln eingerichtet haben. Kaum zu glauben, dass keiner den Rücktritt von Hoeneß verlangt. Zwar entscheidet die Hauptversammlung über den Aufsichtsrat, aber selbstverständlich könnte jedes AR-Mitglied jederzeit zurücktreten, wenn es dafür triftige Gründe sieht.
  • Und dann der Höhepunkt: Eine mit dem FC Bayern aufs intensivste verbandelte Ikone namens Franz Beckenbauer, die in der Fifa höchste Funktionen bekleidet, lässt sich zu dem Satz hinreißen: „Ich habe noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Die laufen alle frei rum, ohne Ketten.“ Meine Güte. Das ist nun wirklich das Dümmste, was ich in den letzten Jahren gehört habe. Beckenbauer so dumm, oder war er ganz einfach ehrlich? Ich glaube eher letzteres. 
Man könnte fragen, warum Moral auch bei einem Profi-Verein wichtig ist? Nun, es geht um richtige und falsche Vorbilder. Die kleinen Jungen und Mädchen, die an der Hand der Bundesligaprofis stolz ins Stadion mit einmarschieren, verdienen Vorbilder an der Spitze ihres Vereins. Hoeneß, Rummenigge und  die Mitglieder des Aufsichtsrates sollten darüber noch einmal nachdenken. Fußball ist doch viel mehr als Geschäft.


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